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Milliardenschaden: Was der Dürre-Sommer im Boden anrichtet

Wiederkehrende Trockenheit verändert Böden dauerhaft und macht sie anfälliger für die nächste Dürre. Warum Bodenschutz laut einem Innsbrucker Ökologen genauso wichtig ist wie Klimaschutz.
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Fast zwei Jahrzehnte lang hat Michael Bahn Trockenheit simuliert, die es noch gar nicht gab. Der Ökologe von der Universität Innsbruck und seine Forschungsgruppe spannten Dächer über Almflächen im Stubaital und an der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein in der Steiermark, hielten künstlich Regen fern und beobachteten, was mit Pflanzen und Böden passiert, wenn Dürren zunehmen, so wie es Klimamodelle für die kommenden Jahrzehnte voraussagen. Es war ein Blick in eine mögliche Zukunft.

Diese Zukunft ist jetzt da, und sie kam schneller als gedacht. „Es ist ein wenig ein Schock für uns, dass die Szenarien, die wir in Richtung der nächsten Jahrzehnte getestet haben, jetzt bereits in dieser Deutlichkeit eintreten“, sagt Bahn. Viele Flächen im Land gleichen inzwischen genau jenen, die seine Gruppe künstlich unter Trockenstress gesetzt hat. Nur eben echt.

Eine Milliarde Euro Schaden

Die sichtbarste Folge lässt sich in Zahlen fassen: Die Hagelversicherung bezifferte den Gesamtschaden in der Landwirtschaft zuletzt mit rund einer Milliarde Euro. Dazu kommen frühe Almabtriebe und Futtermangel in der Viehzucht. Was Bahn aber besonders interessiert, ist das, was sich unter der Oberfläche abspielt und viel länger nachwirkt.

Seine Forschung zeigt: Wiederkehrende Dürren verändern Böden dauerhaft. Sie verlieren an Fähigkeit, Wasser zu speichern. Die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Boden ändert sich, und diese Veränderung wiederum beeinflusst, wie gut Pflanzen künftige Dürren überstehen. Bahn nennt das ein „Bodengedächtnis“ - ein Boden, der sich merkt, was er durchgemacht hat, und dadurch anfälliger für das nächste Mal wird.

Der größte Kohlenstoffspeicher, den wir haben

Wo genau die Grenze liegt, an der sich Böden und Pflanzen nicht mehr erholen, weiß auch die Wissenschaft noch nicht genau. Es hänge von vielem ab: vom Zeitpunkt einer Dürre, ihrer Dauer und Intensität, aber auch von der Beschaffenheit des Bodens und der Vielfalt der Arten, die darin und darauf leben. Klar ist nur, dass sich die Effekte gegenseitig verstärken: Hitzewellen begünstigen Dürren, Dürren wiederum verringern die kühlende Verdunstung von Pflanzen und Böden, was die Hitze weiter anheizt.

Was also tun? Bahn setzt vor allem auf den Schutz von Humus, jener organischen Substanz im Boden, die Kohlenstoff bindet und damit verhindert, dass er als Treibhausgas in die Atmosphäre gelangt. „Böden sind der größte Kohlenstoffspeicher, den wir haben. Bodenschutz ist Klimaschutz“, sagt er. Zugleich sei Humus zentral für Nährstoffversorgung und Wasserspeicherung, also genau jene Fähigkeiten, die in Dürrejahren wie diesem entscheidend sind.

Eine weitere Erkenntnis aus seiner Forschung: Extreme Dürren verändern auch die Porenstruktur im Boden, wodurch Pflanzen schlechter auf vorhandenes Wasser zugreifen können. Deshalb könne gezielte Bewässerung in Extremsituationen sinnvoll sein, auch um künftige Dürrefolgen abzumildern, so Bahn, allerdings nur dort, wo das mit der Wasserwirtschaft vereinbar ist. Wie man mit der Ressource Wasser künftig umgeht, müsse das lange so verwöhnte „Wasserschloss Österreich“ erst neu lernen.

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