Wölfe: So viele Rudel bräuchte es laut Bericht für Erhalt der Art

Seit 2022 wurden 58 Abschüsse genehmigt. Laut Tierschützern wären aber für günstigen Erhaltungszustand der Population deutlich mehr Rudel erforderlich.
Ein Wolf liegt mit einem Welpen im Gras vor einem grünen Hintergrund.

Zusammenfassung

  • 14 Natur- und Tierschutzorganisationen fordern eine faktenbasierte Wolfsdebatte und weisen auf den ungünstigen Erhaltungszustand des Wolfs in Österreich hin.
  • Die Wolfspopulation umfasst nur acht Rudel ohne stabilen Wachstumstrend, dennoch wurden seit 2022 insgesamt 58 Abschüsse genehmigt.
  • Wissenschaftliche Gutachten und NGOs betonen, dass Abschüsse keine nachhaltige Lösung sind und stattdessen größere Populationen sowie effektiver Herdenschutz notwendig wären.

Der Wolf befindet sich in Österreich "derzeit nicht in einem günstigen Erhaltungszustand": Das haben am Mittwoch 14 österreichische Natur- und Tierschutzorganisationen in einem offenen Brief an politische Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie an Medien betont.

Gleichzeitig forderten sie "eine sachliche, wissenschaftsbasierte Debatte". Der Umgang mit diesen Tieren müsse sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und europarechtlichen Vorgaben orientieren.

Den NGOs zufolge wird die heimische Wolfspopulation laut einem aktuellen FFH Artikel-17-Bericht (2019–2024; Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien FFH, Anm.) mit U1+ ("ungünstig-unzureichend") bewertet.

8 Rudel, 58 Abschüsse

Sie umfasst demnach lediglich acht Rudel und zeigt keinen stabilen Wachstumstrend. Dennoch seien seit 2022 insgesamt 58 Abschüsse behördlich genehmigt worden, kritisierten die Tierschützer.

Demgegenüber betonte Michaela Lehner, Leiterin der Stabstelle Recht von Tierschutz Austria: "Das Gutachten von Schumacher et al. (2026) bestätigt, dass Abschüsse von Wölfen nur unter strengen Voraussetzungen zulässig sind. Solange der günstige Erhaltungszustand nicht erreicht ist, verbietet das europäische Recht jede Form der Tötung."

Demnach wären für einen günstigen Erhaltungszustand in Österreich deutlich größere Populationen erforderlich: 

  • rund 100 Rudel im Alpenraum.
  • 16 zusätzliche Rudel im Wald- und Mühlviertel.

Zudem müsse der Erhaltungszustand zwingend auf lokaler, nationaler und biogeografischer Ebene bewertet werden und durch ein FFH-konformes Monitoring abgesichert sein.

"Man lässt die Bauern im Regen stehen"

Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal kritisierte die politische Praxis: "Mit dem Vorgaukeln, man würde das Problem mit Abschuss lösen, lässt man die Bauern und Bäuerinnen im Regen stehen. Für ein konfliktarmes Zusammenleben braucht es Rudelbildung, bei gleichzeitigem hochwertigen Herdenschutz." Wissenschaftliche Erkenntnisse würden "klar" zeigen: Abschüsse seien kein geeignetes Mittel zur nachhaltigen Reduktion von Nutztierrissen, die Zerstörung stabiler Rudel könne Konflikte sogar verstärken.

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