Hassverbrechen wegen sexueller Orientierung: "Kein Randphänomen"
Die Grünen hinterfragten Ermittlungsergebnisse nach Razzia wegen Hassverbrechen (Symbolbild)
400 Polizisten waren vor rund einem Jahr bei Razzien in fast allen Bundesländern im Einsatz und nahmen mehr als ein Dutzend Verdächtige fest, denen Hassverbrechen vorgeworfen wurden: Sie sollen sich online in diversen Foren Opfer gesucht haben, um sich danach mit ihnen zu treffen - und sie auf das Schlimmste zu erniedrigen, zu quälen, zu misshandeln.
Wie weit sind die Ermittlungen?
Das Motiv laut Landespolizeidirektion Steiermark, die den Einsatz leitete, da der erste Vorfall in Graz angezeigt wurde: Hass auf Menschen, die eine andere sexuelle Orientierung haben als die Verdächtigen.
Die Grünen haben in einer parlamentarischen Anfrage an Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) den "Stand der Ermittlungen gegen die Hetzjagd an homo- und bisexuellen Männern" hinterfragt.
Die Antwort liegt seit Kurzem vor. Demnach seien "mit Stand Dezember 2025 an 45 Personen Amtshandlungen durchgeführt sowie zu 15 Personen eine Berichterstattung an die zuständige Staatsanwaltschaft erfolgt", teilte Karner mit.
Wie hoch die von der Polizei nach Auffliegen des Falles vermutete Dunkelziffer weiterer mutmaßlicher Täter sei, ließe sich nicht sagen: "Eine belastbare Quantifizierung ist derzeit nicht möglich", hieß es in der Anfragebeantwortung.
Der Fall war nicht nur in seiner Dimension und Brutalität, sondern auch in der Vorgangsweise neu für Österreich: Die Verdächtigen - 14 bis 26 Jahre jung - legten falsche Profile in sozialen Netzwerken an, kontaktierten ihre späteren Opfer und verabredeten sich zu gemeinschaftlicher Gewalt.
Verbindung in die rechtsextreme Szene
Angelegt war das als Selbstjustiz, die mutmaßlichen Täter diskreditierten die Opfer fälschlicherweise als pädophil: Die Gruppe ist somit der "Pedo-Hunter-Szene" zuzurechnen, die bisher in Österreich nicht in Erscheinung getreten ist. Zudem soll es Verbindungen zu Rechtsextremen gegeben haben.
"Der Hass gegen die queere Community nimmt zu und er wird brutaler", merkt David Stögmüller, LGBTIQ+-Sprecher der Grünen, an. Die Anzahl von 45 Amtshandlungen sei alarmierend: "Sie legt nahe, dass die Dunkelziffer weiterhin erheblich ist. Solche Taten sind kein Randphänomen."
Aktionsplan gegen Hasskriminalität gefordert
Stögmüller fordert die türkis-rot-pinke Koalition auf, "zügig den nationalen Aktionsplan gegen Hasskriminalität" vorzulegen. "Ankündigungen reichen nicht. Es braucht entschlossenes Handeln", betont der Nationalratsabgeordnete.
Er vergleicht mit einem aktuellen Vorfall aus Deutschland: Schiedsrichter Pascal Kaiser machte seinem Lebensgefährten im Kölner Fußballstadion vor 50.000 Zuschauern einen Heiratsantrag. Eine Woche später wurde Kaiser von drei Männer attackiert und niedergeschlagen.
"Erschütternd und ein fatales Signal"
"Der Fall zeigt, wie konkret die Bedrohung ist", mahnt Stögmüller. "Das ist nicht nur erschütternd, es ist ein fatales Signal."
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