Chronik | Vorrang
05.12.2011

Sicherheit auf dem Schulweg: Üben, üben, üben

Beim Schulweg können vor allem Eltern Fehler machen. Verkehrserziehung ist besser als nichts, aber das Wissen muss in der Familie gefestigt werden.

Der Schulbeginn steht vor der Tür - und damit die Gefahren des Straßenverkehrs für die Kinder: 2010 wurden laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) in Österreich 382 Kinder zwischen sechs und 15 Jahren auf dem Schulweg verletzt, so wenige wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Aktivitäten wie schulische Verkehrserziehung, Schülerlotsen, Schulwegpolizei, Schulwegpläne, Plakate für Autofahrer, etc. haben die Sicherheit der Kinder am Schulweg in den letzten Jahren deutlich erhöht. Ein probates Mittel sei laut Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Prävention im KFV, dass Eltern mit ihren Kindern den Schulweg immer wieder üben.

"Mama-Taxi"

Was dem KFV noch wichtig ist: "Das ,Mama-Taxi' vermeiden", warnt Robatsch. "Kinder sollten möglichst nicht mit dem Auto in die Schule gebracht oder abgeholt werden. Eltern gefährden durch den Pkw-Transport ihres Kindes von und zur Schule die zu Fuß gehenden Schüler durch den zusätzlichen Verkehr und die Park- und Wendemanöver beim Aussteigen." Geht's nicht anders, dann das Kind zur Gehsteigseite hin aussteigen lassen und beim Abholen nicht auf der gegenüber liegenden Straßenseite warten.

Bereits seit Jahrzehnten gibt es auch die diversen Verkehrs(kinder)gärten, wo die Kleinen mit Bodenmarkierungen, Ampeln und Tafeln vertraut gemacht werden. Johannes Ruppitsch, Verkehrserzieher bei der Kärntner Polizei, weiß: "Hier werden die ersten Schritte gesetzt, aber der Schwerpunkt liegt eher auf der Umgebung der Schule, um die Verkehrswirklichkeit zu vermitteln." Solche Anlagen bestehen in Klagenfurt, Wolfsberg, Villach und St. Veit/Glan. Auch Schulverkehrserziehung durch die Polizei wird nach wie vor betrieben. Ruppitsch: "Hier wird vor allem auf die Eigenheiten im Umkreis der Schule eingegangen. Die Kinder zeichnen einen Plan von ihrem persönlichen Weg, der dann mit seinen Gefahrenstellen besprochen wird."

Zweimal kommen die Polizisten in jede Klasse, dann geht es "hinaus in die Realität". "Alles wird in kleinen Schritten geübt, weil die Konzentrationsfähigkeit bei den Kleinen noch nicht so hoch ist", erklärt Ruppitsch.

150 Polizisten

Besprochen werden u. a. Länge und Sicherheit des Schulwegs sowie die Bewegung beim fließenden Verkehr und bei parkenden Autos. Danach wird der Weg mit Begleitung absolviert und auch das Verhalten bzw. Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel steht auf dem Lehrplan der rund 150 uniformierten Kärntner Verkehrserzieher.

Marion Seidenberger, ÖAMTC-Verkehrspsychologin, kann dieser Form der Schulung durchaus etwas abgewinnen: "Manche Eltern üben den Schulweg mit den Kindern gar nicht, überlassen alles der Schule. Auf diese Weise wird dem Kind gezeigt, wie es sich verhalten soll und seine Fragen werden kindgerecht beantwortet." Allerdings, gibt Seidenberger zu bedenken, müssten diese Erkenntnisse in der Familie fortgesetzt und wiederholt werden: "Sonst verebbt dieses Wissen wieder."

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