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Chronik Welt
02/28/2020

AKW Mochovce: Video zeigt Explosion in Notstromaggregat

Ein Ingenieur, der im AKW Mochovce arbeitet, hat Global 2000 Videos zugespielt, die mehrere Kurzschlüsse eines Dieselgenerators im Herbst 2018 zeigen.

Atomreaktoren sind Hochrisiko-Anlagen. Fällt die Stromversorgung aus – etwa durch Blitzschlag, Kurzschluss oder Erdbeben – müssen Notstrom-Generatoren anlaufen und weiter zuverlässig Strom für die Reaktor-Kühlung liefern. So wird der Reaktor in einem stabilen „kalten“ Zustand gehalten. Sollten die Notkühlsysteme ausfallen, droht ein Schreckensszenatio wie vor neun Jahren in Fukushima: Die Brennelemente überhitzen und schmelzen, der Reaktorkern brennt sich durch die Schutzhülle – im schlimmsten Fall kommt es zur Freisetzung großer Mengen radioaktiver Stoffen - bis zum Super-GAU.

Global 2000 warnt nun vor den „veralteten und schlechten Zuständen“ der Stromdieselgeneratoren in dem umstrittenen slowakischen Atomkraftwerk Mochovce. Somit sei auch nicht klar, ob im Fall eines Stromausfalls die Generatoren anspringen und Kühlung gewährleisten. "Falls diese Notkühlsysteme ausfallen, passiert das, was vor knapp neun Jahren in Fukushima passiert ist", sagte Reinhard Uhrig, Atomsprecher von Global 2000.

Ausgangspunkt sind Videos, die Global 2000 von einem Mochovce-Ingenieur Videos zugespielt wurden. Zu sehen sind mehrere Kurzschlüsse eines Dieselgenerators im Herbst 2018 – explosive Verpuffungen sind zu sehen, bei denen Teile durch den Raum geschleudert werden. Fotos zeigen, wie einer der Generatoren unzureichend abgedeckt, mit offenen Löchern in der Stahldecke der Halle, mitten in einer Wasserpfütze steht.

"Die Slowaken sind verrückt"

Der spanische Maschinenbauingenieur Mario Zadra, der bis April 2018 an der Baustelle in Mochovce gearbeitet hatte, bestätigte Unregelmäßigkeiten bei den Generatoren und Probleme beim Sicherheitsmanagement. Er warnte, wenn die Anlage im Notfall nicht innerhalb kürzester Zeit gekühlt und heruntergefahren werde, sei sie "komplett unsicher". "Die Slowaken sind verrückt", sagte der Techniker, der schon an mehreren AKWs in verschiedenen Ländern tätig war, via Skype aus Spanien.

Auch ein österreichischer Experte, der sich Mess-Daten der in Mochovce installierten Generatoren angesehen hat, sieht Mängel. Die Daten bei einer Maschine seien "wenig zufriedenstellend", sagte das Mitglied des Fachausschusses Rotierende elektrische Maschinen des Österreichischen Verbands für Elektrotechnik, das anonym bleiben wollte. Der Experte empfahl eine "eingehende Inspektion". Die Generatoren, die zwar bereits 30 Jahre alt seien, könnten durchaus eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren haben, wenn die Herstellerempfehlungen etwa hinsichtlich Revisionsintervallen und Inspektionen eingehalten würden. Doch genau daran hegt Global 2000 unter Verweis auf entsprechende Betreiberangaben Zweifel.

Alle Zweifel bezüglich der Sicherheit müssten ausgeräumt werden, bevor der 3. Reaktor in Betrieb geht, forderte der slowakische Oppositionspolitiker Karol Galek. Er berichtete, dass ihm im Dezember ein anonymer Brief zugespielt worden sei, der "Versagen des Managements" beweisen soll. In dem Schreiben, das der APA vorliegt, ist von mangelhaften Kabeln, beschädigten Kühltürmen und Druckausübung durch die Bauleitung die Rede. Galek hat den Brief der Justiz weitergeleitet und es werde ermittelt.

Die Inbetriebnahme der neuen Reaktorblöcke 3 und 4 des rund 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernten AKW Mochovce war ursprünglich für 2012 und 2013 geplant und wurde mehrmals verschoben. Im Mai räumte die Betreibergesellschaft Slowakische Energiewerke (SE) ein, dass sich der Fertigbau der neuen Blöcke auch wegen Einwänden aus Österreich möglicherweise bis März 2020 verzögern werde.

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