Bisons gelten als Lieferanten von wertvollem Fleisch. Sie werden als Wildtiere gehalten.

© Sascha Trimmel

Bio-Schnitzel
03/06/2016

Warum Bisons im Freien getötet werden dürfen

Gesetz verwehrt Rinderzüchtern stressfreie Tötung auf Weide, Bison-Züchter dürfen das schon.

von Wolfgang Atzenhofer

Nur wenn Tiere schmerzlos und ohne Angst geschlachtet werden, kann den Konsumenten beste Fleischqualität garantiert werden. Bei diesem Ansinnen sehen sich Tierzüchter und Gourmets aber von strengen gesetzlichen Schranken behindert. Denn der für Tiere stressfreie Kugelschuss auf der Weide und in gewohnter Umgebung bleibt auch nach einem jüngsten Urteil des Landesverwaltungsgerichtshofes in Niederösterreich für die Mäster tabu. Bei Bisons, die für ihre Fleischqualität hoch geschätzt sind, ist die Tötung durch die Gewehrkugel jedoch erlaubt. Sie gelten nämlich als Wildtiere.

"Wir haben eine Herde von 60 Tieren rückgezüchteter Rinderrassen. Mit dem Kugelschuss wollten wir ein noch hochwertigeres Fleisch gewinnen", berichtet Leopold Steinmetz, 62, aus dem Bezirk Scheibbs. Der negative Bescheid der Bezirksbehörde für das Vorhaben des Bauern wurde in der Berufung vom Verwaltungsgerichtshof bestätigt. Steinmetz – "Ich habe auf Schlachthöfen so manches Massaker erlebt" – akzeptiert das Ergebnis dennoch. Nicht so der steirische Rinderbauer Josef Schögel: "Ich hab’ den Kugelschuss sieben Jahre mit besten Erfahrungen praktiziert, dann wurde ich angezeigt. Jetzt wird mein Anliegen vor dem Europäischen Gerichtshof behandelt".

Gesetz

EU-Gesetze verlangen, dass die Schlachtung von Tieren, deren Fleisch für den menschlichen Genuss bestimmt ist, in geschlossenen Räumen passieren muss, heißt es im NÖ Erkenntnis sinngemäß. Zudem fehlt generell die gesetzliche Grundlage für den Kugelschuss auf Weiden. Ausnahmen gibt es für Notschlachtungen, Farmwild und Wildtiere wie eben Bisons.

Um die 60 dieser imposanten "Urrinder" hält Lukas Kocher am Biohof Edibichl bei Altenmarkt im niederösterreichischen Triestingtal. Bis zu 1200 Kilo schwer und eher unberechenbar, wäre ein stressfreier Transport der Kolosse zum Schlachthof wohl gar nicht möglich. "Wir haben auch Rinder, die werden, wie vorgeschrieben, im Schlachthof des Nachbarn ebenfalls ohne Stress geschlachtet", berichtet Kocher.

Neidvoll blicken die Rinderbauern nicht nur auf den Bison-Halter, sondern auch nach Deutschland. Dort ist das stressfreie Töten von Schlachttieren per Gewehrkugel erlaubt. "Die deutsche Ausnahme basiert auf einem Formfehler nach einem liegen gelassenen Antrag bei der EU-Behörde", erklärt Andreas Moser von der NÖ Bauernkammer. Er und der NÖ Landesveterinär Wigbert Rosmanith sehen den Kugelschuss kritisch.

Streitthema

Nicht zuletzt kürzlich veröffentlichte Bilder von gequälten Tieren am Weg zur Schlachtbank in großen Schlachthöfen heizten die Diskussion um ein würdigeres Töten wieder an. "Sinnvoller wäre, nicht die lebenden Tiere durch die Gegend zu fahren, sondern die bereits geschlachteten", ist die Biobäuerin und Rinderzüchterin Helga Bernold aus Stronsdorf in NÖ überzeugt.

Abgeblitzt sind auch Züchter von Schottischen Hochlandrindern. "Wir haben mit dem Demeterbund einen Antrag beim Ministerium gestellt, der abgelehnt wurde", berichtet deren Obmann Friedrich Hardegg. Um das stressfreie Schlachten am Hof dennoch zu gewährleisten hat Fred Zehetner auf seiner Farm in Wildendürnbach, NÖ, tief in die Tasche gegriffen. "Wir haben in einen eigenen EU-konformen Schlachthof investiert", schildert der Herr einer Herde von 700 Galloway-Rinder.

Trotz beispielhafter Lösungen wie dieser, ist in der Branche klar: Die Diskussion um stressfreies Schlachten ist nicht zu Ende . "Fleisch von Tieren, die vor der Tötung gequält wurden und die Angst hatten, ist wertlos", bringt es Verena Kocher vom Bison-Hof auf den Punkt.

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