Chronik
05.04.2018

Warum ein Flugzeug auf einem Dach landet

In der Maschine flogen einst bis zu 189 Passagiere. Jetzt soll sie Markenzeichen eines Grazer Hotels werden.

 „Das kostet natürlich schweineviel Geld“, erklärt Helmut Neukam und meint, dass dieses Geld wie „mit einem großen Trichter“ in sein Projekt fließe. In Zahlen sind das gute zwei Millionen Euro bisher für Kauf und Transport.

Aber wer hat schon eine Passagiermaschine auf seinem Dach? Eben. Keiner. Nur er.

Aber alles der Reihe nach. Seit Neukam sein Hotel „Novapark“ im Norden von Graz eröffnete, habe er sich etwas Besonderes dafür vorgestellt. „Um ein einzigartiger Fisch in dem Teich voll Fischen zu sein. Und so ein ähnliches Projekt habe ich nirgends entdeckt.“ Ein Flugzeug sollte es sein. Ein richtig großes. Nächtelang surfte Neukam im Internet, suchte nach einer Maschine und fand eine ausrangierte Boe ing. Weil die dann doch zu üppig für sein Hoteldach war, landete der Steirer im niederösterreichischen Heidenreichstein: Dort stand eine Iljuschin Il-62M, Baujahr 1976, seit 2000 auf dem Boden und diente bis 2013 als Restaurant. „Ein Zufallstreffer“, befindet Neukam. Er schlug zu.

122 Tonnen

In der Nacht zum Donnerstag kam die Maschine in Graz an, per Sondertransport und so klein zerlegt, wie nur möglich. Wobei Größe hier relativ ist: Allein der 50 Meter lange Rumpf der Maschine, in der einst Platz für 189 Passagiere war, wiegt 54 Tonnen. Der gesamte Transport mit Spezialfahrzeug bringt 122 Tonnen auf die Waage.

Dabei war das Gewicht noch nicht einmal die größte Herausforderung: Mit dem starren Stück um Kurven zu manövrieren, musste zuvor in einer Computersimulation getestet werden, erklärt Franz Sucek von der Firma Prangl. „Wenn du Hindernisse hast, kriegst du den geraden Teil in einer Kurve fast nicht rüber. Da hat es Häuserwände gegeben, bei denen rechts und links gerade noch ein Finger reingepasst hat.“

Fünf Meter breit und viereinhalb Meter hoch ist das Flugzeug: Um damit in enge Straßen einbiegen zu können, wurden in Graz Ampeln und Verkehrsschilder demontiert und in Niederösterreich sogar Kreisverkehre. „Da sind wir dann gerade durchgestochen“, erzählt Sucek.

In den nächsten Wochen werden die Tragflächen wieder angeschraubt. Danach wird die Maschine auf das Dach gehievt. Am 4. Juli soll die Eröffnung sein: Das Flugzeug wird dann als „Event Location“ zu mieten sein, wie Hoteldirektor Ricardo Nickel erläutert: Für Weihnachtsfeiern, Hochzeiten, Schulungen. Allerdings rechnet Neukam auch mit Schaulustigen, die das Flugzeug gegen eine Eintrittsgebühr „in sehr niedrigem Rahmen“ betrachten können.