Frauen dürfen bei Tiroler Schützen weiter nicht ans Gewehr

TIROL: EUROPÄISCHES FORUM ALPBACH 2022: ERÖFFNUNG:
Bei einer internen Wahl haben sich 87 Prozent dagegen ausgesprochen, Frauen mit der Waffe ausrücken zu lassen.

Kein anderes Bundesland hat seinen eigenen Staatsempfang im Regionalformat. Das gibt es nur in Tirol. Wenn der Landeshauptmann für Ehrengäste einen "landesüblichen Empfang" ausrichtet, stehen die Schützen in ihren Trachten Gewehr bei Fuß und feuern Ehrensalven ab. Den Marketenderinnen bleibt nur das Ausschenken des Ehrenschnapses.

Das spiegelt die grundsätzliche Rollenverteilung im Tiroler Schützenwesen wieder. An der hatten im vergangenen Sommer zwei Kompanien des Traditionsverbands gerüttelt. Auf ihren Vorstoß hin wurde in den vergangenen Wochen darüber abgestimmt, ob künftig auch Frauen mit dem Gewehr ausrücken dürfen.

Geheime Briefwahl

Am Dienstagabend wurden die Stimmen der geheimen Briefwahl ausgezählt, an der sich jede der 235 Schützenkompanien in Tirol, der Bundesausschuss des Schützenbunds sowie Ehrenoffiziere beteiligen konnten. Mittwochfrüh wurde das Ergebnis verkündet: Auch im 21. Jahrhundert bleibt bei den Schützen alles, wie es war. Es wird auch weiterhin keine Schützinnen geben.

EUROPÄISCHES FORUM ALPBACH 2025: TIROLTAG

Wenn Schützen in ihrer Tracht ausrücken, sind Frauen nur als Marketenderinnen mit Schnapsfass dabei. 

Dafür haben sich - bei einer Wahlbeteiligung von 92 Prozent - 87 Prozent der Stimmberechtigten ausgesprochen. Damit heißt es auch in Zukunft: Die Männer schießen, die Frauen schenken als Marketenderinnen Schnaps aus. 

Der Landeskommandant der Tiroler Schützen, Thomas Saurer, will das nicht als Entscheidung gegen die Frauen verstanden wissen. Sie seien eine "tragende Säule" im Schützenwesen. "In der Diskussion um Frauen im Tiroler Schützenwesen geht es nicht um Fragen der Gleichberechtigung", befindet Saurer. "Vereinsrechtlich sind unsere weiblichen Mitglieder vollwertige Mitglieder und können sämtliche Funktionen bis hin zur Obfrau bekleiden."

Bei der nunmehrigen Briefwahl sprach der Schützenbund von einer basisdemokratischen Entscheidung. 

Jahr 1511

Das Tiroler Schützenwesen geht im Kern bis auf das Jahr 1511 zurück, als Kaiser Maximilian I. im sogenannten Landlibell festlegte, dass in Tirol jeder Wehrfähige eine Waffe tragen durfte, um das Land bei Bedrohungen zu verteidigen. 

Im Zuge des letztlich von Andreas Hofer angeführten Tiroler Freiheitskampfs gegen die napoleonischen Truppen und die mit ihnen verbündeten Bayern, der 1809 in mehren Gefechten am Innsbrucker Bergisel gipfelte, sollen sich aber sehr wohl auch Frauen mit Waffen ins Geschehen geworfen haben.

Frauen im Krieg

Im vergangenen Jahr warf das Kaiserjägermuseum in Innsbruck einen Blick auf Frauen als Widerstandskämpferinnen.

Laut Historikerin Sonia Buchroithner gibt es auch Quellen, die das belegen. Die Leiterin des Tiroler Museums „Panorama“ am Bergisel hat im dazugehörigen Kaiserjägermuseum erst vergangenes Jahr eine Ausstellung zu diesem Thema kuratiert.

Die Jeanne d’Arc von Tirol

Da ist etwa die Geschichte von Katharina Lanz, die auch von Männern jener Zeit zu einer Heldin – einer Art Tiroler Jeanne d’Arc – stilisiert wurde. Sie kämpfte 1797 an der Seite von Männern gegen napoleonische Soldaten. Auf einer Friedhofsmauer stehend, stieß sie die anstürmenden Feinde mit einer Heugabel zurück.

Das Mädchen von Spinges, Katharina Lanz

Ein Gemälde von Carl von Mayrhauser aus dem Jahr 1853 titelt auf "Der Kampf bei Spinges 1797"

Das Mädchen von Spinges, Katharina Lanz

Mitten im Getümmel wird Katharina Lanz gezeigt, die mit einer Heugabel gegen Franzosen kämpft.

„Es haben ganz sicher viele Frauen ihr privates Gut und ihren Ort verteidigt“, sagt Buchrotihner. Eine historische Quelle erzählt auch von einem „rüstigen Weib aus Schwaz“, das 1809 „mit einem Stutzen bewaffnet“ gegen die Franzosen kämpfte und sich als kaltblütige Schützin erwies. 

Laut der Historikerin lässt sich belegen, dass es sich dabei um Anna Jäger handelte, die auch auf Darstellungen verewigt ist. Für Buchroithner stellt sich in der aktuellen Debatte noch eine ganz andere Frage: „Braucht man heute bei diesen ganzen Paraden überhaupt noch eine Waffe?“

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