© APA/ROBERT JAEGER

Chronik Österreich
11/10/2021

Zu viele Fälle, zu wenig Mithilfe: Wo das Contact-Tracing scheitert

Wie in jeder Welle kommt das Nachverfolgen von Kontakten in Österreich wieder ans Limit.

von Christian Willim, Petra Stacher, Anja Kröll, Elisabeth Holzer

In der aktuellen Situation mit täglich Tausenden Neuinfektionen klingt es beinahe wie ein Hohn. Im letzten Update des Gesundheitsministeriums (21. Oktober) für den Behördenleitfaden zum Umgang mit Kontaktpersonen von Covid-Fällen heißt es: „Zur Verbesserung der Quellensuche kann bei ausreichenden Kapazitäten der Rückverfolgungszeitraum von Kontaktpersonen von 48 auf 96 Stunden ausgeweitet werden.“

In der Realität kommen die Gesundheitsbehörden in manchen Bundesländern kaum noch mit den Absonderungsbescheiden von positiv Getesteten hinterher. In den Super-Hotspots Salzburg und Oberösterreich lag die 7-Tages-Inzidenz am Montag über 1.000 (pro 100.000 Bewohner). Das heißt im Klartext: Innerhalb einer Woche hat sich einer von 100 Bewohnern des Bundeslandes mit Corona infiziert.

Kontaktverweigerung

In Tirol versucht man derzeit noch, die Kontakte von Neuinfizierten nachzuverfolgen. Die Behörden sind dabei mit einem Phänomen konfrontiert, das sich nach der ersten Welle im Frühjahr 2020 eingestellt hat: „Es gibt Leute, die geben uns keine Kontakte an“, sagt Tirols Corona-Einsatzleiter Elmar Rizzoli.

Das wurde auch aus anderen Bundesländern immer wieder berichtet. Als Triebfeder für die Verweigerung der Mitwirkung wird vermutet, dass Infizierte Verwandten und Bekannten keine Quarantäne einbrocken möchten.

Sozialer Druck

Das Problem kennt man auch in Kärnten. „Die Betroffenen wollen ihr Umfeld schützen und soziale Beziehungen nicht gefährden. Aber für uns erschwert das die Arbeit natürlich enorm“, sagt Gerd Kurath, Sprecher des Landes.

Das Aufspüren der Infektionsquelle und möglicher weiterer Ansteckungsfälle ist einer der Hebel, um die Infektionsdynamik einzubremsen. Wer den Behörden das Leben mit falschen Angaben erschwert, riskiert, vor Gericht zu landen.

Kein Kavalviersdelikt

So wurde heuer etwa ein Mann am Landesgericht Klagenfurt wegen „vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten“ zu vier Monaten bedingter Haft verurteilt, weil er den Kontakt zu einem Arbeitskollegen verschwiegen hatte.

Wie berichtet, konnte bundesweit zuletzt nur noch in 38 Prozent der Fälle geklärt werden, wo sich positiv Getestete angesteckt haben. Die schlechteste Quote hatte Oberösterreich mit 27 Prozent. Das Contact-Tracing werde nach den Vorgaben des Bundes gemacht, versichert das Land: „Es wird aber schwieriger.“ Daher appelliere man an die Bevölkerung, mitzuhelfen.

In Salzburg konzentriert man sich bei dem Isolieren von Corona-Kontakten auf Haushaltsmitglieder, sowie Freunde und Verwandte von Infizierten, heißt es auf Anfrage.

Zu wenig Personal

Woran es ebenfalls wieder einmal fehlt, ist Personal in den Gesundheitsbehörden, die das Contact-Tracing durchführen. In allen Bundesländern außer Wien ist das Bundesheer schon wieder im telefonischen Assistenzeinsatz. Unter anderem in der Steiermark und und Oberösterreich wurden bereits weitere Soldaten angefordert.

Geimpfte oder genesene Kontakte von Infizierten müssen in der Regel übrigens nicht mehr in Quarantäne. Wer als K1-Person eingestuft wird, muss zudem gemäß der aktuellen Vorgaben nur noch für zehn statt 14 Tage in Quarantäne und kann sich nach fünf Tagen freitesten.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.