Rettungsdienst-Überlastung: Tiroler Betriebsräte schlagen Alarm
Tiroler Rettungsdienste schlagen wegen Überlastung Alarm (Symbolbild).
Die Tiroler Gewerkschaftsbund-Vorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied (SPÖ) und die Betriebsräte vom Roten Kreuz und des Samariterbundes haben am Dienstag wegen körperlicher und psychischer Überlastung von Rettungsdienstmitarbeitern, einer zu hohen Fluktuation und struktureller Mängel Alarm geschlagen.
Am Tag des Notrufs forderten sie bei einem Pressegespräch in Innsbruck rasche rechtliche und finanzielle Verbesserungen vom Land Tirol sowie den jeweiligen Organisationen.
Kritische Belastungsgrenze ist erreicht
"Es muss dringend etwas passieren", forderte ÖGB-Landesvorsitzende Föger-Kalchschmied. Die Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst hätten eine kritische Belastungsgrenze erreicht. Steigende Belastungen würden aus Sicht der Arbeitnehmervertreter die Attraktivität des Berufs schmälern und damit auch die langfristige Versorgungssicherheit gefährden.
Neben steigenden Einsatzzahlen sowie hohen körperlichen und psychischen Belastungen verwies sie etwa auf unbezahlte Umzieh- und Rüstzeiten. "Wir werden ein Personalproblem kriegen", pochte Föger-Kalchschmied auf eine Reaktion vom Land.
Stefan Wehinger, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender des Roten Kreuz Innsbruck, verwies auf eine Arbeitsplatzevaluierung, die gemeinsam mit externer Unterstützung erarbeitet worden sei. Diese habe bei Hebe- und Tragetätigkeiten eine zu hohe körperliche Belastung gezeigt. In Innsbruck müsse bei 28 Prozent der Transporte der 18 Kilogramm schwere Tragstuhl angehoben werden. Dabei komme es regelmäßig vor, dass die zwei im Einsatz stehenden Sanitäter Unterstützung anfordern müssen.
Rückenprobleme schon bei jungen Menschen
Besonders problematisch seien Standardsituationen in Wohnhäusern ohne Aufzug, bei denen Patienten regelmäßig über Stiegen transportiert werden müssten. "Es trifft oft schon junge Leute - wir haben viele Zivildiener vom Freiwilligen Sozialen Jahr, die in der Regel um die 20 Jahre alt sind und oft nach ein paar Monaten das erste Mal in ihrem Leben Rücken- oder Kreuzprobleme haben", betonte er.
Wehinger forderte deshalb eine schrittweise Umstellung auf elektrohydraulische Liegen und Tragstühle. In Bayern seien diese modernen Geräte seit Jahren fast flächendeckend im Einsatz, hieß es. Die Mehrkosten bezifferte er mit rund 20.000 bis 25.000 Euro pro Liege und mit rund 5.000 bis 10.000 Euro pro Tragstuhl, wobei in Tirol nach seiner Darstellung rund 200 entsprechende Ausstattungen notwendig wären.
Das Land Tirol und die Rettungsdienst Tirol GmbH müssten hier aus Sicht der Arbeitnehmervertreter gemeinsam Lösungen finden. Dasselbe gelte für die grundsätzlichen Arbeitsbedingungen sowie eine konsequentere Einhaltung des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes (ASchG).
Ruf nach Gesetzesnovelle
Horst Maier, Betriebsratsvorsitzender des Samariterbunds Tirol, schilderte indes eine zunehmend hohe Auslastung. Die Zahl der Einsätze und Transporte sei seit Jahren um rund zwei bis drei Prozent pro Jahr gestiegen. In Zwölf-Stunden-Schichten seien Teams teils elfeinhalb Stunden im Einsatz. Zudem würden Rettungsdienste häufig auch bei Fällen alarmiert, die eher in die hausärztliche oder ambulante Versorgung fielen.
"Dabei bleibt dem Anrufer oft gar nichts anderes übrig - unter Umständen gibt es gar keine Möglichkeit, einen Termin mit einem praktischen Arzt, allgemeinen Mediziner oder Facharzt zu bekommen", sagte er. Es gebe jedenfalls zu wenig Ärzte sowie Primärversorgungszentren und man bräuchte dringend eine gut funktionierende Patientenhotline 1450, meinte Maier.
Zudem bezeichnete er das Sanitätergesetz aus dem Jahr 2002 als reformbedürftig. Der Betriebsratsvorsitzende forderte eine längere und modernere Ausbildung, mehr rechtlich abgesicherte Kompetenzen, eine bessere Durchlässigkeit in andere Gesundheitsberufe sowie die Einbindung neuer Technologien wie Telemedizin.
Auch die Gewerkschaft vida Tirol forderte eine rasche Umsetzung der im Regierungsprogramm der schwarz-roten Landesregierung angekündigten Novelle des Sanitätergesetzes. Diese sei ein zentraler Schritt, um das Berufsbild zu modernisieren, die Attraktivität des Berufs nachhaltig zu stärken und die große Verantwortung von Freiwilligen hin zu hauptberuflich Beschäftigten zu lenken, hieß es.
Klage durch Rotes Kreuz Kitzbühel
Die Arbeitnehmervertreter wiesen außerdem auf eine Feststellungsklage zu Umzieh- und Rüstzeiten hin, weil diese vom Roten Kreuz nicht entlohnt würden. Eingebracht worden sei sie vom Betriebsratsgremium des Roten Kreuzes Kitzbühel. Eine Verhandlung hatte dazu noch nicht stattgefunden.
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