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Chronik Welt
12/05/2020

Buchstabiertafel wird entnazifiziert: Ab jetzt darf es wieder „N wie Nathan“ heißen

In die offizielle deutsche Buchstabiertafel kehren jetzt wieder jüdische Namen wie David, Jakob oder Samuel zurück - die wurden 1934 von den Nationalsozialisten entfernt. Auf Österreich könnte das auch Auswirkungen haben.

von Evelyn Peternel

Dora, Julius, Nordpol, Siegfried und Zeppelin.

Oder: David, Jakob, Nathan, Samuel und Zacharias.

Fünf Namen, die heute wie damals einen großen Unterschied machen: Sie stehen in der offiziellen deutschen Buchstabiertafel, mit der schwer verständliche oder kompliziert geschriebene Begriffe buchstabiert werden. Auch wenn dieses Instrumentarium eigentlich rein technischer Natur ist, war und ist es ideologisch überfrachtet – 1934 ersetzen die Nationalsozialisten die biblischen Namen nämlich durch „reine“ deutsche, da sie die ursprüngliche Variante als „zu jüdisch“ brandmarkten.

Zurück in die Weimarer Zeit

Das wird jetzt, 86 Jahre später, rückgängig gemacht. In Deutschland, wo die Buchstabiertafel durch das Deutsche Institut für Normung (besser bekannt als DIN) vorgegeben wird, kehrt man ab Herbst 2022 zur Variante aus der Weimarer Zeit zurück. Aus Nordpol wird dann wieder offiziell Nathan, aus Dora David.

Das mag auf den ersten Blick nicht so bedeutsam erscheinen, da die Tafel wie ein Relikt vergangener Zeiten wirkt, das kaum jemand nutzt. Dass das nicht so ist, sieht man daran, dass sich in der Öffentlichkeit auch jene Begriffe halten, die eigentlich bereits Ende der 1940er wieder in die Ursprungsvariante zurückverwandelt wurden – seither dürfte es nicht mehr „Z wie Zeppelin“ oder „S wie Siegfried“ heißen, sondern Zacharias oder Samuel.

„In der TV-Gameshow Glücksrad buchstabieren die Kandidaten immer wieder ,S wie Siegfried’“, schreibt Medienexperte Clemens Schwender, der die Buchstabiertafel erforscht hat. „So zeigen die zwölf Jahre (Anm.: Naziherrschaft), die eigentlich tausend währen sollten, auch heute noch Wirkung.“

Keine Norm in Österreich

In Österreich übrigens, wo einem das „Z wie Zeppelin“ am Telefon wohl mindestens so oft begegnet wie in Deutschland, gibt es seit einiger Zeit gar keine Vorgabe mehr zum Buchstabieren. „Die ÖNORM A 1081, die die Buchstabiertafel geregelt hat, ist vor einigen Jahren zurückgezogen worden“, sagt Nikolaus Jelinek, Sprecher von Austrian Standards – dem österreichischen Äquivalent zu DIN –, zum KURIER.

Wie man dann hierzulande buchstabieren soll? Wo keine Norm, da auch keine Vorgabe – anzunehmen, dass sich die Umgangssprache dann wohl wie so oft an den deutschen Nachbarn orientieren wird.

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