Chronik
06.09.2017

Prügelvideo am Trainingslager

Burschen sollen Mitspieler geschlagen haben – sie wurden ausgeschlossen.

Das Trainingslager der Nachwuchsmannschaften des Wiener Sport-Clubs hat ein Nachspiel. Vor rund zwei Wochen trainierten die Burschen der U10 bis U16 in Hollabrunn in NÖ. Dabei soll es zu einem Zwischenfall gekommen sein: In einem Zimmer soll ein Bursche einen Teamkollegen mit einem Schlapfen geschlagen haben. Ein zweiter hielt das Ganze mit dem Handy fest. Das Video wurde via Snapchat an Freunde und andere Spieler geschickt.

Demütigung

"Momentan wissen wir von zwei Videos. Eines davon ist harmlos. Da rangeln zwei Burschen spaßhalber am Boden. Das zweite allerdings ist so nicht zu akzeptieren", sagt Marcel Ludwig, Sprecher der Wiener Sport-Clubs. Darauf ist zu sehen, wie ein Nachwuchsspieler auf einen anderen losgeht, ihn mit einem Schlapfen auf die Füße schlägt. "Da geht es nicht um Körperverletzung. Da geht es um Demütigung, das war Mobbing", sagt Ludwig. Es sei eine grundlose Attacke gewesen.

Ein weiterer Mitspieler nimmt die Szenen auf, verbreitet sie auf sozialen Medien. Und dort finden sie schließlich auch Eltern von den Jugendlichen. Sie bringen die Sache ins Rollen. Montagnachmittag gab es dazu eine Krisensitzung.

Die beiden Burschen wurden samt Eltern vom Vereinsvorstand vorgeladen. Die Jugendlichen zeigten sich bei dem Gespräch laut Verein uneinsichtig. Sie wurden sofort aus dem Verein ausgeschlossen. "Sie werden nicht mehr für den Sport-Club spielen."

Konsequenzen

"So etwas akzeptieren wir nicht. Das darf nicht passieren und wird auch nicht mehr passieren", sagt Ludwig. Konsequenzen wird der Zwischenfall auch für einige Mitspieler haben. Sie sollen während der Aktion zugesehen haben. "Sie standen tatenlos daneben, niemand hat etwas gesagt."

Die Führung des Sport-Clubs wird aus diesem Anlass einen Verhaltenskodex für Spieler, Eltern und Trainer erarbeiten. Zudem bekommen Trainer und Spieler ein Sensibilisierungstraining zum Thema Mobbing und Gruppendynamik.

Auch die in Hollabrunn anwesenden Trainer sollen noch zum Gespräch gebeten werden. "Da müssen wir reden. Da sind nicht nur die Kinder schuld." Es seien genügend Trainer vor Ort gewesen. Meldungen, wonach einige zum Übernachten nach Wien gefahren seien, würden laut Verein so nicht stimmen. "Einige mussten zwar nachts nach Wien – aber es waren in der Nacht mindestens vier Betreuer anwesend."

Offen ist noch, ob vielleicht noch ein drittes Video im Umlauf ist.