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Chronik Österreich
07/28/2021

Wie (ab)normal dieser Sommer ist

Die massiven Unwetter in diesem Jahr werden durch den Klimawandel begünstigt, meint ein Experte. Gemäßigte Sommermonate könnten der Vergangenheit angehören.

von Markus Strohmayer

380.000 Blitze haben sich seit Sommerbeginn allein über Oberösterreich entladen. Viel deutet darauf hin, dass der Sommer dort der blitzreichste seit Aufzeichnungsbeginn wird. Laut den Experten vom Wetterdienst Ubimet handelt es sich generell um ein Jahr mit außergewöhnlich vielen Unwettern.

„Wir haben speziell über Oberösterreich eine festgefahrene Wetterlage, die Gewitter begünstigt“, beschreibt Meteorologe Nikolas Zimmermann die derzeitigen Zustände. Konkret meint er die aktuelle Südwestlage, die wohl noch länger anhält.

„Stockender Motor“

Dass uns das gewittrige Wetter schon so lange begleitet, könnte Zimmermann zufolge mit dem Klimawandel zusammenhängen: „Die Temperaturen zwischen den Polen und Tropen nehmen ab, Wetterlagen halten dadurch länger an als früher. Der Motor kommt sozusagen ins Stocken.“

Das heißt aber nicht, dass nun jeder Sommer so sein wird. „Nächstes Jahr könnten wir zum Beispiel eine Nordlage haben. Der Sommer wäre dann überwiegend regnerisch und kühl, aber ohne Gewitter“, erklärt der Meteorologe. Von einem Gewitter ist übrigens die Rede, wenn es hörbar donnert. Die Beobachtung von Wetterleuchten alleine reicht nicht aus. Eine häufige Begleiterscheinung ist Niederschlag. Auch dieser wird – zumindest in seiner Extremform – durch den Klimawandel begünstigt. Der Starkregen und der Hagel der vergangenen Wochen veranschaulichten bereits die verheerenden Folgen dieser Extremwetterereignisse.

380.000 Blitze
haben sich seit Sommerbeginn über Oberösterreich entladen. 2020 waren es 180.000

37,5 Grad Celsius
wurden am 8. Juli in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) gemessen – ein neuer Rekord

140 Liter pro Quadratmeter
regnete es an einem Wochenende in Oberndorf an der Melk (NÖ) – so viel wie sonst in einem Monat 

„Der Klimawandel sorgt für mehr Wasserdampf und damit für mehr Feuchtigkeit in den tiefen Lagen der Atmosphäre. Die Folge ist die Zunahme von Starkregen“, sagt der Ubimet-Experte. Bei Hagel dürfte es sich ähnlich verhalten, hier fehlen derzeit aber noch die Beobachtungsdaten, um eindeutige Muster zu erkennen.

Ein klarer Trend sei aber bereits dahingehend zu beobachten, dass Regen künftig seltener, dafür aber stärker auftreten werde. Zimmermann spricht in diesem Zusammenhang sogar vom „neuen Normal“ und einer Tendenz in Richtung Starkregen. Ein gemäßigter, wechselhafter Sommer, wie man ihn in Österreich bisher als „normal“ empfand, könnte demnach der Vergangenheit angehören.

Das wäre unter anderem für die Landwirtschaft problematisch, vor allem da auch lange Hitze- und Trockenperioden wahrscheinlicher werden. Dieser Umstand sorgte bereits vergangenen Sommer vielerorts für Dürre und Ernteausfälle.

Es bleibt gewittrig

Verantwortlich war damals ein Hochdruckgebiet über Nord- und Mitteleuropa. Heuer ist es bisher nicht ganz so heiß, dafür aber sehr unbeständig. Heute, Mittwoch, ändert sich daran auch wenig. Speziell in Oberösterreich kann es schon in der Früh Schauer und vereinzelte Gewitter geben. Tagsüber verlagern sich diese über den Alpenhauptkamm in Richtung Steiermark. Auch Hagel ist möglich, dieser sollte mit einer Korngröße von bis zu drei Zentimetern aber nicht so massiv ausfallen wie zuletzt, als Hagelunwetter speziell in Niederösterreich massive Schäden anrichteten.

Der Donnerstag wird dann landesweit ein stabiler, freundlich-sonniger Tag. Am Freitag weicht der Sonnenschein aber bereits wieder Wolken, Blitz und Donner. Ubimet-Prognosen sagen Regen und kräftige Gewitter von Ost bis West voraus. Besonders heftig könnte es entlang der Alpennordseite werden. Erneut kann es lokal zu Hagelschauern kommen.

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