© Nikolaus Tuschar

Chronik Österreich
01/30/2020

Zwei Wochen holländische Enklave rund um den Weißensee

Die „Alternative 11-Städte-Tour“ am Weißensee gilt als die größte Eislaufveranstaltung der Welt.

von Nikolaus Tuschar

Die Besucher aus dem Norden haben anscheinend gerne kalte Füße. „Sie gehen selbst im Winter im Hotel barfuß“, erzählt Bürgermeister Gerhard Koch mit einem Augenzwinkern. Tausende Besucher aus den Niederlanden haben Weißensee in Kärnten jetzt wieder fest in ihrer Hand. Und die Besucher aus dem Norden haben nur einen Grund dafür – das Eislaufen.

In den Niederlanden ist das Dahingleiten auf Kufen Nationalsport. Doch aufgrund der Klimaerwärmung sind zugefrorene Kanäle eine Seltenheit geworden. Vor 32 Jahren wurde der Kärntner Weißensee als eissicheres Ausweichquartier entdeckt –James Bond hatte Werbung gemacht (siehe Artikelende). Seitdem ist dort jedes Jahr zwei Wochen lang Orange die Modefarbe: Im Rahmen der „Alternativen 11-Städte-Tour“ ist der Weißensee fest in holländischer Hand.

Ein Tag am See

Das Dahingleiten auf Kufen ist holländischer Nationalsport.

Ein Tag am See

Über 3500 Besucher nehmen aktiv an Bewerben teil.

Ein Tag am See

Auch die "ältere Generation" ist noch fleißig am Eis unterwegs.

Bereits bei der Anreise zum Eissee, der auf 930 Meter Seehöhe liegt, sieht man fast nur noch Fahrzeuge mit NL-Kennzeichen. Auch das holländische Begrüßungsplakat und zweisprachige Hinweisschilder weisen auf die orange Omnipräsenz hin.

Die „11-Städte-Tour“ ist ein regionaler Wirtschaftsmotor: Die eisverliebten Holländer reisen in Scharen an und sorgen in nur zwei Wochen für 35.000 Nächtigungen – und ein Strahlen im Gesicht des Bürgermeisters: „Während dieser Zeit sind die Betten in der Gemeinde bis auf den letzten Platz ausgebucht,“ sagt Koch. Während des Gesprächs mit dem KURIER fragt er eine Dame auf Holländisch, wie denn das Eis heute so sei. „Mittlerweile sind sie ja zum 32. Mal am See. Da spricht man schon das eine oder andere Wort,“ fügt Koch lachend hinzu.

Aber auch die Holländer haben einen eigenen „Bürgermeister“ am See: Toine Doreleijers, der Organisator der Veranstaltung. Jeder grüßt ihn, jeder kennt ihn, jeder hält für ein kurzes Gespräch. Unterstützt wird er von zahlreichen Freiwilligen. Zwei von ihnen, Rosalie und Ilian, erzählen, dass es „ein Privileg“ sei mitzuhelfen – sie sind zum ersten Mal am Weißensee und begeistert.

Motivierte Freiwillige

Die Freiwilligen Rosalie Pennekamp und Ilian Trichopoulos sind zum ersten Mal am Weißensee und begeistert.

Der holländische "Bürgermeister"

„Bürgermeister“ der Holländer am See: Toine Doreleijers ist der Organisator der Veranstaltung.

Geschäftig ist auch Eismeister Norbert Jank: Er kennt die Eisfläche wie kein anderer und sorgt für spiegelglatte sowie sichere Fahrbahnen. Für ihn sind es vor allem seine Erfahrungswerte, die ihm verraten, wann das Eis passt: Es komme nicht nur auf die Dicke des Eises an, sondern auch auf die Qualität. Diese erkenne man etwa bei Probebohrungen, bei denen vor dem Durchbruch durch die Eisdecke keine Wasser hervortreten darf.

 

Eisqualität

Es komme nicht nur auf die Dicke des Eises an, sondern auch auf die Qualität.

Eisqualität

Der ausgeschnittene Block wird mit einer Eisenzange angehoben.

Eisqualität

Norbert Jank beim testen der Eisqualität.

Eisqualität

Am Ende wird der Block wieder ins Wasser gehoben und markiert.

„Sauwetter“

Jank achtet vor allem auf Risse im Eis. Eine weitere Gefahr stelle plötzlich auftretender Föhn dar. Jank bezeichnet ihn als „Sauwetter“. Für die Einschätzungen solcher Wetterkapriolen bedarf es einiges an Fingerspitzengefühl: „Das steht in keinem Buch. Es gibt durchaus Situationen, wo man als Eismeister ein wenig spekuliert und nach dem Bauchgefühl handelt.““

Wie gefährlich die Arbeit am Eis sein kann, zeigt der tragische Todesfall eines Eismeisters am Aichwaldsee in der Vorwoche. Der Mann war mit dem Auto auf das Eis gefahren, eingebrochen und gestorben.

Beim jährlichen Vermessen der Eisdecke stellt der 73-jährige Jank jedenfalls fest: „Das Klima hat sich im Lauf der Zeit brutal geändert.“ Er spricht von immer kürzeren „Eiswintern“ und immer dünnere werdenden Eisdecken.

Eismeister Jank hat es übrigens in den Niederlanden aufgrund seiner Tätigkeit rund um den See zu kleiner Prominenz gebracht: „Manche Leute erkennen einen sogar auf der Straße.“ Und einmal wurde er in Holland nach einer Verkehrskontrolle mit Blaulicht zu seinem nächsten Termin eskortiert.

Ursprung:

In den Niederlanden ist Eislaufen ein Volkssport. Die “Elfstedentocht“ (zu Deutsch 11-Städte-Tour) hat dort  Kultstatus. Über zugefrorene Kanäle führt die fast 200 Kilometer lange Strecke. Aufgrund Eismangels fand die Tour  aber vor 23 Jahren das letzte  Mal in Holland statt.

007 lockte Holländer an:
Der Grund für die Veranstaltung am Weißensee war niemand Geringerer als James Bond. Denn der erste Organisator sah im 007-Streifen „Der Hauch des Todes“ , dass die Eisdecke   des Sees unter anderem sogar  Autos aushielt. Das brachte ihn auf die Idee, dass sich der Ort auch bestens zum Eislaufen eignen würde.

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