Chronik
19.11.2017

Treffpunkt Wien: Interview mit einem Vampir

Im Ronacher gibt Mark Seibert den Grafen von Krolock. Seine Fleischeslust stillt er im Pentahotel.

Ob Romeo im Musical "Romeo & Julia" , der Tod in "Elisabeth" oder Graf von Krolock in "Tanz der Vampire". Die Charaktere, die Mark Seibert auf der Bühne darstellt, tun Dinge meist aus Liebe.

Eine Eigenschaft, die er mit seinen Rollen gemein hat. Denn das Studium belegte der Deutsche nur deshalb am Wiener Konservatorium, weil er sich während des Spanienurlaubs in eine Wienerin verliebt hatte. Die Beziehung hielt dann zwar nur ein halbes Jahr, dafür ist seine Wienliebe bis heute geblieben.

Zwölf Jahre lebt Mark Seibert mit einigen Unterbrechungen mittlerweile in Wien und er hat vor, noch einige Zeit zu bleiben. Wenn er aber doch mal Lust auf Deutsche hat, muss er von seiner Wohnung in Wien-Margareten nur ein paar Schritte gehen. In die Margaretenstraße 92, in Österreichs erste Dependance der deutschen Hotelkette Pentahotel.

Als der KURIER Mark Seibert hier trifft, checken gerade Crewmitglieder der deutschen Fluglinie Eurowings am Bartresen ein. Denn die Lobby ist gleichzeitig auch Bar und Restaurant. Essen und Trinken gibt es also rund um die Uhr. Zu nächtlicher Stunde wird man Mark Seibert hier dennoch selten antreffen. Anders als man es von einem Künstler erwarten würde, ist der 38-Jährige ein Morgenmensch.

Kerzen und Goldspiegel

Ob der lila Hausbeleuchtung ist das Pentahotel vor allem in der Nacht nicht zu übersehen. Mit den hohen, goldenen Spiegeln, den Kerzen auf der Ziegelsteinmauer und den schweren Lederfauteuils könnte man für ein Interview mit einem Musical-Vampir wohl kaum eine passendere Location finden. Und Mark Seibert bestellt dann – wie könnte es anders sein – ein Filetsteak. Medium Rare.

Während er auf das Essen wartet, erzählt er von seinemaktuellem Engagement.Er spielt den Grafen von Krolock in "Tanz der Vampire", das 20 Jahre nach seiner Uraufführung in Wien wieder auf die Bühne geholt wurde.

Mark Seibert erinnert sich noch gut daran, als er das Stück als Jugendlicher in Stuttgart gesehen hat. "Wie schön wäre das, wenn ich mal irgendwo ganz hinten stehen und mitmachen dürfte", hat er damals gedacht.

Nun darf er sogar eine der Hauptrollen spielen. Die Hauptrolle eigentlich. Ganze Foren beschäftigen sich nämlich mit der Frage, wer der beste Graf ist. Allein in dieser Spielzeit wechseln einander drei Darsteller in dieser Rolle ab – damit alle Fans auf ihre Rechnung kommen. Mark Seibert spielt den Grafen noch bis Ende Dezember und ab Mitte Februar. Vor ihm war es Drew Sarich, im Jänner ist es Thomas Borchert.

Karibik bis Shanghai

Langweilig wird Seibert in der Vampir-freien Zeit nicht. Er hat Auftritte in Wien, Shanghai und auf einem Kreuzfahrtschiff in der Südsee. Davor kommt aber erst einmal seine liebste Jahreszeit in Wien: Die Weihnachtszeit mit den Punschhütten, Christkindlmärkten und Weihnachtsbeleuchtungen. Erstmals verbringt er die Weihnachtsfeiertage in Wien.

Mit einem Lächeln serviert der Kellner nun das Steak. Auch die Freundlichkeit des Personals ist etwas, das er an dem Lokal schätzt.

"Die grantigen Kellner in den Wiener Kaffeehäusern sind das einzige, an das ich mich noch nicht gewöhnt habe", sagt er und lacht. "Aber das macht die Anerkennung wett, die Künstler hier bekommen. Wenn man in Wien auf Wohnungssuche ist und sagt, man arbeitet bei den Vereinigten Bühnen, werden einem Türen geöffnet. In Deutschland bekommt man skeptische Blicke und die Frage: ,Künstler sagen Sie? Singen Sie dann die ganze Zeit?’"