Artemis-2: Der gefährlichste Teil der Reise steht noch bevor
Erdaufgang für Artemis-2
Zusammenfassung
- Artemis-2 bricht mit 406.771 Kilometern den bisherigen Entfernungsrekord und ermöglicht den Astronauten einzigartige Mondansichten.
- Trotz kleinerer Probleme mit Bord-Toilette und Technik läuft der Flug nach Plan, der gefährlichste Teil – der Wiedereintritt – steht aber noch bevor.
- Die Crew sendet emotionale Botschaften zur Erde, während die NASA und Partner bereits die nächsten Schritte für Mondlandungen planen.
406.771 Kilometer - so weit war noch nie ein Mensch zuvor von seinem Heimatplaneten entfernt. In der Nacht auf Dienstag brachen die vier Astronauten von Artemis-2 den Entfernungsrekord von Apollo-13 aus dem Jahr 1970 um rund 6500 Kilometer.
Bisher läuft der Flug des Orion-Raumschiffes nach Plan. Das größte Problem macht aktuell die Bord-Toilette, die von Missionsspezialistin Christina Koch schon mehrfach repariert werden musste. Zusätzlich zeigte sich, dass Outlook auch nicht wirklich weltraumtauglich ist, das Mailprogramm stürzte ab und war stundenlang nicht wieder in Gang zu bringen.
Artemis-2: Die Crew deqs Orion-Raumschiffes hat viele Aufgaben
Dafür konnten die drei US-Amerikaner und der Kanadier auch Teile des Mondes sehen, die noch nie ein Mensch jemals mit freiem Auge gesehen hat. Darunter etwa das Mare Orientale, eine Art Grand Canyon des Mondes.
Ansonsten ist das Programm in der neun Kubikmeter großen Kapsel (etwa die Größe eines VW-Campervans) zehn Tage lang ziemlich durchgetaktet. Nach dem täglichen Wecken der Crew mit Musik müssen Notfälle simuliert werden oder medizinische Tests absolviert werden. Viel Zeit, um die Aussicht aus den vier Fenstern zu genießen, bleibt nicht. Aber immerhin ist um 60 Prozent mehr Platz als in den Apollo-Raumschiffen.
Die Erde in einem der vier Fenster
Tränen im Orion-Raumschiff
Die Crew schickte außerdem eine berührende Nachricht zur Erde. So baten sie darum, zwei Krater benennen zu dürfen. Einer sollte nach der Orion-Kapsel benannt werden, ein zweiter solle Carroll-Krater heißen, sagte der kanadische Astronaut Jeremy Hansen mit tränenerstickter Stimme. Damit solle an die 2020 im Alter von 46 Jahren an Krebs gestorbene Ehefrau des Kommandanten Reid Wiseman erinnert werden.
Hansen sagte der Kanadischen Weltraumbehörde (CSA) bei einem Videoanruf: "Wir haben außergewöhnliche Dinge gesehen." Am Dienstag gab es für die Crew eine Sonnenfinsternis, bevor in der Früh die Erde hinter dem Mond aufging.
Bis zu 400.000 Menschen gleichzeitig verfolgten die verschiedenen Livestreams des Fluges. Gefragt wurde dabei immer wieder, warum die Crew nicht landet. Abgesehen davon, dass es erst ein Testflug ist, kann das Orion-Raumschiff gar nicht landen. Dafür werden die zwei Landefähren benötigt, die momentan von SpaceX und Blue Origin gebaut werden und die beide noch große technische Probleme haben.
Artemis-2: Der gefährlichste Teil kommt erst
Auch wenn bisher alles glatt läuft, möchte die NASA noch nicht von einem Erfolg reden. Die Umlaufbahn wurde zwar so perfekt getroffen, dass nicht einmal Korrekturen notwendig waren, der gefährlichste Teil folgt allerdings erst in der Nacht auf Samstag. Dann muss die "Integrity", wie das Orion-Raumschiff von der Besatzung mittlerweile genannt wird, zeigen, dass sie den enormen Kräften beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre gewachsen ist.
Nicht gut funktioniert hatte das Hitzeschild bei der unbemannten Testmission Artemis-1. Bei der Rückkehr des Space Shuttles Columbia im Jahr 2003 zerbrach deswegen sogar das komplette Raumschiff. Bei der NASA möchte man deshalb erst eine erste Bilanz ziehen, wenn die Crew sicher am Meer gelandet ist.
Danach wird es für die beteiligten Raumfahrtorganisationen (darunter die ESA) aber keine Verschnaufpause geben. Bereits im kommenden Jahr möchte die NASA im Rahmen von Artemis-3 versuchen, ob eine Koppelung mit der Orion in der Erdatmosphäre möglich ist. Bereits 2028 soll es eine Landung geben. Viele Experten halten diesen Zeitplan aber für unrealistisch. Doch die USA möchten unbedingt noch vor China, das eine Landung 2029 plant, Fußspuren im Mondstaub hinterlassen.
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