© APA/AFP/SIMON MAINA

Chronik Welt
04/02/2021

"Anlass zur Sorge": Neue CoV-Variante in Afrika entdeckt

Bei Reisenden aus Tansania wurde eine neue Coronavirus-Variante entdeckt, die bis zu 40 Mutationen aufweist.

In Afrika beunruhigt eine neue Corona-Variante die Experten. Sie ist der panafrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC zufolge in Angola bei Reisenden aus Tansania entdeckt worden.

"Das ist sicherlich eine Variante, die Anlass zur Sorge gibt“, sagte der Leiter der Africa CDC, John Nkengasong, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Die neue Variante weise bis zu 40 Mutationen auf. Viele davon seien an Stellen des Virus, die fĂŒr die Immunantwort des Menschen relevant sind, sagte Nkengasong.

Noch sei allerdings nicht klar, welche Auswirkungen diese Mutationen tatsÀchlich haben.

Dass Viren wie Sars-CoV-2 sich verĂ€ndern, ist normal. Problematisch wird es, wenn sich durch die Mutationen die Eigenschaften des Virus verĂ€ndern, der Erreger also leichter verbreitet wird, der Krankheitsverlauf schwerer wird oder Impfstoffe nicht mehr wirken. Die neue Variante wird nun in einem Labor in SĂŒdafrika untersucht.

Das ostafrikanische Tansania hat seit Mitte vergangenen Jahres keine Daten ĂŒber Covid mehr herausgegeben. Auch aktuell gebe es keine Informationen zur genauen Anzahl der FĂ€lle dort, erklĂ€rt die CDC. Der vor kurzem verstorbene tansanische PrĂ€sident John Magufuli hatte vergleichsweise lockere Corona-EinschrĂ€nkungen erst spĂ€t eingefĂŒhrt.

Afrika steuert auf dritte Welle zu

"Wir wissen leider nicht, wie diese Variante auf Impfstoffe reagiert“, erklĂ€rte Nkengasong. Es gebe nun ein Überwachungssystem in Tansanias NachbarlĂ€ndern, wĂ€hrend die Mutante in SĂŒdafrika untersucht werde. Auf dem Kontinent wurden in 18 LĂ€ndern laut CDC mittlerweile die hoch ansteckende, zuerst in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 nachgewiesen, in 18 weiteren die „sĂŒdafrikanische“ Variante B.1.3.5.1.

Seit Beginn der Pandemie gab es insgesamt mehr als 40 Millionen Tests in Afrika. "Der Kontinent bewegt sich langsam in Richtung auf eine dritte Welle zu, was zu erwarten stand“, sagte Nkengasong. WĂ€hrend vor allem das westliche und sĂŒdliche Afrika noch rĂŒcklĂ€ufige Zahlen bei den Neuinfektionen registriere, stiegen sie nun vor allem in Zentral-, Ost- und Nordafrika an.

Nkengasong begrĂŒĂŸte, dass Afrika seine Impfstoffe kĂŒnftig auch selbst produziere. Grundlage dafĂŒr ist ein Abkommen der Afrikanischen Union mit dem US-Pharmakonzern Johnson & Johnson fĂŒr insgesamt 400 Millionen Dosen. Ein Großteil davon soll in SĂŒdafrika produziert werden. Das Abkommen sieht zunĂ€chst die Anschaffung von 220 Millionen Dosen mit der Option auf 180 Millionen weitere vor.

Der CDC-Direktor warnte jedoch vor BeeintrĂ€chtigungen durch LieferbeschrĂ€nkungen aus Indien, die auch die UN-Initiative Covax fĂŒr eine schnelle Impfstoffbelieferung Ă€rmerer LĂ€nder ausbremse. „Jegliche Verzögerung wird Afrika daran hindern, seine Ziele schnell zu erreichen“, sagte er. Covax werde sich aber nach anderen Beschaffungsquellen umschauen. Bisher haben die afrikanischen Staaten knapp 30 Millionen Dosen Impfstoff beschafft, von denen etwa ein Drittel verimpft wurde. 28 Staaten hĂ€tten sie ĂŒber die Covax-Initiative erhalten, 20 Staaten auch ĂŒber bilaterale Abkommen.

Seit Beginn der Pandemie wurden der Africa CDC zufolge rund 4,2 Millionen Corona-Infektionen auf dem afrikanischen Kontinent verzeichnet, das entspricht 3,3 Prozent der weltweit entdeckten Ansteckungen. Rund 89 Prozent von ihnen sind wieder genesen.

Von den registrierten TodesfĂ€llen stellt der gesamte Kontinent mit 112 000 FĂ€llen global betrachtet gerade mal 4 Prozent. Die meisten FĂ€lle hat SĂŒdafrika mit mehr als 1,5 Millionen Infektionen - 37 Prozent aller in Afrika registrierten Infektionen. Dahinter folgen Marokko (12 Prozent), Tunesien (6), Ägypten (5) und Äthiopien (5). Nach Expertenansicht gibt es auf dem Kontinent mit 1,3 Milliarden Menschen aber eine hohe Dunkelziffer.

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare