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Wohnungslosigkeit in Österreich: Warum Frauen oft "unsichtbar" sind

MoBeWo, ein Angebot der Volkshilfe, begleitet Menschen aus der Wohnungslosigkeit in dauerhaften Wohnraum – Maria ist eine von vielen Erfolgsgeschichten.
Sad young woman

Nichts gibt Maria (Name von der Redaktion geändert) heute mehr Sicherheit als der Schlüssel zu ihrer eigenen Wohnung. Das war nicht immer so, wie die 37-Jährige aus Ungarn erzählt: „Ich bin in schlechte Kreise geraten und wurde zur Sexarbeit gezwungen.“

Es gelingt ihr, zu flüchten, der Kampf ums Überleben ging weiter. Nachdem sie eine mehrjährige gewalttätige Beziehung überlebt, landet sie in Wien, wo sie zunächst bei Bekannten unterkommt. „Ich habe alles hinter mir gelassen und wusste nicht, wohin. Ich habe sonst niemanden gekannt“, sagt sie im Gespräch mit dem KURIER. Eine dauerhafte Lösung für Maria gibt es keine, es folgen weitere Übergangslösungen.

„Ich habe einmal im Internet gesucht und ein Zimmer bekommen“, sagt sie. Dass der Vermieter mit falschem Namen inserierte, sollte sich als das harmloseste der Wohnsituation herausstellen: „Im Badezimmer gab es keine Tür, das Warmwasser wurde oft abgestellt und er hat mich beobachtet“, so Maria. Sie habe Angst gehabt, dass ihr der Mann etwas antun könnte.

„Es war mir peinlich“

Aufgrund eines zu geringen Einkommens kann sie sich nicht gleich etwas Neues leisten. Der ehemalige Vermieter stalkt Maria weiter. „Ich war dann als obdachlos gemeldet. Das war für mich sehr peinlich.“ Beim Wiedner Gürtel, einem Service für Wohnungslose, lernt sie jemanden kennen, der sie schließlich zur Volkshilfe begleitet, wo sie bald eine Übergangswohnung zur Verfügung gestellt bekam. „Volkshilfe hat mein Leben gerettet“, sagt Maria. Sie habe sich zum ersten Mal wieder sicher gefühlt.

„Eine Wohnung allein löst nicht alles. Es braucht Begleitung, Vertrauen und Zeit.“

von Tanja Wehsely, Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien

Marias Schicksal ist keine Ausnahme: Über 10.000 Menschen in Wien sind von Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffen. „Wenn Menschen von Obdachlosigkeit sprechen, haben sie oft ein bestimmtes Bild vor Augen: Einen Mann, der auf einer Parkbank schläft“, sagt Wohnbau- und Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch(SPÖ) bei der Eröffnung des neuen Standorts von „MoBeWo (Mobil Betreutes Wohnen) der Volkshilfe in Favoriten. Dagegen sind Frauen in der Wohnungslosigkeit oft unsichtbar, weil sie seltener auf der Straße schlafen oder sie oftmals in Abhängigkeiten gefangen sind – wie im Fall von Maria – die kurzfristig schützen, aber langfristig gefährden.

Individuelle Unterstützung

Hier setzt MoBeWo an. Das soziale Unterstützungsangebot für Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind, hat zum Ziel, Betroffenen eine eigene, leistbare Wohnung zu vermitteln. Gefördert wird MoBeWo aus Mitteln des Fonds Soziales Wien (FSW). “Eine Wohnung allein löst aber nicht alles. Es braucht Begleitung, Vertrauen und Zeit„, so Tanja Wehsely, die Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien, über das Angebot von MoBeWo. Nur dauerhaft gesicherter Wohnraum in Verbindung mit individueller Unterstützung schaffe Stabilität und Selbstbestimmung, ergänzt Susanne Winkler, FSW-Geschäftsführerin.

Mit einem Team von 39 Mitarbeitenden werden derzeit rund 500 Haushalte von MoBeWo betreut. Über 90 Prozent der erreichbaren ehemaligen Klientinnen und Klienten leben drei Jahre nach Betreuungsende weiterhin stabil in ihren eigenen vier Wänden, so die Volkshilfe. Maria ist eine von ihnen: Rund drei Jahre sind vergangen, seit sie von ihrer Übergangswohnung in ihre eigenen vier Wände gezogen ist. “Hilfe anzunehmen fiel mir schwer, aber ich bin jeden Tag dankbar dafür.„ Sie habe zurück zu sich selbst gefunden: “Und ich kann endlich wieder tun, was mir guttut.„ Ihr persönliches Highlight in der Wohnung ist ihr Schreibtisch: “Das ist meine Ruheecke, in der ich zeichnen kann.„

Hinter sich lassen kann Maria ihre Vergangenheit aber niemals: “Verarbeiten werde ich das nie richtig, aber ich bin jeden Tag dankbar. Viele wissen nicht, was es bedeutet, eine eigene Wohnung zu haben„, sagt sie.

Heute ist Maria in Therapie, wo sie sich langsam öffnen kann, und nimmt weiterhin das Unterstützungsangebot von MoBeWo an. Künftig möchte sie aber die Seiten wechseln: “Viele Frauen sind schrecklichen Situationen ausgeliefert, deshalb möchte ich die Peer-Ausbildung vom Neunerhaus machen.„ Sie wolle Menschen, vor allem Frauen, in prekären Lebenslagen unterstützen. “Am liebsten würde ich jedem helfen, damit niemand ähnliche Situationen erlebt, wie ich es getan habe„, erzählt sie.

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