Nordrhein-Westfalen/ Erstklaessler mit gelben Reflektoren warten am Mittwoch (22.08.12) in der Naehe einer Grundschule in Duesseldorf beim Auftakt zur Initiative "Brems Dich! Schule hat begonnen!" der Deutschen Verkehrswacht (DVW) darauf, einen Zebrastreifen zu ueberqueren. (zu dapd-Text) Foto: Tim Schulz/dapd

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KURIER-Aktion
09/01/2013

Schulbeginn: Kinder müssen immer Vorrang haben

Die Polizei beginnt diese Woche mit Sonder-Planquadraten vor heimischen Schulen und Kindergärten. Der KURIER bietet die besten Tipps und Tricks für den sicheren Schulweg.

Am Montag gehen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland die großen Ferien zu Ende, eine Woche später folgen die restlichen Bundesländer. Für die Kinder und Jugendlichen fängt damit auch eine gefährliche Zeit an, denn auf dem Schulweg lauern Gefahren. 559 Kinder (das entspricht 22 Schulklassen) wurden im vergangenen Jahr auf dem Weg zur oder von der Schule verletzt (siehe auch Zusatzbericht unten).

Die KURIER-Aktion „Vorrang für Kinder“ geht deshalb heuer zum bereits vierten Mal über die Bühne. Kompetentere Partner kann man sich dabei nicht wünschen, die Polizei und das Innenministerium sind mit an Bord. 20.000 Beamten werden daran teilnehmen und mit guten Aktionen, aber auch Strafen dafür sorgen, dass die Disziplin der Autofahrer speziell zum Schulstart hoch ist. Denn was wenige Lenker wissen: Wer bei Schulen oder Kindergärten zu stark aufs Gas tritt, kann deshalb den Führerschein bereits beim ersten Vergehen für sechs Monate verlieren.

Bewusstsein schaffen

Ziel der Aktion ist es, „ein Bewusstsein zu schaffen und so den Schulweg für die Kinder sicherer zu machen“, erklärt KURIER-Herausgeber und Chefredakteur Helmut Brandstätter. „Die Sicherheit unserer Kinder ist das Wichtigste überhaupt.“

„Wir wollen mit der Aktion sowohl den Kindern als auch den Eltern die Sicherheit am Schulweg näher bringen“, erklärt Wiens Landespolizeikommandant Karl Mahrer. „Vorrang für Kinder soll alle für die Gefahren sensibilisieren. Wir gehen in die Volksschulen und unterrichten Verkehrserziehung. So lernen die Kinder die Polizisten als Helfer kennen und nicht als jemanden, der Strafen verteilt. Wir arbeiten dabei sehr eng mit den Bezirken zusammen, sodass wir uns auf die individuellen Begebenheiten der Örtlichkeiten anpassen können. Auf der anderen Seite machen die Polizisten sehr gerne den Verkehrsunterricht. Es ist schön, wenn man in dem Beruf merkt, dass man wirklich helfen kann.“

44.000 Arbeitsstunden

Die Polizei wird in den kommenden Wochen 44.000 Arbeitsstunden für die KURIER-Aktion aufwenden, vor allem für Kontrolltätigkeiten. Vor allem in Wien wird es Sonder-Planquadrate vor Schulen und Kindergärten geben. Autofahrer sollten hier also besonders achtgeben und rücksichtsvoll fahren.

Dieser Ausgabe liegt darüber hinaus ein Stundenplan bei, auf dessen Rückseite wertvolle Tipps für den Schulweg zu finden sind. Auch ein Gewinnspiel wird es geben, bei einem Verkehrsquiz werden Warnwesten zu gewinnen sein. Ausführlich zum Nachlesen ist alles auf der KURIER-Homepage. Dort kann auch der Stundenplan heruntergeladen werden.

Aufmerksam machen auf die Aktion wird auch eine Straßenbahn, die täglich am Ring in der Bundeshauptstadt unterwegs sein wird. Die KURIER-Aktion startete im Jahr 2011 nach einem tödlichen Unfall in Wien-Döbling. Mittlerweile ist sie bereits zu einem Klassiker geworden. Ziel ist es auch diesmal, die Zahl der Unfallopfer zu senken. Im Vorjahr gelang es zumindest, erstmals eine einstellige Zahl an toten Kindern im Straßenverkehr zu erreichen. Die Tendenz zeigt also in die richtige Richtung.kurier.at/thema/vorrang

Schülerlotsen regeln in Wien fast 150 Schutzwege

Rechte und Pflichten. An 146 Punkten in der Bundeshauptstadt stehen ab kommender Woche Schülerlotsen. Als solche fungieren nicht nur Polizisten und Zivildiener, sondern auch Eltern, Lehrer und sogar Schüler selbst. Alle müssen zuvor einen entsprechenden Antrag dazu in einem Stadtpolizeikommando gestellt und dann eine entsprechende Prüfung abgelegt haben.

50 Zivildiener, unterstützt von rund ebenso vielen Exekutiv-Assistenten (ehemalige Post- und Telekommitarbeiter) und knapp 90 Privatpersonen sichern zu Schulbeginn und nach Unterrichtsende im Einvernehmen mit der jeweiligen Schule die Schutzwege. Zusätzlich müssen auch Polizeibeamte den Schulweg sichern, da es immer wieder zu Überschneidungen und Ausfällen kommt. Rund 200 Polizisten stehen dafür zur Verfügung.

Schülerlotsen haben übrigens immer einen Ausweis dabei, der sie in ihrer Funktion bestätigt. Während die Schulwegpolizei berechtigt ist, den Straßenverkehr anzuhalten, damit Kinder die Straße überqueren können, ist der Schülerlotse eine Kann-Bestimmung. Er zeigt den Verkehrsteilnehmern an, dass ein Kind die Straße queren möchte, hat aber nicht das Recht, den Verkehr anzuhalten. Da es sehr häufig einen Mangel an Schülerlotsen gibt, sind Bewerbungen immer gerne gesehen.

Tricks und Tipps für den sicheren Schulweg

  1. Achten Sie auf Ihr eigenes richtiges Verhalten, seien Sie den Kindern im Straßenverkehr ein Vorbild.
  2. Erklären Sie Ihrem Kind, dass der Zebrastreifen zwar zum Schutz für Fußgänger angebracht wurde, aber trotzdem erst bei entsprechender Verkehrslage benützt werden soll.
  3. Bei einem Fahrzeug ist zum Ein- oder Aussteigen immer die Gehsteigseite zu benützen. Beachten Sie die Bestimmungen zur Personenbeförderung – Kinder benötigen einen Kindersitz.
  4. Klare Angaben und Loben: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, gemeinsam den Schulweg abzugehen und im Zuge dessen den Kindern kurze, klare Vorsichtshinweise zu geben. Keinesfalls sollte man dem Kind dabei Angst machen, sondern es eher mit Lob an richtiger Stelle motivieren und unterstützen.
  5. Sich „kleinmachen“: Es ist ratsam, das Verkehrsgeschehen aus Kinderaugen zu betrachte. In die Knie gehen und das Blickfeld der Kinder einnehmen hilft bei der Erkennung von Sichthindernissen, die man als Erwachsener nicht wahrgenommen hätte. Besonders Ein- und Ausfahrten, Elektrokästen, Baustellen oder Plakattafeln sind gefährliche Punkte – Kinder sollten hier stehen bleiben und genau schauen.
  6. Szenarien durchspielen: „Mit was ist, wenn...“-Fragen versetzt man die Kinder in verschiedene Situationen und kann ihnen Lösungsvorschläge unterbreiten oder ihre Antworten korrigieren.
  7. Sicherheit vor Schnelligkeit: Befinden sich Ampelkreuzungen und Zebrastreifen auf der Strecke zur Schule, sollten diese unbedingt genutzt werden – auch wenn dadurch Umwege entstehen.
  8. Ablenkung vermeiden: Handy, Musikhören, Spielsachen – derartiges Beiwerk auf dem Schulweg führt schnell dazu, dass man potenzielle Gefahren nicht registriert. Eltern sollten auch dieses Thema mit den Kindern im Vorfeld besprechen. Nutzen die Schulanfänger die öffentlichen Verkehrsmittel auf dem Weg in die Schule, sollten auch hier wichtige Aspekte vorab geklärt werden – unter anderem die richtige Position und das richtige Verhalten an der Haltestelle (etwa nicht Fangen spielen).
  9. Für Sichtbarkeit sorgen: Aufgrund ihrer Körpergröße werden Kinder von herannahenden Verkehrsteilnehmern oft zu spät oder gar nicht wahrgenommen.
  10. Für sichtbare Sicherheit sorgen Kinder-Warnwesten oder Reflektoren, die man an der Schultasche sowie Kleidung anbringen kann. Damit ist man bereits aus einer Entfernung von 150 Metern erkennbar – ohne nur aus 25 Metern. Je früher die Kinder erkannt werden, desto eher können Auto-, Bus-, Lkw- oder Motorradfahrer vorausschauen reagieren und ihre Fahrweise anpassen.

3000 verletzte Kinder pro Jahr im Verkehr

2933 Kinder (bis 14 Jahre) wurden im vergangenen Jahr auf der Straße verletzt, acht getötet. Auch wenn es in aktuellen Groß-Inseraten des Verkehrsministeriums heißt, dass ein Großteil dieser Unfälle auf dem Schulweg passieren, stimmt das so eigentlich nicht. Etwa acht Prozent der Unfälle ereignen sich tatsächlich am Weg zur Schule oder auf dem Heimweg danach. Deshalb ist ohnehin immer Vorsicht geboten.

Die Opferzahl sinkt

In Wien waren laut Oberst Josef Binder von der Verkehrspolizei im Vorjahr 60 Verletzte und im Jahr davor 73 Verletzte am Schulweg zu beklagen, Todesopfer gab es keines. Seit Jahren gehen die Zahlen – wie in ganz Österreich – langsam zurück.

OÖ am gefährlichsten

Die meisten Unfälle mit Kindern ereignen sich jedenfalls in Oberösterreich, dahinter liegen Wien und Niederösterreich seit Jahren ziemlich gleichauf. Die meisten Todesopfer – nämlich drei – gab es im Vorjahr in Tirol. Die meisten davon starben als Mitfahrer in Autos.

„Etwa jeder vierte Kinderunfall am Schulweg ereignet sich auf Schutzwegen“, berichtet Binder. Um schlimmeres zu verhindern werden deshalb die Polizisten vor allem im Umfeld der Zebrastreifen postiert werden. 2011 und 2012 gab es in ganz Österreich kein totes Kind auf dem Weg zur Schule, in den Jahren davor waren es meist zwei Opfer. Das schlimmste Jahr der letzten Dekade war 2004 mit sogar fünf toten Schülern.

Moped als Problemfall

Für den Nachwuchs besonders gefährlich ist das Mopedfahren und seit heuer dürfen durch eine EU-weite Regelung erstmals 16-Jährige bereits den Führerschein für Kleinmotorräder ablegen – und anschließend mit 130 km/h über die Autobahn brettern. Allein die 15-jährigen Mopedlenker verursachten im vergangenen Jahr laut Statistik Austria 1869 schwere Unfälle.

Fragen Sie Wiens Polizeipräsidenten

Am Dienstag. Sie wollen, dass die Polizei bei Ihnen am Schulweg kontrolliert? Sie haben Fragen zur Kinderpolizei oder wollen wissen, wie Sie ein Schülerlotse werden? Oder interessiert es Sie, wie hoch die Strafen für Schnellfahren vor Schulen sind?

Am kommenden Dienstag steht Ihnen Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl für alle Fragen zum Thema Schulwegsicherheit zur Verfügung. Ab 15.30 Uhr wird Wiens höchster Polizist eine Stunde lang in der KURIER-Redaktion für Sie am Telefon sitzen. Einfach am Dienstag anrufen unter (01) 52 100-2303.

Pürstl unterstützt die Aktion „Vorrang für Kinder“ bereits seit dem Start vor zwei Jahren: „Für die Polizei ist es eine Selbstverständlichkeit, diese Aktion zu unterstützen. Eine unserer Hauptaufgaben ist die Verkehrsüberwachung. Und da legen wir besonderes Augenmerk auf die Kinder, die Kleinsten der Gesellschaft, die unseren besonderen Schutz brauchen“, sagt Wiens Polizeipräsident.

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