Chronik | Österreich
10.05.2018

Zu Hause auf den Bühnen dieser Welt

Der vielfach ausgezeichnete Bassist Juan García-Herreros ist auch Integrationsbotschafter in Österreich

„Auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Türkisch, Portugiesisch oder Chinesisch“ – das antwortet Juan García-Herreros auf die Frage, in welcher Sprache er das Interview führen möchte. Was schon demonstriert: Der Arbeitsplatz des Musikers, der auch unter dem Künstlernamen „Snow Owl“ bekannt ist, das sind die Bühnen auf aller Welt. Er zählt zu den weltbesten E-Bassisten, unter anderem erhielt er eine Grammy-Nominierung.

Doch auch privat kam García-Herreros viel herum: Geboren ist er im damals vom Drogenkrieg gebeutelten Kolumbien, aufgewachsen in den USA, wo er Augenzeuge der Anschläge von 9/11 wurde. Seit 16 Jahren lebt er in Wien und in der Steiermark. Und in Österreich ist er auch als Integrationsbotschafter tätig. Der KURIER sprach mit ihm (auf Deutsch, übrigens) über sein Leben und darüber, wie Integration gelingen kann.

Geboren ist García-Herreros am 1. Juli 1977 in Bogotá. „In Kolumbien habe ich gesehen, wie viele Menschen wegen Drogen entführt und getötet wurden. Was für ein Blödsinn“, sagt er. Geprägt durch diese Erlebnisse nahm er nie Drogen, er rauchte und trank auch nie. „Denn ich möchte ein Vorbild für alle Kolumbianer sein“, sagt er.

„Das ist Magie“

Doch er erlebte auch anderes, Schönes – was ihn mindestens so sehr prägte: „Sobald die Musik gespielt hat, haben die Kolumbianer gelacht und getanzt. Trotz aller Probleme. Das ist Magie.“ Schon damals, als Kind, war ihm daher klar: Er möchte einmal Musiker werden.

Als er neun Jahre alt war, musste die Familie in die USA flüchten: Da ein Verwandter in die Verhaftung des Drogenbarons Pablo Escobar involviert war, war ein sicheres Leben in Kolumbien nicht mehr möglich. Zuerst lebte die Familie in New York City, die High School besuchte er dann in Florida. Dort erkannte eine Lehrerin sein Talent: Da er selbst nicht genug Geld für ein eigenes Instrument hatte, durfte er im Musikzimmer der Schule Bass üben. Nachts, im Dunklen, von Mitternacht bis vier Uhr früh. „Wenn ich Licht aufgedreht hätte, wäre die Polizei gekommen, da sich um die Zeit niemand mehr im Gebäude aufhalten hätte dürfen“, erzählt er.

Eine harte Zeit: Tagsüber ging er in die Schule, danach jobbte er in einem Statistikinstitut, und in den Nächten übte er Bass, „bis meine Finger blutig waren“.

Harte Arbeit, die sich bezahlt machte. „Alle haben mir früher gesagt, von Musik kann man nicht leben. Was für eine Lüge“, sagt García-Herreros und lacht. Immerhin arbeitete er bereits mit Stars wie Elton John, Christina Aguilera oder Al Jarreau zusammen, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und unterrichtete an Musikhochschulen in mehreren Ländern.

Und seine Erlebnisse versucht er auch denjenigen zu vermitteln, die er als Integrationsbotschafter in Österreich trifft. „Ich bekam einen Brief vom damaligen Präsidenten Heinz Fischer, in dem stand, ob ich Integrationsbotschafter werden möchte“, erzählt der Musiker. Im Zuge dieser Tätigkeit war er in ganz Österreich unterwegs und kam mit „8000 bis 9000 Menschen in Kontakt“, schätzt er.

„Ihr seid Gewinner“

Und seine Botschaft? Er, der selbst einst aus Kolumbien flüchten musste, habe auch hier viele Flüchtlinge kennengelernt. „Und ich habe ihnen gesagt: Ihr seid keine Verlierer – ihr seid Gewinner. Österreich bietet euch so viele Möglichkeiten: Macht eine Ausbildung, lernt die Sprache, lernt die Kultur kennen.“ Er erzähle oft, wie hart er für seinen Erfolg gearbeitet habe. Wichtig sei aber auch, dass Einheimische die Perspektive wechseln: „Weg von der Angst – und hin zu den Potenzialen. Wenn wir den Geflüchteten hier eine Ausbildung ermöglichen, investieren wir auch in unsere Zukunft.“