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Martinsdorf
08/24/2014

Von Los Angeles ins Weinviertel

Die Liebe zur Traube trieb Peter Schöfmann aus der Haubengastronomie zum heutigen Weinbau.

von Stefan Sailer

Von der Küche im Hilton-Hotel in Wien, über Lech am Arlberg und Los Angeles direkt in den 300-Seelen-Ort Martinsdorf im Herzen des Weinviertels. "Eine Steigerung muss schließlich sein", scherzt der ehemaligen Haubenkoch Peter Schöfmann. Während des Weineinkaufs beim Weingut Zuschmann lernte er schließlich seine heutige Frau Else kennen. Seit 2002 führen die beiden nun gemeinsam den Betrieb.

Mit viel Liebe zum Detail und zur Qualität hat sich die Anbaufläche im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdreifacht. Der traditionelle Heurigenbetrieb wurde deshalb aufgegeben. Stattdessen wird nun alljährlich jeden Freitag, ab Anfang April bis Ende August, zum gemeinsamen Tafeln geladen. Mit maximal 20 Personen bleibt das gemütliche Ambiente erhalten. "Wir wollen uns für unsere Gäste auch Zeit nehmen", sagt Zuschmann, ganz nach dem Motto: Ein Winzer zum Angreifen.

Aufmerksamkeit ist dem Weinakademiker besonders wichtig. Deshalb wurde auch auf die Neuetikettierung der Flaschen großen Wert gelegt. "Der Kunde soll ein Gesicht zum Wein haben", sagt der zweifache Familienvater. Das Sortiment wurde deshalb in drei Kategorien eingeteilt. Ein junges Pärchen ziert die leichten, frischen Weine. Reife Weiß- und Rotweine fallen in die Klasse "Mitten im Leben". Die kräftigen Sorten, in erster Linie Reserveweine, fügen sich bereits dem "Lauf der Zeit".

Bio-Betrieb

Eine gewisse Vorreiterrolle nimmt das Weingut auch mit ihrer Philosophie zur Nachhaltigkeit ein. Seit 2012 wird der Betrieb komplett biologisch betrieben. Neben dem Qualitätsanspruch ist dieser Schritt vor allem aus der inneren Überzeugung geschehen, erzählt Schöfmann: "Nach dem Spritzen hatte ich meist selbst das Bedürfnis, mich sofort zu duschen." Zudem sind seiner Meinung nach die Möglichkeiten zur Bearbeitung der Rebstöcke vielschichtiger.

Neben dem Weinverkauf haben die beiden Weinliebhaber vor einigen Jahren auch eine kleine Greißlerei eingerichtet. "Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht", sagt Zuschmann, weil der Ort jahrelang ohne Nahversorger auskommen musste. Neben den klassischen Grundprodukten kann auch Kiwi-Essig, Paradeiserkernöl oder Veltliner-Schokolade gekauft werden.

Vor sechs Jahren wurde schließlich ein ehemals typischer Weinviertler Wein wieder neu initiiert, der Brünnerstraßler. "Bei Verkostungen wurde ich oft danach gefragt", sagt der Winzer. Zuletzt sei vor allem die Marke DAC stark forciert worden. Doch gerade im Sommer treffe die säurehaltige, fruchtige Note den Geschmack des Kunden, ist das Winzerpaar überzeugt.

Jahrelang kochte Peter Schöfmann in der Gastronomie in Österreich sowie in Los Angeles.

Diese Liebe hat er sich beibe- halten und bekocht nun die Gäste am Weingut in Martinsdorf. Anstatt eines typischen Heurigens wird jeden Freitag, von April bis Ende August, ein gemeinsames Tafeln veranstaltet. Die Produkte werden aus der Umgebung bezogen. Jeden Samstag gibt es einen Ab-Hof- Verkauf. Neben den Weinen kann man sich in der Greißlerei durchkosten. Veltliner-Schoko, Paradeiserkernöl und Kiwi-Essig warten. Info: www.weinlodge.at

Neben dem modernen Weinviertler Ambiente am Weingut Zuschmann-Schöfmann erlebt man nur wenige Kilometer weiter, im Museumsdorf in Niedersulz, die Historie. Das Eintauchen in das vorvorige Jahrhundert beschränkt sich nicht nur auf das Spazieren durch die alten Ensembles und Ausstellungen. An Schwerpunkt-Tagen wird altes Brauchtum zu neuem Leben erweckt. Am 13. September steigt das Naturgartenfest. Tags darauf findet der traditionelle Dirndlgwandsonntag statt.

Etwas weiter nördlich, in Poysdorf, steht wiederum die Geschichte des Weins im Zentrum. Die Zeitreise im Vino Versum reicht von der einstigen Kelterei der Sumerer vor rund 5000 Jahren bis zum modernen Weinbau. Bei Kellergassen- und Weingut-Führungen taucht man dann in die Praxis ein.

Eng verbunden mit dem Weinviertel ist auch die Verarbeitung von Getreide zu Brot. Im MAMUZ Museum in Asparn/Zaya werden dazu regelmäßig Workshops angeboten.

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