Verletzungsgefahr im Skiurlaub in Österreich: Abseits der Pisten lauert die Gefahr
In diesem Skigebiet im Tiroler Unterland schossen 2022 zwei 17-Jährige über die Piste in steindurchsetztes Gelände und starben.
Die Woche hat am Montag im Westen Österreichs unter einem strahlend blauen Himmel begonnen. Nachdem es zuletzt wieder einmal geschneit hat, haben zumindest die Berge wieder einen winterlichen Anstrich. Beste Bedingungen also für jene, die aktuell etwa wegen der Semesterferien in Wien und Niederösterreich in den Skiurlaub gefahren sind.
Doch das Postkartenwetter ist trügerisch. Denn auf den zweiten Blick offenbart sich in viele Regionen aperes und mitunter felsdurchsetztes Gelände neben den Pisten, das oft selbst in höheren Lagen nur dürftig mit Schnee bedeckt ist. Der Dezember wie der Jänner waren äußerst niederschlagsarm. Daraus ergibt sich ein gefährlicher Mix.
Ein typisches Muster
Die Pisten selbst sind hart. Und wer über sie hinaus gerät, schlägt oft noch viel schlimmer ein, weil der Schnee als Dämpfer fehlt. „Wir merken sofort, wenn die Bedingungen so schlecht sind. Die Verletzungen sind dann viel schwerer“, sagt Rohit Arora, Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie.
Rohit Arora leitet die Innsbrucker Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie
Ein – wieder einmal – schneearmer Winter wie in dieser Saison bedeute: „Mehr Schädel-Hirn-Traumata, mehr Wirbelsäulenverletzungen und ganz schwere Rodelunfälle“, weist der Unfallchirurg auf eine andere Wintersportart hin, die unter diesen Voraussetzungen brandgefährlich sein kann.
„Rodeln ist viel riskanter als Skifahren. Aber immer noch tragen dabei sehr wenige Leute Helm.“ Was zuletzt zudem auffalle: Rodler gingen zunehmend nicht nur mit Spikes an den Schuhen hinauf: „Sie fahren auch damit runter. Wenn die sich verkanten, gibt es ganz seltene Sprunggelenksverletzungen. Das haben wir davor nie gesehen “, berichtet der Experte.
Ferienkalender im Auge
Der hat jedes Jahr mit seinem Team einen genauen Blick auf den Ferienkalender – und nicht nur auf den von Österreich, wo jetzt nach und nach alle Bundesländer in die Semesterferien gehen. Im Februar stehen auch in mehreren deutschen Bundesländern und den Niederlanden Ferien an.
Die Unfallchirurgen an der Innsbrucker Klinik sind auf Hochbetrieb eingestellt. „Wir wissen, dass wir mehr zu tun haben werden. Deshalb haben wir jedes Wochenende Zusatzdienste und halten OP-Kapazitäten vor.“ Dabei geht es nicht zuletzt darum, die Absage von geplanten Operationen wegen Akutverletzten zu vermeiden.
Bis zu 160 Patienten pro Tag
Bereits der Dezember sei „extrem“ gewesen, sagt Arora. „Wir hatten Wochenenden mit 160 Patienten pro Tag. Normal sind es etwa 100.“ Bei jedem dritten Fall handelt es sich um verletzte Wintersportler. Unfallgruppe Nummer eins sind naturgemäß die Skifahrer, die sich nun wieder in Massen auf den Pisten treffen. Und dennoch sind es nicht die Kollisionen, die das größte Problem darstellen.
Aus früheren Erhebungen weiß der Klinikdirektor: „Die meisten Skiunfälle sind selbstverschuldet.“ Befragungen von Skitouristen hätten zudem ergeben: „Die meisten Verletzungen passieren am dritten Tag. Darum empfehlen wir, auch mal einen Tag skifrei zu machen, damit sich der Körper erholen kann.“
Die Risikogruppe Nummer eins
Bei vielen Gästen gelte jedoch die Devise: „Wir müssen fahren, weil wir die eine Woche im Jahr gebucht haben.“ Viele würden sich auch nicht die Zeit gönnen, um sich an ihre Leihausrüstung zu gewöhnen. Bei denen, die dann über die Piste hinauskrachen, handelt es sich meist um Skifahrer im Alter von „Mitte 20, Anfang 30. Das Problem ist immer die Geschwindigkeit. Die schießen dann einfach raus.“
Und wer mit hohem Tempo gegen Steine oder andere Hindernisse neben der Piste prallt, bezahlt im schlimmsten Fall mit lebenslangen Schäden oder seinem Leben. „Wir hatten im Dezember mehrere Querschnittlähmungen“, mahnt Arora.
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