Atomkraftwerk Mochovce

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Chronik Österreich
05/24/2019

Slowakei lässt internationale Kontrolle von AKW Mochovce zu

Umweltministerin Köstinger sieht darin einen großen politischen Erfolg Österreichs.

Eine Mission der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO (IAEA) wird den neuen 3. Reaktorblock des umstrittenen slowakischen Atomkraftwerks Mochovce vor seiner Inbetriebnahme inspizieren. Das berichtete die slowakische Zeitung "Dennik N" am Freitagnachmittag auf seiner Webseite. Die Kontrollen sollen im Oktober stattfinden.

Der AKW-Betreiber, die Slowakischen Stromwerke (Slovenske elektrarne/SE), bestätigte demnach, dass die Inspektion des Teams für Bewertung der Betriebssicherheit (OSART - Operational Safety Assessment Review Team) durchgeführt werden soll. Die SE betonen, dies sei keine Reaktion auf die Kritik aus Österreich. Laut der slowakischen Atomaufsicht (UJD) brauche es formell keine Kontrolle durch eine internationale Mission. Es würde aber dem Ansehen der Firma helfen.

Köstinger: "Haben immer unabhängige Inspektoren gefordert"

Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) bestätigte die Berichte über die Kontrollen von Mochovce. Sie sprach in einer ersten Reaktion von "einem großen politischen Erfolg". "Wir haben immer gefordert, dass die Slowakei unabhängige internationale Inspektoren ins Land lässt, um die gravierenden Sicherheitsmängel an den Reaktoren 3+4 zu überprüfen", erklärte Köstinger in einer Aussendung. "Der politische Druck, den Österreich auch mit Hilfe der Öffentlichkeit entwickelt hat, hat dazu geführt, dass die Slowakei diese Überprüfungen durch Inspektoren der IAEA durchführen lässt."

Die Inbetriebnahme der Blöcke 3 und 4 des rund 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernten Atomkraftwerks war ursprünglich schon für 2012 und 2013 geplant und wurde mehrmals verschoben. Mehrere ehemalige Arbeiter und Ingenieure hatten sich Anfang April an die Umweltorganisation Global 2000 gewandt und vor gravierenden Mängeln am Bauprojekt gewarnt. Auch von chaotischen Arbeitsabläufen und Druck des "inkompetenten" italienischen Bauleitungsmanagements war die Rede.

Foto-Dokumente und Zeugenaussagen würden belegen, dass die Sicherheitshülle des Reaktors durch Bohrungen beschädigt wurde und im Falle eines Erdbebens oder von Explosionen im Zuge eines schweren Unfalls versagen könnte, hieß es seitens Global 2000. Die Slowakischen Stromwerke bestritten die Sicherheitsmängel und sprachen von Panikmeldungen der Umweltschützer.