Trauernde Menschen hinterließen am Tatort Briefe, Blumen und Kerzen.

© Reuters/Orlowski

Chronik Welt
07/30/2019

Attacke in Frankfurt: Mann war in psychiatrischer Behandlung

Der mutmaßliche Bahnhofs-Angreifer soll verheiratet und Vater von drei Kindern sein. Deutschlands Innenminister Seehofer spricht von "kaltblütigem Mord".

In einer eigens einberufenen Pressekonferenz hat sich der deutsche Innenminister Horst Seehofer heute zu der tödlichen Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof geäußert. Bei der Tat handele es sich um "kaltblütigen Mord", sagte der CSU-Politiker. Am Frankfurter Hauptbahnhof soll der Mann am Montag einen achtjährigen Buben vor einen einfahrenden ICE gestoßen haben. 

"Ein solches Ereignis macht uns alle fassungslos und trifft uns mitten ins Herz", sagte Seehofer in Berlin. Man werde nun "alles tun, dass der mutmaßliche Täter einer gerechten Bestrafung zugeführt wird".

Die Pressekonferenz mit Horst Seehofer können Sie nachsehen:

Was bisher bekannt ist

Der mutmaßliche Täter stammt ursprünglich aus Eritrea. Der Vater von drei Kindern war laut den Behörden im Jahr 2006 unerlaubt in die Schweiz eingereist, 2008 wurde ihm Asyl gewährt. Er ging nach Angaben der Bundespolizei einer festen Arbeit nach. Zuletzt wurde er aber in der Schweiz gesucht und sollte festgenommen werden.

Er soll am vergangenen Donnerstag eine Nachbarin mit einem Messer bedroht und eingesperrt haben. Danach ist er offenbar geflüchtet - das sagte Bundespolizeipräsident Dieter Romann bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Seehofer. Der 40-Jährige sei aber "auch im Vorfeld mit entsprechenden Delikten bereits in der Schweiz auffällig" gewesen.

Der Tatverdächtige ist festgenommen worden. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat gegen ihn im Fall des vor den Zug gestoßenen Buben Haftbefehl wegen Mordes beantragt.

Der mutmaßliche Angreifer vom Frankfurter Hauptbahnhofwar nach Angaben der Schweizer Behörden in diesem Jahr in psychiatrischer Behandlung. Es hätten aber "keine Hinweise auf eine Radikalisierung oder ein ideologisches Motiv" vorgelegen, hieß es aus Zürich. Es liefen weitere Ermittlungen zu seinem Gesundheitszustand. Er habe aber "ganz offensichtlich psychische Problemen" gehabt. 

Keine Verbindung zwischen Täter und Opfer

Der Beschuldigte schweige bisher zu der Tat. Täter und Opfer hätten sich nicht gekannt. Ein Test habe zudem ergeben, dass der Mann keinen Alkohol getrunken habe. Es gebe auch keine Hinweise auf Drogen und keine Erkenntnisse über eine Verbindung zu einer anderen Tat im hessischen Wächtersbach. Dort hatte ein Deutscher offenbar aus rassistischen Motiven einen Eritreer mit einem Bauchschuss schwer verletzt und sich anschließend selbst getötet.

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am Montag erst die Mutter und dann deren achtjährigen Sohn im Bahnhof vor einen einfahrenden ICE gestoßen zu haben. Während die Mutter sich noch retten konnte, wurde das Kind überrollt und getötet. Zudem habe der Mann versucht, eine 78-Jährige auf die Gleise zu stoßen. Die Frau habe sich jedoch wehren können. Sie wurde laut Staatsanwaltschaft dabei an der Schulter verletzt und erlitt einen Schock. Der mutmaßliche Täter flüchtete und wurde von Passanten gestellt. Darunter ist auch ein Polizist gewesen, der zu der Zeit nicht im Dienst gewesen ist.