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Obdachlosigkeit in Salzburg: Mehr als 900 Menschen betroffen

In der Stadt Salzburg wurde im Rahmen einer EU-weiten Erhebung die Anzahl der wohnungslosen Personen gezählt. Auch Kinder sind betroffen.
Eine Person liegt in einem Schlafsack vor einem Geschäft mit Kosmetikwerbung.

Die Stadt Salzburg hat im Vorjahr erstmals an einer EU-weiten Erfassung von Obdach- und Wohnungslosigkeit teilgenommen. Zum Stichtag im Oktober wurden 910 Personen gezählt, die von einer der vielen Formen des Phänomens betroffen waren.

323 - mehr als ein Drittel - schliefen dabei auf der Straße oder in Notschlafstellen. „Es herrscht Handlungsbedarf“, sagte der für Wohnen zuständige KPÖ-Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl am Montag. Zumal die Dunkelziffer hoch sein dürfte.

Die größte Gruppe in der Studie waren jene 341 Menschen, die vorübergehend bei Familie, Freunden oder Bekannten unterkamen - oft auf der Couch. Experten sprechen hier von „verdeckter Wohnungslosigkeit“. Weitere 129 Personen lebten in Übergangswohnungen, 60 in öffentlichen Einrichtungen und 40 in unsicheren Wohnformen wie Abbruchhäusern - oft ohne Strom- und Wasseranschluss.

78 Prozent der Betroffenen waren männlich, 22 Prozent weiblich. 41 Prozent hatten die österreichische Staatsbürgerschaft, 30 Prozent waren Bürger eines anderen EU-Staats, 29 Prozent stammten aus Drittstaaten.

Auch Kinder betroffen

„Vor allem die über 200 Personen, die bei jedem Wetter draußen schlafen, sind eine alarmierende Zahl“, sagte Peter Lienhuber vom Forum Wohnungslosenhilfe Salzburg bei der Präsentation der Salzburg-Daten der Studie. „Hier herrscht Bedarf an niederschwelligen Angeboten und Tagesstrukturen.“ Und noch eine Ziffer lässt aufhorchen: Neben den 910 Personen wurden noch 40 mitziehende Kinder erfasst, die Wohnungsnot miterleben müssen. „Damit ist ein beträchtlicher Chancennachteil für das weitere Leben verbunden.“

Der Sozialarbeiter geht allgemein von einer hohen Dunkelziffer aus. „Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs.“ Das betreffe vor allem den Anteil der Frauen. Um die Obdachlosigkeit, wie sich die EU zum Ziel gesetzt hat, bis ins Jahr 2030 zu beenden, brauche es neben innovativen Konzepten und der Stärkung bestehender Angebote vor allem eines: leistbaren Wohnraum. „Ziel muss sein, dass Personen langfristig wieder selbstständig wohnen können.“

Richtlinien für Wohnungsvergabe geändert

Vizebürgermeister Dankl verwies auf die Bemühungen der Stadtregierung, verstärkt gegen Obdach- und Wohnungslosigkeit vorzugehen. So wurden zuletzt die Wohnungsvergabe-Richtlinien so geändert, dass Notlagen besser berücksichtigt werden. Daneben seien der städtische Kautionsfonds und die Delogierungsprävention ausgebaut worden. Dazu bemühe man sich, den Anteil der Mietwohnungen in der Stadt zu erhöhen. „Einer Studie des Deutschen Städtetags zufolge verursacht Obdach- und Wohnungslosigkeit bis zu sieben Mal höhere Kosten für die öffentliche Hand als die reguläre Versorgung mit eigenem Wohnraum.“

Wie Studien-Koordinator Philipp Schnell vom Institut für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sagte, betrug die Wohnungslosigkeit bei 48 Prozent der erfassten Personen weniger als ein Jahr, bei 36 Prozent jedoch schon länger als zwei Jahre: „Das weist auf zwei klar getrennte Untergruppen hin. Eine Gruppe an Personen in einer akuten Krise, die mit raschen Interventionen stabilisiert werden können, und eine Gruppe in verfestigter Langzeitobdach- und -Wohnungslosigkeit, die andere Strategien erfordert.“

35 Städte verglichen

Der von der renommierten belgischen Universität KU Leuven in 35 EU-Städten durchgeführte „European Homelessness Count“ zielt darauf ab, Daten zum Phänomen vergleichbar zu machen und fundierte und überlegte politische Strategien und Entscheidungen zu ermöglichen. Neben Salzburg nahmen auch Innsbruck und Wien teil.

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