Neuer Fahrsimulator an der TU Graz im Einsatz

Ein Mann im Anzug sitzt in einem Fahrsimulator mit schwarzem Stahlrahmen und blickt nach oben.
Der Simulator soll Fahrzeugbewegungen realistisch abbilden und so bei Forschung zu Fahrkomfort, Fahrdynamik, autonomem Fahren und E-Mobilität helfen.

Zusammenfassung

  • TU Graz und Magna eröffneten das europaweit einzigartige "Advanced Driving Simulation Center" zur realistischen Simulation von Fahrdynamik und -komfort.
  • Der hochdynamische Fahrsimulator ermöglicht die präzise Erprobung von Fahrzeugen, Fahrwerks- und Reifensetups sowie Fahrerassistenzsystemen, noch bevor reale Prototypen existieren.
  • Das Center soll Innovationen im Bereich autonomes Fahren und E-Mobilität vorantreiben und ist für wissenschaftliche und wirtschaftliche Partner offen.

Einen Fahrsimulator, der das Fahrerlebnis äußerst realistisch abbildet, wurde am Mittwoch an der TU Graz vorgestellt. Die TU Graz und das Mobilitätsunternehmen Magna haben das "Advanced Driving Simulation Center" am Institut für Fahrzeugtechnik offiziell in Betrieb genommen.

 Die hochdynamische Bewegungsplattform soll Forschung und Innovation im Bereich von Fahrdynamik und -komfort, autonomem Fahren und der E-Mobilität ermöglichen, erklärten Vertreter von TU Graz und Magna.

Laut TU Graz handelt es sich um einen europaweit einzigartigen Fahrsimulator. Das Cockpit wird über sechs bewegliche Streben gesteuert und kann für die im Simulator sitzende Testperson Fahrzeugbewegungen in alle Richtungen sowie, Heben, Senken, Drehen und Neigen des Fahrzeugs präzise nachbilden.

Was damit getestet wird

Mit dem technischen System, können verschiedene Fahrzeuge, Fahrwerks- und Reifen-Setups wie auch unterschiedliche Fahrerassistenzsysteme (ADAS) realitätsnah getestet und optimiert werden.

Die Latenzzeit - die Zeit zwischen Signalabgabe und Reaktion - erfolge innerhalb von drei bis vier Millisekunden. Das ermögliche ein sehr realistisches Fahrgefühl und senke zugleich die "Bewegungsübelkeit" mit der Testpersonen immer wieder kämpfen, auf ein Mindestmaß. Die Anschaffungs- und Installationskosten wurden von Magna übernommen - sie bewegen sich im Bereich von mehr als zwei Millionen Euro - der laufende Betrieb des Centers wird von der TU Graz finanziert.

TU-Rektor Horst Bischof betonte, dass das Advanced Driving Simulation Center ein Ergebnis der langjährigen Innovationspartnerschaft von Magna und der TU Graz sei: "Es ist das Tüpfelchen auf dem I der Kooperation", so der Rektor.

"Europaweit einzigartig"

Er hob die besondere Bedeutung des Centers hervor: Mit dem Fahrsimulator verfüge man in Graz nun über eine "europaweit einzigartige Forschungsinfrastruktur", die den Automobil- und Mobilitätsstandort Österreich nachhaltig aufwerte.

Magna wird das Center am Campus in der Inffeldgasse in Entwicklungsprojekten mit internationalen Automobilherstellern nutzen und möchte damit im Innovationen im Rahmen von Forschungsprojekten am Standort vorantreiben.

Mit China mithalten 

"Wir können hier innovative Produkte schneller auf den Markt bringen", sprach Martin Peter, Vice President Magna Vehicle Engineering, die Herausforderung der Autohersteller an, ihre Entwicklungszeiten drastisch zu verkürzen, um am internationalen Markt mit chinesischen Unternehmen mitzuhalten. "Wir können China Speed", so Peter.

Testen, bevor es Prototypen gibt

Severin Stadler, der als Leiter für F&E seitens Magna verantwortlich für die Umsetzung des Zentrums ist, führte die wichtigsten Einsatzbereiche des Simulationszentrums an: Etwa die Optimierung und Abstimmung von Fahrwerk und Reifen verschiedener Fahrzeugtypen in Entwicklungsphasen - weit bevor echte Fahrzeugprototypen zur Verfügung stehen. "Mit dem neuen Simulator wollen wir forschen und mit globalen Kunden zusammenarbeiten", hob Peter das Prinzip, dass die Einrichtung für alle wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Partner offen ist, hervor.

Für den wissenschaftlichen Betrieb des Centers ist Arno Eichberger zuständig. Er leitet zugleich das Institut für Fahrzeugtechnik. Eichberger unterstrich, dass mit dem neuen Simulator die Lücke zwischen theoretischer Fahrzeugmodellierung und realer menschlicher Wahrnehmung der Testfahrer geschlossen werde. "Es erlaubt uns, Fahrzeugstudien durchzuführen, deren Ergebnisse exakt mit den physikalischen Gegebenheiten der realen Welt übereinstimmen", so Eichberger.

Feine Vibrationen übertragbar

Mit einer Frequenz von über 100 Hertz kann der Simulator laut Eichberger selbst feinste Vibrationen, die von unterschiedlichen Straßenbelägen ausgehen, übertragen.

Dies sei insbesondere für die Optimierung von Elektrofahrzeugen essenziell, da Insassen solche Vibrationen wegen fehlender Motorgeräusche viel stärker wahrnehmen als bei Verbrennerautos.

VR-Systeme im Einsatz

Mit Virtual-Reality-Systemen werden verschiedene Fahr- und Verkehrssituationen fotorealistisch simuliert. Sie sollen auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen hin zu autonomen Fahrzeugen spielen.

Zwischen der TU Graz und Magna besteht seit dem Jahr 2004 eine enge Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung. Im Rahmen des gemeinsamen Programms "MATURE" (Magna TU Graz Research) wird speziell im Bereich automatisiertes Fahren sowie virtuelle Produktentwicklung, Validierung und Produktion kooperiert.

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