KPÖ-Stadtchefin Kahr: "Nicht klar, dass wir Erste werden"
Elke Kahr will erneut Bürgermeisterin werden
"Zwischenbilanz" nennt die KPÖ den Pressetermin am Donnerstag, obwohl eigentlich schon in wenigen Monaten neu in Graz gewählt wird.
Die Sache mit dem ersten Platz
Ob dies nun ein selbstbewusstes Zeichen dafür sei, dass sie von weiteren fünf Jahren an der Stadtspitze ausgehe, wird Elke Kahr prompt von Journalisten gefragt. Das quittiert die Bürgermeisterin zurückhaltend. "Schüchtern sind wir nicht, wir wünschen uns wieder den ersten Platz. Aber davon ausgehen kann man nicht. Es ist nicht klar, dass wir Erste werden. Sonst bräuchten wir ja gar nicht wählen."
Seit Ende November 2021 regiert eine Koalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ in Graz; eine Konstellation, die sich Kahr - nicht nur erste Kommunistin, sondern auch die erste Frau an der Spitze der Landeshauptstadt überhaupt - auch für die nächsten fünf Jahre vorstellen könnte.
"Nicht gestritten, sondern gearbeitet"
"Das hängt natürlich vom Wahlergebnis ab. Aber wir haben sehr gut zusammengearbeitet, die Koalition hat nicht gestritten, sondern sachlich gearbeitet", resümmiert die Stadtchefin. "Schauen Sie sich um, so etwas hat ja schon Seltenheitswert."
Erstmals Frauenduo an der Spitze der Stadt: Bürgermeisterin Elke Kahr, Vize Judith Schwentner
Apropos Resümee: Graz sei "freundlicher geworden", versichert die KPÖ und listet das seit 2021 Erreichte in einer Broschüre auf. Darauf prangt ein Eichhörnchen, ihrem alten Wahlkampfsujet und inoffiziellem Maskottchen bleiben die Kommunisten also treu.
Keine "Luftschlösser"
540 Millionen Euro seien in den vergangenen vier Jahren investiert worden, rechnet Kahr vor. "In Bereiche, die in der Vergangenheit vernachlässigt worden sind." So seien Grundstücke erworben worden, um sie für kommunalen Wohnbau, Spielplätze oder Parks einsetzen zu können. Die Feuerwache Graz-Ost wurde neu errichtet, 31 neue Straßenbahngarnituren gekauft "Die Mittel gehen in öffentliche Daseinsvorsorge und Infrastruktur, nicht in Luftschlösser oder Denkmäler für uns selbst", kommentiert Kahr.
Erst vergangene Woche legte Kahr den Wahltermin fest, es wurde der 28. Juni. Das liegt innerhalb der möglichen Zeitspanne, zuletzt wurde am 26. September 2021 gewählt.
Wahltermin früher als nötig
Das Recht, den Wahltag zu bestimmen, liegt laut Stadtstatut beim Bürgermeister, Kahr zog den Termin weit nach vorne. Doch neu ist so eine Vorgangsweise nicht, auch Kahrs direkter Amtsvorgänger Siegfried Nagl (ÖVP) setzte die Wahlen 2021 weit früher an als eigentlich nötig und überraschte damit auch seinen damaligen Koalitionspartner FPÖ.
Regulär hätte Graz nicht im Herbst 2021 gewählt, sondern erst im Februar 2022. Nagls ÖVP musste sich letztlich Kahrs KPÖ geschlagen geben, die ÖVP verlor nach 18 Jahren das Bürgermeisteramt.
Die ÖVP ging damals siegessicher in die Wahlen; ein Anschein, den die Kommunisten vermeiden wollen. Egal, ob man am Wahlabend als Erste, Zweite oder Dritte aufscheine, "wir werden unsere Arbeit weitermachen", versichert Stadtrat Robert Krotzer.
"Dann bleibe ich"
Sollte es nicht mehr für den ersten Platz reichen, dann werde sie ihre Funktionen zurücklegen, betont Kahr. "Das habe ich ja schon mehrfach gesagt." Im anderen Fall werde sie aber, gute Gesundheit vorausgesetzt, die gesamte Periode als Bürgermeisterin im Amt bleiben. "Wenn ich es wieder werden sollte, ja, natürlich, dann bleibe ich. Das ist ja so üblich."
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