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Chronik Welt
08/02/2019

Bub vor Zug gestoßen: Seehofer für Grenzkontrollen zur Schweiz

Zudem will die deutsche Polizei mehr Präsenz auf Bahnhöfen zeigen. Vom Täter wird ein psychiatrisches Gutachten erstellt.

Am Montag hatte ein 40-jähriger Mann eine Mutter und ihren achtjährigen Sohn im Hauptbahnhof von Frankfurt/Main vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Während sich die Mutter retten konnte, wurde der Bub von dem ICE überrollt und getötet. Als Reaktion auf den Tod des Achtjährigen will der deutsche Innenminister Horst Seehofer Kontrollen an der Grenze zur Schweiz einführen. "Ich werde alles in die Wege leiten, um intelligente Kontrollen an der Grenze vorzunehmen", sagte Seehofer dem Spiegel.

Im Jahr 2018 seien 43.000 unerlaubte Einreisen nach Deutschland registriert worden. "Diesem Umstand müssen wir begegnen, durch eine erweiterte Schleierfahndung und anlassbezogene, zeitlich befristete Kontrollen auch unmittelbar an der Grenze, auch an der Grenze zur Schweiz." Bis September wolle er ein entsprechendes Konzept vorlegen.

Mit der deutschen Kanzlerin hat Seehofer noch nicht über seine Pläne gesprochen. Anders als vor einem Jahr, als der Streit um die Grenzen fast zum Bruch der Unionsfraktionen führte, drohe dieses Mal aber kein Konflikt mit Angela Merkel, glaubt Seehofer: "Ich weiß die Bundeskanzlerin in diesen Sicherheitsfragen voll auf meiner Linie."

Mehr Polizeipräsenz

Der CSU-Politiker will zudem die Sicherheitsvorkehrungen an den deutschen Bahnhöfen erhöhen. Etwa über Schleusen oder Sperren, wie sie in London oder Paris an Bahnsteigen zum Einsatz kommen, solle diskutiert werden. Im September werde es hierzu ein Treffen mit Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), dem Bahn-Vorstand sowie Experten für Bahnsicherheit geben, kündigte Seehofer an. Die Kosten für die Maßnahmen könnten in die Milliarden Euro gehen: "Über die Jahre werden wir mit einem Millionenbetrag nicht auskommen", so Seehofer im Spiegel.

Psychiatrisches Gutachten

Vom Tatverdächtigen soll ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden. Es ist ein Sachverständiger beauftragt worden, der mit dem 40-Jährigen entsprechende Gespräche führt, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Gegen den dreifachen Familienvater, ein Eritreer, der seit 2006 in der Schweiz lebte, wird wegen Mordes und zweifachen Mordversuchs ermittelt. Am Montag soll er in Frankfurt auch versucht haben, eine 78-Jährige ins Gleisbett zu stoßen. Die Frau habe sich aber retten können. Laut der Züricher Polizei war der Mann in diesem Jahr in psychiatrischer Behandlung.

Die Familie des Kindes bekam nach der Tat viel Anteilnahme und Unterstützung. Es wurde auch eine Online-Spendenkampagne für die Angehörigen gestartet. 

Am Dienstag gab Innenminister Seehofer eine Pressekonferenz, die Sie hier nachsehen können: