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Chronik Welt
08/17/2021

Autopilot verursacht Unfälle: Auf Tesla kommt Rückrufaktion zu

"Teslas fahren in stehende Objekte. Das sollten sie nicht", sagt ein Forscher. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde überprüft nun das Fahrassistenzsystem.

von Dirk Hautkapp

Polizeiautos, Feuerwehr- und Krankenwagen haben auf Amerikas Straßen im geparkten Zustand in der Dunkelheit etwas gemeinsam. Sie leuchten grell, weil von Amtswegen so ziemlich alle Warnlichter eingeschaltet werden müssen.

Trotzdem rasten seit 2018 mindestens elf Mal Wagen der E-Automobil-Reihen S, X, Y und 3 des US-Elektroauto-Konzerns Tesla in besagte Einsatzfahrzeuge. Stets war dabei nach Angaben der US-Verkehrssicherheitsbehörde (NHTSA) das als „Autopilot“ angepriesene Fahrassistenzsystem der Firma von Multi-Milliardär Elon Musk eingeschaltet. 17 Menschen wurden teils schwer verletzt, einer starb. Grund genug für die NHTSA, Tesla nun ernsthaft auf den Zahn zu fühlen.

Ergibt die offizielle Untersuchung von über 765.000 Autos ab dem Baujahr 2014 ernste Probleme, kommt auf Musk vermutlich ein teure und imageschädliche Rückrufaktion zu. Die Börse reagierte pikiert auf die Nachricht. Die Tesla-Aktie büßte am Montag zeitweilig über vier Prozent ein. Tesla reagierte nicht auf Nachfragen. In den USA hat das Unternehmen die Pressestelle abgeschafft.

Für Musk kommt der Behörden-Eingriff zu einem widrigen Zeitpunkt. Tesla plant in Kürze mit Musk an der Spitze eigens für den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der autonomen Fahrtechnik zu werben. Dahinter steht ein Grundsatzstreit. Während Konkurrenz-Hersteller sogenannte Lidar-Sensoren einsetzen, die mithilfe von Laserstrahlen im Umkreis von 250 Meter ein Hindernis, etwa ein anderes Auto, dreidimensional darstellbar machen, setzt Musk auf Kameras, die das bisher nur zweidimensional können.

Laut Experten der Transportsicherheitsbehörde NTSB ein Unterschied "wie Tag und Nacht". Dass die Behörden Tesla im Visier haben, geht auch auf den Einsatz der demokratischen Senatoren Richard Blumenthal (Connecticut) und Edward Markey (Massachusetts) zurück. Beide Politiker hatten sich nach einem tödlichen Tesla-Unfall in Texas dafür ausgesprochen, dass die Aufsichtsbehörden Tesla neue Vorschriften machen müssen.

"Völlig selbstfahrend"

Der "Autopilot" könne von Kunden als Einladung missverstanden werden, nicht mehr auf den Verkehr achten zu müssen. Tesla nennt seine fortgeschrittene Software sogar "Full Self-Driving", übersetzt "völlig selbstfahrend". Auch das ist irreführend aus Sicht von Auto-Experten. Zwar kann das System vorübergehend selbst beschleunigen, bremsen und lenken. Aber Tesla selbst weist immer wieder darauf hin, dass der Fahrer die Hand am Lenkrad haben muss und aktiv den Verkehr zu beobachten hat. Jetzt erklingen Warntöne, wenn der Fahrer seine Hände vom Lenkrad nimmt.

Wie gefährlich das ist, zeigte ein tödlicher Unfall mit einem stehenden Sattelschlepper-Anhänger. Der Fahrer hatte sich auf den Auto-Piloten verlassen. Der aber hatte den Anhänger nicht erkannt.

Dass nun genau untersucht wird, welche Rolle die Technik bei schweren Unfällen in der jüngeren Vergangenheit spielte, ist für Alain Kornhauser, Direktor für autonome Fahrsysteme an der Princeton Universität, überfällig. "Teslas fahren in stehende Objekte", sagte der Forscher lakonisch, "das sollten sie nicht".

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