Stadion-Überraschung in Graz: Sturm und GAK wollen selbst ausbauen

Ein Fußballfeld mit Rasen und weißen Linien vor einer Tribüne mit Zuschauern.
Die Fußballklubs gehen vor dem für Donnerstag angesetzten Gespräch mit der Stadtpolitik in die Offensive.

Zusammenfassung

  • Die Präsidenten von SK Sturm und GAK schlagen gemeinsam einen Stadionbau am alten Standort vor und fordern dafür Baurecht sowie finanzielle Unterstützung von Stadt und Land.
  • Das Stadion soll 95 Millionen Euro kosten, deutlich weniger als der bisher geplante Umbau der Merkur Arena, und gemeinsam von beiden Vereinen betrieben werden.
  • Die Stadt Graz zeigte sich vom Vorstoß überrascht, bisher waren 30 Millionen Euro Zuschuss im Gespräch, eine Stellungnahme der Rathauskoalition steht noch aus.

Die allmählich unendliche Geschichte um ein neues Fußballstadion in Graz - oder zumindest einen Umbau des bestehenden in Liebenau - hat seit Mittwoch eine weitere Facette.

Stadtrivalen Sturm und GAK treten gemeinsam auf

Die Präsidenten der Grazer Bundesligaklubs SK Sturm und GAK, Christian Jauk und René Ziesler, präsentierten überraschend einen eigenen Vorschlag - und wollen demnach selbst am alten Standort (aus)bauen.

Gemeinsam, aber freilich nicht ohne ausreichend große Finanzspritze von Stadt Graz und Land Steiermark. Und nicht ohne großem Zugeständnis der Stadt: Die müsste den Klubs nämlich das Baurecht übertragen.

Der Grund, auf sich dem das Stadion befindet, steht nämlich über eine Gesellschaft im Eigentum der Stadt. Und den würde sie kaum veräußern wollen, bliebe also nur die Verpachtung des Baurechts.

Billiger als bisheriges Modell

Jauk und Ziesler rechneten am Mittwoch vor, dass ihre Variante mit Kosten von 95 Millionen Euro kalkuliert sei. Das wäre um ein gutes Drittel weniger als die städtische Machbarkeitsstudie über Ausbau der nach ihrem derzeitigen Sponsor Merkur Arena genannte Anlage:

  • Sitzplätze werden von 15.300 auf 20.000 aufgestockt.
  • Die Gesamtanzahl der Plätze kann durch modulare Steh- und Sitzplätze auf bis zu 25.000 erhöht werden.
  • Die Kosten werden mit 150 Millionen Euro beziffert.

Entsprechend euphorisch gaben sich die Vertreter des SK Sturm und des GAK denn auch; Ziesler und Jauk sprachen gar von einem "historischen Moment" und schütteln sich vor den Kameras demonstrativ die Hände.

Wie sich die Kosten aufteilen sollen

Jauk und Ziesler betonten, die Vereine würden gemeinsam 20 Millionen Euro aufbringen. Land Steiermark und Stadt Graz sollen dann jeweils 37,5 Millionen Euro zuliefern. "Die beiden Vereine haben die Absicht, das Stadion gemeinsam zu betreiben und dafür eine eigene Errichtungs- und Betreibergesellschaft zu errichten", beschrieb Ziesler. Vorbilder für dieses Modell wären Rapid in Wien und der LASK in Linz.

Die Stadt Graz wurde von diesem Vorpreschen der Fußballklubs  und seiner kurzfristigen Einladung zu einer Pressekonferenz überrascht, steht doch für Donnerstag ohnedies ein weiteres Gespräch mit den Vereinen an.

Wie viel die Stadt bisher anbot

Bisher hieß es seitens der Stadtpolitik, dass ein Zuschuss von 30 Millionen Euro möglich sei. Die Landespolitiker gaben sich bisher zurückhaltend und nannten keine Summen. Abwartend gab sich auch die Rathauskoalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ nach der Ankündingung der Vereine: Es seien "noch viele Fragen offen, insbesondere, wie der angekündigte Schulterschluss zwischen GAK und Sturm und in weiterer Folge mit Stadt und Land im Detail ausgestaltet werden soll", überlegte KPÖ-Finanzstadtrat Manfred Eber.

Grundsätzlich halte man an der Zusage von 30 Millionen Euro für die Modernisierung des Stadions fest. "Gleichzeitig ist die Stadt verpflichtet, mit öffentlichen Mitteln und Eigentum verantwortungsvoll und transparent umzugehen", mahnte Eber. Städtische Projekte müssten wirtschaftlich und rechtlich belastbar sein. "Da es Steuergelder betrifft, muss es eine Entscheidung im Sinne der Grazer Bevölkerung sein."

Stadion wird Teil des Wahlkampfes

ÖVP-Sportstadtrat Kurt Hohensinner kommentierte, er freue sich, dass sich die Vereine geeinigt haben. "Die Zeit des Auf- und Wegschiebens muss jetzt vorbei sein. Jetzt ist Bürgermeisterin Elke Kahr in der Pflicht, endlich Nägel mit Köpfen zu machen", monierte der ÖVP-Stadtparteiobmann. Die Stadiondebatte ist somit endgültig Teil des Wahlkampfes, in Graz wird spätestens im Herbst neu gewählt.

Ungewöhnlich wäre jedenfalls ein Neubau an dem Standort nicht: 1995 erfolgte der Spatenstich für die derzeitige Sportstätte, die ab 1997 das in die Jahre gekommene Bundesstadion - eröffnet 1951 - ersetzte.

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