Wohnbaumilliarde: Länder haben erst 213 Millionen Euro abgeholt
Der Wohnbau in Österreich kommt nicht in die Gänge (Symbolbild).
Die stotternde Bauwirtschaft ankurbeln. 20.000 leistbare Eigentums- und Mietwohnungen schaffen und 5.000 Objekte sanieren. Das waren die Ziele einer vor zwei Jahren von der damaligen türkis-grünen Bundesregierung präsentierten „Wohnbaumilliarde“, mit der diese Koalition vor den Nationalratswahlen noch einmal Gestaltungswillen zeigen wollte.
Abrufen können diese Gelder die Bundesländer, die diese Mittel im Bereich des Neubaus aber nur für zusätzliche gemeinnützige Wohnungen verwenden dürfen. Die Milliarde wurde auf drei Jahre aufgeteilt: 2024 standen 250 Mio. Euro bereit, im Vorjahr 500 Mio. Euro und bis Ende Juni des heurigen Jahres gibt es noch einmal 250 Mio. Euro – theoretisch.
Denn wie eine KURIER-Anfrage an das Finanzministerium zeigt, sind bis Ende 2025 nur rund 213 Millionen Euro für Neubauten, Sanierungen und Zinszuschüsse für günstigere Wohnbaudarlehen ausbezahlt worden.
Bis Ende 2025 wurden aus dem Fördertopf erst 213 Millionen Euro abgeholt
Die einzelnen Bundesländer, deren Anspruch sich nach der Bevölkerungsgröße bemisst, haben sich höchst unterschiedlich aus dem Fördertopf bedient – teilweise aber auch gar nicht.
Kein Cent für Wien
Das meiste Geld ist in die Wohnbauförderung von Niederösterreich geflossen: rund 101 Millionen Euro – von denen rund 84 Millionen Euro in die Errichtung von Wohnungen gesteckt wurden. Wien hat sich laut den Daten des Finanzministeriums bis dato hingegen keinen Cent der Gemeindemilliarde abgeholt. Die Flächenbundesländer Oberösterreich und Steiermark wiederum ließen das Geld für Neubauten liegen.
Ins ungleich kleinere Tirol gingen bisher über 53 Millionen Euro, übertrumpft eben nur von Niederösterreich. „Damit sind rund 500 neue Wohnungen gefördert worden“, erklärte Edgar Gmeiner, Obmann der gemeinnützigen Bauträger Tirols, am Freitag bei einer Pressekonferenz.
Diese Einheiten hätten „zusätzlich zum langjährigen Durchschnitt“ an Neubauten errichtet werden müssen. Aufgrund dieser Förderauflage hätten sich einige „Bundesländer überhaupt schwergetan, diese Wohnbaumilliarde abzurufen.“
Manche hätten es nicht geschafft, eine „Mehrerrichtung“ nachzuweisen, „weil sie vermutlich budgetär etwas schwächer auf der Brust waren“, so Egger, der in der Tiroler Wohnbauförderung – ebenfalls im Vergleich zu anderen Bundesländern – einen stabilen Rahmen für die Bautätigkeit der gemeinnützigen Wohnbauträger sieht.
Gegen den Trend
2025 wurden in Tirol 1.170 Einheiten gebaut, bilanziert Egger: „Damit liegen wir über dem langjährigen Schnitt und wesentlich besser als die gemeinnützige Branche im Großteil Österreichs, die im Durchschnitt um rund ein Drittel eingebrochen ist“ – vor allem der Osten sei stark betroffen.
Die Wohnbaumilliarde scheint also über das Land betrachtet ihre erhoffte Wirkung verfehlt zu haben. Österreichweit eingebrochen ist im Vorjahr zudem nicht nur die Bautätigkeit im gemeinnützigen, sondern auch am frei finanzierten Sektor. Insgesamt sind im Vorjahr weniger als 30.000 Wohneinheiten errichtet worden – ein neuer Tiefpunkt.
Mit Blick auf 2026 kann man laut Egger für Österreich „mit Sicherheit sagen, dass der Mietmarkt weiter unter Druck bleiben wird.“ Das hänge laut einer Studie eben damit zusammen, „dass aktuell wenig neuer Wohnraum auf den Markt kommt und insbesondere der Eigentumssektor stark eingebrochen ist.“
Und diejenigen, die sich die angebotenen Eigentumswohnungen nicht leisten können, müssten sich nun „anderweitig umschauen“ – also nach Mietwohnungen.
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