Zehntausende steigen jedes Jahr ins Auto, obwohl sie eigentlich nicht dürfen.

© dapd/Matthias Rietschel

Neuer Rekordhalter
05/20/2015

Zehntausende fahren ohne Führerschein

Polizei stoppte im Vorjahr 6300 Lenker. Burgenländer fuhr 48 Jahre ohne Lizenz.

von Birgit Seiser, Roland Pittner

In Österreich fahren Zehntausende ohne Führerschein. Wie viele es wirklich sind? Weder Polizei, Verkehrministerium noch das Kuratorium für Verkehrssicherheit trauen sich hier eine Schätzung zu. Die einzig gesicherte Zahl für Österreich ist, dass im vergangenen Jahr von der Polizei 6300 Autofahrer ohne Führerschein gestoppt wurden.

Einer von ihnen ist ein 74-jähriger Burgenländer, der offenbar gleich den Rekord in dieser Verkehrssünder-Disziplin gebrochen hat. Der Mann ist seit 48 Jahren ohne Fahrlizenz unterwegs. Nur weil er einen Unfall verursachte, flog er auf (mehr dazu hier).

"Ich habe immer aufgepasst und jetzt ist mir das passiert", sagt der 74-jährige Südburgenländer gegenüber dem KURIER, der am Montag in Mischendorf im Bezirk Oberwart, mit seinem Auto gegen das Fahrzeug einer 49-jährigen Frau fuhr.

"Es war ein unspektakulärer Unfall. Die Frau wurde dabei leicht verletzt", sagt Polizeisprecher Gerald Koller. Was die Beamten allerdings in Staunen versetzte, war die Erklärung des 74-Jährigen, der angab seit 1967 regelmäßig mit einem Auto unterwegs gewesen zu sein.

Späte Einsicht

"Den Führerschein habe ich nie gemacht", sagt der Mann. Egal ob mit dem Bagger in Wien oder dem Pkw, "kontrolliert hat mich die Polizei bis jetzt noch nie." Den Mann erwartet nun eine Verwaltungsstrafe, für das Fahren ohne Lenkberechtigung. Wie hoch diese ausfallen wird, steht noch nicht fest. Aus der Bezirkshauptmannschaft Oberwart hieß es, dass in diesem Fall, die Mindeststrafe von 363 Euro vermutlich nicht zum Einsatz kommen wird.

Der Führerschein-Verweigerer ist kein Einzelfall. Im vergangenen Jahr wurden 6300 Lenker ohne "rosa Deckel" erwischt. Ein Sechstel von ihnen, lässt sich nicht einmal durch Strafen abschrecken. In 1.100 Fällen stoppte die Polizei Wiederholungstäter.

"Bundesweit wurden mehr als 40 Personen öfter als fünf Mal binnen eines Jahres ohne Lenkberechtigung erwischt", heißt es auf KURIER-Anfrage aus dem Verkehrsministerium. Unangefochtener Spitzenreiter ist ein Pensionist aus Kärnten. Im Jahr 2006 wurde von der Polizei zum 69. Mal ohne Führerschein gestoppt. Trotz der Androhung von 100.000 Euro Strafe setzte er sich noch ein 70. Mal illegal hinters Steuer. Die Kärntner Behörden konnten dem Mann nicht habhaft werden, weil eine Ersatzfreiheitsstrafe wegen einer Klaustrophobie nicht exekutierbar war.

Niedrige Strafe

Derart hohe Schulden bei der Polizei häuft natürlich nicht jeder an, der es mit dem Führerschein nicht so genau nimmt. Bei einer Mindeststrafe von 363 Euro könnte man drei Mal erwischt werden und wäre finanziell trotzdem noch unter den Durchschnittskosten der Ausbildung für den B-Schein in einer Fahrschule. Ein Großteil dieser Verkehrssünder hat irgendwann die Fahrschule positiv absolviert. Sie mussten wegen diverser Verkehrsdelikte vorübergehend ihre Fahrlizenz abgeben. Trotzdem setzten sie sich danach ans Steuer.

Im vergangenen Jahr wurden übrigens von der Polizei bundesweit 91.000 Führerscheine abgenommen. 26.000 wegen zu viel Alkohol. Die zweithäufigste Ursache für den temporären Entzug der Fahrlizenz war überhöhte Geschwindigkeit.

Ob ein erwischter Lenker noch nie einen Führerschein hatte oder er ihm nur vorübergehend entzogen wurde, ist für die Behörde übrigens irrelevant: "Wird ein Lenker angehalten, werden die Gründe, warum er keine Lenkberechtigung besitzt, nicht erfasst", sagt das Verkehrsministerium.

Für den 74-jährigen Burgenländer steht eines fest: "Ich werde jetzt wohl den Führerschein machen, jetzt weiß es ja jeder, dass ich keinen hatte", erklärt der Pensionist. Nach 48 Jahren ohne Schein will er bald legal unterwegs sein. Ob der Unfall für den 74-Jährigen noch weitere Konsequenzen haben wird, muss die Staatsanwaltschaft Eisenstadt klären. Das könne aber noch einige Zeit dauern.

13 Verkehrstote in der vergangenen Woche

Im Mai steigt im Vergleich zu den Vormonaten die Zahl der Verkehrsunfälle stark an, wie eine aktuelle Analyse des VCÖ zeigt. In den vergangenen fünf Jahren passierten in Österreich im Mai um 41 Prozent mehr Verkehrsunfälle als im Monatsschnitt zwischen Jänner und April. Im Mai sind deutlich mehr Motorräder unterwegs und der Ausflugsverkehr nimmt wegen mehrerer Feiertage zu. Hauptunfallursachen sind laut VCÖ Unachtsamkeit und zu hohes Tempo.

In der vergangenen Woche starben vier Motorradlenker, zwei Pkw-Lenker, ein Mitfahrer in einem Pkw, vier Fußgänger und zwei Radfahrer im Straßenverkehr. Eine von ihnen war Lenkerin eines Elektrofahrrads; die 65-jährige Frau hatte auf einer Kreuzung offenbar einen Pkw übersehen, der Vorrang hatte, wurde von diesem erfasst und zu Boden gestoßen.

Am verlängerten Wochenende, zwischen Christi Himmelfahrt und Sonntag, verunglückten neun Verkehrsteilnehmer tödlich. Vier Menschen starben in der Vorwoche bei Verkehrsunfällen in Oberösterreich, drei in Niederösterreich, jeweils zwei in der Steiermark und in Tirol und je einer im Burgenland und in Wien.

Vom 1. Jänner bis 17. Mai 2015 starben auf Österreichs Straßen laut Innenministerium 143 Menschen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahrs waren es 166 und 2013 130.

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