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„Klares Versagen“: Böden im gesamten Land nicht ausreichend geschützt

Der WWF hat sich verbindlichen Regeln und Maßnahmen zum Bodenschutz in allen Bundesländern angesehen. Das Fazit: Bestenfalls „lückenhaft“.
Eine Aufnahme von der Umfahrung Mattinghofen-Munderfing aus der Luft.

Unter unseren Füßen liegt ein oft übersehenes Naturtalent: Intakte Böden speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung, bieten Tieren Lebensraum und machen vielfältige Vegetation überhaupt erst möglich. Doch vielerorts muss dieses Ökosystem Gebäuden, Straßen oder Parkflächen weichen. Laut dem WWF wurden in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt pro Tag rund 2,5 Hektar an österreichischem Boden verbraucht.

Erstmals hat die Umweltorganisation systematisch erhoben, wie es in den neun österreichischen Bundesländern um den Bodenverbrauch bestellt ist. Dafür untersuchte die Umweltschutzorganisation elf politische Handlungsfelder im Bereich Raumplanung und Boden, darunter verbindliche Regeln, Förderungen, aber auch konkrete Projekte. Zahlen für die Berechnung stammen großteils aus offiziellen Daten der Österreichischen Raumordnungskonferenz und stammen aus den Jahren 2022 bis 2025. Die Ergebnisse wurden einer fünfstufigen Skala zugeordnet - von „vorbildlich“ bis „ungenügend“.

„Lückenhaft“ als Bestnote

Das Fazit: Selbst der erste Platz in der Rangliste kommt nicht über eine Bewertung von „lückenhaft“ hinaus. Die Note „vorbildlich“ oder „solide“ wurde in keinem Fall vergeben. Trotz teils guten Ansätzen sieht der WWF ein „insgesamt schwaches Ergebnis“: „In keinem Bundesland reichen die Maßnahmen aus, um den Bodenverbrauch angemessen zu senken und unverbaute Böden konsequent zu schützen.“ Die Organisation ortete daher ein „strukturelles Problem“ der Raumplanung. WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories spricht von einem „klaren Versagen“ der Bodenpolitik: „Die Bundesländer müssen den Bodenschutz endlich vom Papier in die Praxis der Raumplanung bringen.“

Eine Aufnahme von dem geplanten Gewerbepark auf den KZ-Gründen in Leobersdorf.

Der WWF hat sich unterschiedliche Projekte in den Bundesländern angesehen - darunter der geplante Gewerbepark in Leobersdorf.

Im Wesentlichen besteht die Kritik aus drei Kernaspekten: Verbindliche, in Zahlen gegossene Reduktionsziele würden vielerorts fehlen. Gleichzeitig gebe es zu wenige Vorgaben für flächenintensive Projekte, während Leerstände sowie bereits verbaute Flächen zu häufig ungenutzt bleiben. Außerdem würden unverbaute Böden unzureichend geschützt, etwa durch Siedlungsgrenzen oder Vorrangzonen für Landwirtschaft und Natur.

Die Bundesländer im Vergleich

Mit einer Bewertung von 3,1 beziehungsweise „lückenhaft“ führt Salzburg den Bundesländervergleich an. Der WWF attestierte eine „etwas fortschrittlichere Bodenpolitik“ und sieht teils sehr konkrete und sinnvolle Kriterien. Dennoch werde jede fünfte landwirtschaftlich nutzbare Fläche im Bundesland verbaut, darunter wertvolle alpine Flächen. Regelungen fehle häufig die Konkretisierung.

Niederösterreich liegt mit 3,2 knapp hinter Salzburg und wurde für „regionale Raumordnungsprogramme, Siedlungsgrenzen und agrarische Schwerpunkträume“ gelobt, die grundsätzlich wichtige Schutzinstrumente seien. Negativ wurde hervorgehoben, dass hier mit durchschnittlich 1,9 Hektar pro Tag nicht nur der höchste absolute Bodenverbrauch aller Bundesländer auftrete, auch beim Verbrauch pro Kopf nehme das Bundesland mit 952 Quadratmetern die zweite Stelle hinter dem Burgenland ein.

Die Steiermark und das Burgenland verzeichnen eine Bewertung von 3,3 und belegen damit den dritten Platz. In der Steiermark würden sich ähnliche Schwachstellen wie in anderen Bundesländern abzeichnen: Es gebe in der Theorie positive Ziele und in der Praxis Lücken. Beim gewidmeten Bauland pro Kopf verzeichnet die Steiermark zudem den stärksten Zuwachs in allen Bundesländern. Wenn es um den Schutz unverbauter Böden geht, habe das Burgenland in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht. Gleichzeitig ist hier der Bodenverbrauch pro Kopf mit 1.251 Quadratmetern am höchsten - und doppelt so hoch wie der österreichische Durchschnitt von 618 Quadratmetern.

Tirol und Vorarlberg teilen sich den vierten Platz (3,6). Während die Gesetze und Verordnungen Tirols laut WWF „sehr ausführlich“ gestaltet seien, gebe es auch hier einige Lücken - insbesondere im Bereich der touristischen Nutzung. So würden „grundsätzlich sinnvolle Ziele“ oft umgangen. Auch die mangelnde Beschränkung für neue Betriebsflächen wurde von der NGO kritisiert. Vorarlberg habe zwar fortschrittliche Ansätze, jedoch auch mangelhafte Regelungen. Auch hier weist der WWF auf neue Betriebsflächen und touristische Projekte hin.

Wien (3,9) nimmt im Ranking den fünften Platz ein und als flächenmäßig kleinstes Bundesland und Stadt beim Bodenverbrauch eine Sonderstellung ein. Kritisiert wurde unter anderem der „Wien-Plan“ mit vielen Zielen und Maßnahmen, aber ohne eine rechtliche Bindung. Auch enthalte die Bauordnung nur wenige konkrete Bodenschutz-Vorgaben, wie Siedlungsgrenzen. Ein übergeordneter rechtlicher Schutz wertvoller Agrarflächen und Grünräume fehle.

Den vorletzten Platz belegt Kärnten (4,0). Sechs der elf untersuchten Handlungsfelder wurden als „ungenügend“ eingestuft. „Das Land hat weder übergeordnete Siedlungsgrenzen noch verbindliche Vorrangzonen für Landwirtschaft und Natur festgelegt“, schreibt der WWF dazu. Doch auch positive Ansätze zeigten sich im südlichsten Bundesland, nämlich bei der Rückwidmung ungeeigneter Baulandüberhänge.

Oberösterreich nimmt in der Bewertung der NGO den letzten Platz ein (4,2). „Abgesehen von allgemeinen Zielen und einzelnen Ansätzen in der Wohnbauförderung werden die untersuchten Handlungsfelder durchgehend als “kritisch„ oder “ungenügend„ eingestuft“, begründet der WWF. Besonders bemängelt wurden die Bodenpolitik im Fall von Betriebsgebieten, Rechenzentren, Logistikarealen, touristischen Projekten und beim Straßenbau.

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