Chronik
28.04.2017

Michael Häupls letztes Antreten

Trotz Beilegung der internen Konflikte könnten viele Genossen die Parteispitze abstrafen.

Michael Häupls Abschied auf Raten beginnt am kommenden Samstag. Zum letzten Mal wird er beim SPÖ-Landesparteitag im Messezentrum als Parteichef kandidieren. Bald nach der nächsten Nationalratswahl wird er sich als Obmann und Bürgermeister zurückziehen.

Gegenkandidaten zu Häupl gibt es keinen, trotzdem wird das Treffen der knapp 1000 Delegierten angesichts der jüngsten Turbulenzen in der Wiener SPÖ mit Spannung erwartet: Ist es Häupl gelungen, mit der Regelung seiner Nachfolge die unzufriedenen Genossen aus den Flächenbezirken zu beruhigen? Oder sind die innerparteilichen Gräben nach wie vor so tief, dass bei der Wahl des Parteivorstandes Streichorgien drohen?

"Ich gehe nicht davon aus, dass es größere Turbulenzen gibt. Es wurde im Vorfeld alles ausgesprochen, was es zu besprechen gab. Häupl hat den Fahrplan für seine Nachfolge festgelegt", sagt Gemeinderat Christian Deutsch, einer der Wortführer der parteiinternen Revolte. "Ich erwarte mir, dass sich alle Seiten an die Vereinbarungen halten", betont auch Harald Troch, Bezirksparteichef in Simmering, der zuletzt ebenfalls durch scharfe Kritik am Kurs der Partei aufgefallen war.

Parteidisziplin zerfällt

Nicht alle sind so optimistisch: "Über dem ganzen Parteitag steht ein großes Fragezeichen. Jeder ist froh, wenn der Samstag vorüber ist", sagt ein Delegierter, der anonym bleiben will. "Als Folge der internen Konflikte ist nicht mehr damit zu rechnen, dass sich die Delegierten in der Wahlzelle strikt an die Vorgaben von oben halten", befürchtet er. Viele könnten bei der Wahl des Vorstands versucht sein, alte Rechnungen zu begleichen. "Für bestimmte Exponenten wird es schwer werden, über 80 Prozent der Stimmen zu kommen", ergänzt ein anderer Funktionär.

Das wäre ein mehr als deutlicher Warnschuss für Häupl und seine Stellvertreter. 2015, beim letzten Wahlparteitag, kam der Bürgermeister auf 95,8 Prozent. Seine Stellvertreterin Renate Brauner schaffte damals schon nur mehr 80 Prozent, schlechter schnitt nur Sonja Wehsely ab (79,5 Prozent), an deren Stelle diesmal Gewerkschafter Christian Meidlinger kandidiert.

Michael Ludwig, der sich zuletzt immer mehr als möglicher Häupl-Nachfolger herauskristallisiert hat, kam immerhin auf knapp 90 Prozent. Diejenigen, die ihn noch verhindern wollen, könnten auch ihm diesmal ein deutlich schlechteres Ergebnis bescheren.

Dem Vernehmen nach soll Häupl bereits die Order ausgegeben haben, keine Kandidaten zu streichen, um das Bild der Partei nach außen hin nicht zu beschädigen. "Die Frage ist", sagt ein Funktionär, "wer sich noch daran hält".