Chronik | Welt
06.08.2018

Absturz von historischer Junkers: Hitze als mögliche Ursache

JU-52 stürzte mit 20 Insassen, darunter eine Familie aus NÖ, in der Schweiz ab. Ursachenforschung erfolgt ohne Blackbox.

Tragisches Ende einer Erlebnisreise von Locarno nach Dübendorf. Keiner der 20 Insassen überlebte. Eine Familie aus Niederösterreich – Eltern mit ihrem Sohn – starb ebenso wie die anderen 14 Passagiere und die drei Besatzungsmitglieder. Am Samstagnachmittag prallte die JU-52 HB-HOT senkrecht mit hoher Geschwindigkeit auf den Boden. Das Unglück des 1939 gebauten Flugzeugs ereignete sich in 2540 Metern Seehöhe an der Westflanke des Piz Segnas im Kanton Graubünden in der Schweiz.

Die Absturzursache ist noch unklar, doch die Analyse der Unfallstelle lässt schon einige Schlüsse zu. „Eine Kollision mit einem Hindernis, Kabel oder einem anderen Fluggerät kann ausgeschlossen werden. Es gab keine Fremdeinwirkung von außen“, sagte Daniel Knecht von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle. Das Flugzeug sei vor dem Absturz nicht auseinandergefallen oder habe Teile verloren. Jetzt wird abgeklärt, ob die Hitze Auslöser für das Unglück war.

Dünne Luft

Hitze ist mit einer Verdünnung der Luft verbunden. Das Flugzeug hat bei gleicher Höhe weniger Leistung, das spürt man beim Start und in einer Kurve“, sagte Knecht. Die Situation sei anspruchsvoller, es brauche Erfahrung, um damit umgehen zu können. An Erfahrung mangelte es dem Piloten allerdings nicht. Er war 62 Jahre alt und war mehr als 30 Jahre als Linienpilot für die Luftwaffe geflogen. Das gilt auch für den 63-jährigen Co-Piloten.

Auch das Alter des „Tante Ju“-Oldtimers, er war 79 Jahre alt, sei laut Knecht kein Alarmzeichen: „Das Alter der Maschine steht in keinem Zusammenhang mit der Gefährlichkeit des Fluges. Wenn die Maschine richtig gewartet wird, kann sie auch betrieben werden.“ Das Flugzeug hatte keine Blackbox und laut Polizei sind auch keine technischen Aufzeichnungen vorhanden.

Die Ju-Air, die die Rundflüge mit historischen Flugzeugen veranstaltet, hat den Flugbetrieb bis auf Weiteres eingestellt. Noch im Juli war die JU-52 mit einem Rundflugprogramm beim Fliegerclub Weiße Möwe Wels, OÖ, aktiv. „Problemlos“, heißt es seitens des Vereins. Über die Lufthansa-„Stiftung Berlin“ werden mit einer eigenen JU-52 hunderte Flüge auf vielen Flughäfen, auch in Salzburg, angeboten. „Bei jedem Flugzeug und jedem Flug von Lufthansa hat Sicherheit höchste Priorität. Nach dem erschütternden Absturz der Junkers JU-52 in der Schweiz gibt es derzeit keine Auswirkungen auf den Betrieb der JU-52 der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung“, so eine Sprecherin.

SWITZERLAND-PLANE-ACCIDENT
SWITZERLAND-PLANE-ACCIDENT
Flugzeugabsturz: Drei Niederösterreicher tot