Kleine Hakenkreuze auf Gewehren von Tiroler Schützen entdeckt
Zusammenfassung
- Bei 12 der im Juni im „Kleinen Deutschen Eck“ beschlagnahmten 34 Langwaffen von Tiroler Schützen wurden kleine historische NS-Punzierungen entdeckt.
- Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen nach dem Verbotsgesetz ein, während in Bayern weiter geprüft wird, ob eine strafbare öffentliche Verwendung der Symbole vorliegt.
- Unabhängig davon ermittelt die Staatsanwaltschaft Traunstein gegen 31 Schützen wegen unerlaubten Führens von Langwaffen, nachdem die Gewehre zugriffsbereit ohne vorzeigbare Dokumente im Bus gefunden worden waren.
Im Fall jener 34 Langwaffen von Tiroler Schützen, die im Juni von der deutschen Polizei beschlagnahmt worden waren, hat die Exekutive bei zwölf kleine historische Kennzeichnungen aus der NS-Zeit im Format fünf mal fünf Millimeter gefunden. Die Waffen waren bei einer Kontrolle eines Reisebusses im „Kleinen Deutschen Eck“ beschlagnahmt worden.
Während in Innsbruck die Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Verbotsgesetz eingestellt wurden, dauerten sie in Bayern an.
Das Ermittlungsverfahren seitens der Innsbrucker Staatsanwaltschaft wurde nach einer Befragung der Waffenmeister eingestellt, betonte Staatsanwaltschaftssprecher Hansjörg Mayr gegenüber der APA. Hinweise darauf, dass die NS-Symbole, ein kleines Hakenkreuz bzw. ein Wehrmachtsadler, aufgrund einer politischen Intention getragen worden seien, habe es keine gegeben. Von der Staatsanwaltschaft Traunstein werde derzeit geprüft, ob ein Straftatbestand verwirklicht sein könnte. Dies würde voraussetzen, dass das Hakenkreuz vorsätzlich öffentlich verwendet oder verbreitet wurde. Es komme insbesondere darauf an, ob die Symbole für eine nicht überschaubare Anzahl von Personen wahrnehmbar waren, wie es seitens der Anklagebehörde gegenüber dem ORF Tirol hieß. Derzeit befinden sich die Waffen in Deutschland.
Wenn die betreffenden Schützenkompanien ihre Langwaffen zurückbekommen, werden die Punzierungen entfernt, wie die Waffenmeister der Kompanien versicherten.
Symbole „mit freiem Auge nicht erkennbar“
Laut dem Bund der Tiroler Schützenkompanien handelt es sich bei den Symbolen auf den sichergestellten historischen Karabinern um „Beschuss- und Abnahmestempel aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges“, um sogenannte Punzierungen. Die fünf mal fünf Millimeter großen Symbole seien historische Kennzeichnungen ohne gegenwärtigen ideologischen Aussagegehalt, wie Landeskommandant Thomas Saurer versicherte. Sie seien weder von Tiroler Schützen angebracht noch nachträglich hinzugefügt worden. Die Symbole seien wegen ihrer geringen Größe mit freiem Auge „aus der üblichen Betrachtungsdistanz“ gar nicht erkennbar gewesen. Keinesfalls handle es sich um bewusst gesetzte politische Botschaften.
Abseits der Causa rund um die NS-Symbole wird derzeit gegen 31 Schützen aus drei Kompanien aus dem Unterland von der Staatsanwaltschaft Traunstein wegen unerlaubten Führens von Langwaffen ermittelt. Den Beamten war im Juni im Vorbeifahren ein gewehrähnlicher Gegenstand im Fahrgastraum aufgefallen. Daher wurde das Fahrzeug für eine Kontrolle angehalten. Im Bus saßen 50 Tiroler aus verschiedenen Schützenkompanien, die laut dem Bund der Tiroler Schützenkompanien auf der Rückreise vom 35-jährigen Priesterjubiläum sowie dem 70. Geburtstag des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner in der Mozartstadt waren.
Bei ihnen wurden 34 Karabiner gefunden, die überwiegend zugriffsbereit im Bus lagen, unter anderem in den Gepäckablagen und zwischen den Knien der Reisenden. Entsprechende waffenrechtliche Dokumente konnten sie nicht vorlegen. Deswegen beschlagnahmten Einsatzkräfte die Waffen.
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