4 Festnahmen nach Bombenanschlag auf Enthüllungsjournalisten in Italien
Nach einem Bombenanschlag auf den bekannten italienischen Enthüllungsjournalisten Sigfrido Ranucci im vergangenen Oktober haben die Carabinieri vier mutmaßliche Täter festgenommen. Gegen die Verdächtigen wurden Haftbefehle unter anderem wegen des Besitzes und Einsatzes von Sprengstoff sowie Sachbeschädigung mit erschwerendem Mafia-Bezug vollstreckt. Die Festnahmen fanden Dienstagfrüh in den Provinzen Neapel und Avellino statt.
Der Anschlag ereignete sich am Abend des 16. Oktober 2025 in Pomezia bei Rom. Ein Sprengsatz detonierte vor dem Eingangstor von Ranuccis Wohnhaus. Dabei wurden zwei auf der Straße geparkte Fahrzeuge des Journalisten zerstört und die Grundstücksmauer beschädigt. Die Ermittlungen zur Identifizierung der mutmaßlichen Auftraggeber dauern an.
Verdächtigte sollen im Auftrag bisher unbekannter Dritter gehandelt haben
Den vier Beschuldigten wird unter anderem der Besitz, das Mitführen und der Einsatz eines Sprengsatzes an einem öffentlichen Ort, Bedrohung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Nach Angaben der Ermittler sollen sie die Tat mit fünf weiteren Beteiligen begangen haben. Nach bisherigen Erkenntnissen handelte das Kommando gegen Bezahlung im Auftrag bisher unbekannter Dritter. Die mutmaßlichen Auftraggeber sollen die Ausführenden unterstützt haben, unter anderem mit Geld, speziellen SIM-Karten, juristischem Beistand und Plänen für eine mögliche Flucht ins Ausland.
Die Ermittler werfen den Beschuldigten außerdem vor, wiederholt versucht zu haben, die Aufklärung der Tat zu behindern. So sollen sie nach Abhörtechnik gesucht, SIM-Karten vernichtet und abgestimmte Aussagen vereinbart haben, um ihre Beteiligung zu verschleiern und die Auftraggeber zu schützen. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gibt es weitere Beschuldigte. Die Carabinieri führen derzeit mehrere Durchsuchungen bei Personen durch, die den Sprengstoff geliefert oder das Kommando logistisch unterstützt haben könnten.
Der 64-jährige Ranucci ist einer der bekanntesten Investigativjournalisten Italiens. Seit 2017 moderiert er die Sendung „Report“ auf RAI 3, ein renommiertes TV-Magazin für investigative Recherchen. Zuvor war er als Kriegsberichterstatter und Auslandskorrespondent tätig - unter anderem während der Balkankriege, im Nahen Osten und bei Naturkatastrophen. Für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet.
Ranucci steht seit 2014 wegen Morddrohungen unter Polizeischutz. Er hatte wiederholt zur italienischen Mafia recherchiert. Der Europa-Chef der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF), Pavol Szalai, hatte den Bombenanschlag als „schwersten Angriff auf einen italienischen Reporter in den vergangenen Jahren“ bezeichnet.
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