Grandhotel Europa in Innsbruck wird neues Leben eingehaucht

Das Traditionshaus am Hauptbahnhof war mit dem ersten Corona-Fall Österreichs verbunden. Nach Jahren des Stillstands soll nun wieder der Hotelbetrieb aufgenommen werden.
Grandhotel Europa in Innsbruck

Im Februar 2020 blickte ganz Österreich gebannt auf die Drehtür des Grandhotel Europa in Innsbruck. Dort hatten sich Polizisten aufgebaut. Nachdem sich eine Rezeptionistin des Hauses und ihr Freund als erste Corona-Fälle des Landes entpuppt hatten, wurde der Betrieb zur Feststellung von möglichen Kontaktpersonen vorübergehend gesperrt.

Das ehemalige Fünf-Sterne-Haus am Hauptbahnhof öffnete zwar noch einmal seine Pforten, schloss diese aber wenig später für immer. Das Hotel, zu diesem Zeitpunkt bereits heruntergewirtschaftet, wechselte in der Folge zwei Mal die Besitzer. Ansonsten herrschte - bis auf eine zwischenzeitliche Nutzung als Erstquartier für Ukraine-Flüchtlinge - Stillstand.

Wiedereröffnung geplant

Seit dieser Woche ist rund um die im Jahr 1869 errichtete Hotel-Ikone wieder geschäftiges Treiben zu beobachten. Eine Wiedereröffnung ist geplant, wie die Stadt Innsbruck am Mittwoch bestätigt. Gemeinsam mit dem Eigentümer sei ein "strukturierter, partnerschaftlicher Entwicklungsprozess" gestartet worden, bei dem Stadt und Projektpartner eng abgestimmt vorgehen.

Ziel sei es, den zentralen Ort behutsam weiterzuentwickeln und zugleich neue Qualität in das Stadtbild zu bringen. "Mit der Revitalisierung wollen wir diesen wertvollen Standort gemeinsam mit Eigentümer und Partnern qualitätsvoll neu beleben und der Bevölkerung etwas zurückgeben", sagt Bürgermeister Johannes Anzengruber.

Grandhotel Europa und Lokalaugenschein

Lokalaugenschein im zerstörten Barocksaal des Hotel Europa (von rechts): Bürgermeister Johannes Anzengruber mit Eigentümerfamilie Ernst und Ruth Hutterer und Walter Peer, Wiener-Städtische-Landesdirektor 

Erstmals meldet sich auch der Besitzer des Gebäudes zu Wort, der sich bisher stets bedeckt zu seinen Plänen gehalten hatte. Der oberösterreichische Industrielle Ernst Hutterer hatte die Immobilie 2023 gekauft. Anlass dafür war offenbar die bei einem früheren Betreiberwechsel passierte Zerstörung eines zum Hotel gehörigen Barocksaals.

Eigentümer haben in Innsbruck studiert

Hutterer und seine Frau haben beide in Innsbruck studiert und sind der Stadt seit vielen Jahren eng verbunden. Es sei ihm beim Kauf darum gegangen, das Hotel zu erhalten und gleichzeitig zukunftsfit weiterzuentwickeln.

„Für mich war klar: Dieses Haus gehört ins Zentrum der Stadt zurück. Es geht darum, die Tradition dieses Ortes zu bewahren und ihm wieder jene Seele zu geben, die ihn über Jahrzehnte ausgezeichnet hat. Verantwortung heißt für mich, Bestehendes zu respektieren und zugleich mit Maß in die Zukunft zu führen“, sagt Hutterer in einer Aussendung.

Barocksaal im Grandhotel Europa

Der Barocksaal vor seiner Zerstörung.

Dazu gehört, dass auch der Barocksaal wieder restauriert werden soll. Das Hotel selbst soll - nach einer zweijährigen Bauphase - Ende 2029 wieder eröffnet werden. Ziel sei "ein hochwertiges Haus im Herzen der Stadt, das sich klar zur Qualität und Geschichte des Standorts bekennt."

Berümtheiten zu Gast

Das Haus selbst blickt auf eine lange Historie als Nobelhotel zurück. Prominente Gäste waren unter anderem Queen Elisabeth II. und die Rolling Stones.

Für Planungsstadträtin Janine Bex (Grüne) ist die Wiederbelebung des ehemaligen Hotel Europa "ein wichtiger städtebaulicher Impuls für das Bahnhofsquartier und die Innsbrucker Innenstadt." Beteiligt an dem Entwicklungsprozess ist auch die benachbarte Wiener Städtische.

Sie finanziert eine Fassadeninstallation, die zu zeigen solle, dass hinter der Fassade an einer guten Lösung für diesen wichtigen Ort gearbeitet wird". „Als Landesdirektion mitten in der Stadt tragen wir diesen Weg konstruktiv mit. Die Fassadeninstallation ist ein bewusst modernes Zeichen dafür, dass hinter der Fassade etwas passiert – und dass sich hier Tradition und zeitgemäße Entwicklung verbinden“, sagt Landesdirektor Walter Peer. Der ist, wie auch Eigentümer Hutterer, Honorarkonsul der Ukraine.

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