Chronik | Österreich
24.06.2018

Wo die Ernte Wandel erlebt

Die Erderwärmung verändert Österreichs Gärten und Äcker - zum Teil radikal.

Oliven

Einen Olivenhain haben Franz Günther und Sabine Haider vor zwei Jahren in Mörbisch im Burgenland gepflanzt. Bisher sind sie mit der Entwicklung recht zufrieden. Dass das überhaupt möglich war, ist aus ihrer Sicht auch der Klimaerwärmung zuzuschreiben. „Die hat das Projekt zumindest begünstigt, wenn nicht gar erst ermöglicht“, ist Sabine Haider überzeugt. Seitdem gedeihen die 59 Bäume mit drei Olivensorten gut. Haider rechnet damit, dass es schon bald viel mehr Olivenbäume in der Region geben könnte.

Wein

„Wir experimentieren bereits längere Zeit mit Reben, die wir von mehrere hundert Jahre alten Stöcken gewinnen. Sie reifen nicht so schnell wie hochgezüchtete moderne Sorten, deren Trauben in den häufig heißen Sommern sehr schnell viel Zucker produzieren“, erklärt Anton Bodenstein, Topwinzer aus Weißenkirchen in der Wachau. Das ist für ihn besonders wichtig, weil die Trauben Zeit brauchen, um die physiologische Reife zu erreichen. Und weil die Wachau für ihre leichten, reschen Weine bekannt ist. Wo Bewässerung nicht möglich ist, sind Grüner Veltliner und Co. dem Verdursten ausgeliefert.

Klimaforscher Josef Eitzinger rechnet damit, dass sich die Wachauer Winzer in absehbarer Zeit auch mit Rotweinsorten, die derzeit noch in Südfrankreich zu Hause sind, auseinander setzen werden. „Das hängt natürlich auch davon ab, wie die Vermarktung in der Region in Zukunft aussehen soll“, meint Eitzinger.

Reis

Sowohl im Burgenland als auch in Niederösterreich gibt es seit wenigen Jahren einen regelmäßigen Reisanbau. Gregor Neumeyer ist der niederösterreichische Pionier, der Reis gemeinsam mit fünf Partnern auf mittlerweile zehn Hektar Fläche anbaut. „Wir machen jedes Jahr Anbauversuche mit ungefähr zehn Sorten, um herauszufinden, welche sich am besten für unseren Standort eignen“, schildert Neumeyer, der sich das Know-how anfangs mühsam zusammensuchen musste, im schauTV-Interview. Ostösterreich bietet aus seiner Sicht ideale Voraussetzungen für den Reis. Das warme Wetter begünstigt hier den Anbau. „Heuer hat der Vegetationszyklus zwei Wochen früher begonnen, das ist besonders günstig“, erklärt Neumeyer.

Soja

Die aus China, Japan und Südostasien stammende Sojabohne erobert in Österreich immer mehr Anteile am Ackerbau. Nach einem wirtschaftsbedingten Einbruch in den 1990er-Jahren sind die Flächen von 15.000 auf inzwischen 67.000 Hektar angewachsen. Die zunehmende Wärme ist aber laut dem Innovationschef von „Donausoja“, Leopold Ritter, ein wichtiger Faktor, der den Anbau begünstigt.

Marille

Aufgrund der anhaltenden Hitzeperiode beginnt die Haupterntezeit für Wachauer Marillenbauern, wie Ilse Brauneis aus Mautern, deutlich früher als üblich. Normalerweise sind die Original Wachauer Marillen erst Mitte Juli vielerorts reif, heuer werden sie bereits ab 3. Juli gepflückt. Diese Entwicklung und das turbulente Vorjahr mit mehreren Frostnächten und Dürrezeiten haben zuletzt gezeigt, dass die Obstbauern vor großen Herausforderungen stehen. „Da es 2017 vier Monate lang keinen Regen gab, waren zahlreiche Marillenbäume nahe beim Eingehen“, erzählt Franz Reisinger, Obmann der 230 Wachauer Marillenbauern. Daher wird die künstliche Bewässerung das bestimmende Zukunftsthema. „Wir müssen uns überlegen, wie wir längere Trockenphasen überstehen“, sagt Reisinger. Auf andere Sorten umzusteigen, die sich besser auf Wetterextreme einstellen, ist wegen der Vermarktung so gut wie ausgeschlossen. „Unsere Klosterneuburger Marille ist eine der traditionellsten, regionstypischen Sorten, die nur bei uns so gut gedeiht und diesen unverwechselbaren Geschmack erreicht“, erklärt Reisinger.