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Interview
11/15/2019

Wirtschaftsstrategie: Digitalisierung auch am Land

Niederösterreich verstärkt in den kommenden Jahren Fokus auf Wissenschaft und Technologie.

von Wolfgang Unterhuber, Johannes Weichhart

Niederösterreich setzt sich im Rahmen seiner am Donnerstag präsentierten Wirtschaftsstrategie 2025 neue Ziele. Leitmotiv: „Unternehmerland Niederösterreich – Qualität mit Zukunft“. Ziele sind die Erhöhung der „Internationalität und Standortattraktivität“, der „Ausbau des hochinnovativen Wirtschaftsstandortes“ und ein „nachhaltiges Unternehmenswachstum“, betonen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Wirtschaftslandesrätin Bohuslav. Der KURIER hat dazu mit Petra Bohuslav gesprochen.

KURIER: Was wollen Sie mit der Wirtschaftsstrategie bezwecken?

Petra Bohuslav: Wir legen jetzt den Leitfaden für die nächsten Jahre fest. Bruttoregionalprodukt und Exportmarkt haben sich in jüngster Vergangenheit gut entwickelt. Neben Agrarwirtschaft und Industrie ist Niederösterreich auch ein Standort für Technologie und Wissenschaft geworden. Das wollen wir jetzt verstärken und die einzelnen Sektoren noch stärker vernetzen.

Im Vorjahr sind die Exporte um 6,1 Prozent auf ein Volumen von 23,1 Milliarden gestiegen. Und heuer?

Wir sind zuversichtlich, das Niveau halten zu können und wollen mittelfristig 24 Milliarden erreichen.

Was haben die Niederösterreicher davon?

Eine Milliarde Euro im Export bedeuten 11.000 Arbeitsplätze im Land.

Wo sind die Hauptexportmärkte?

Deutschland ist nach wie vor Nummer eins. Dann natürlich Osteuropa. Zusätzlich versuchen wir, neue Märkte zu erschließen. Sei es Westeuropa wie Frankreich oder Fern-Märkte wie China. Kommen wir zum Technologie-Sektor. Wie weit ist Niederösterreich mit Breitband und 5G?

Das eine hängt ja mit dem anderen zusammen. 5G geht ohne Breitbandausbau ja nicht. Wir haben da folgende Strategie: Wir wollen dort ausbauen, wo es der private Markt nicht tut, weil es sich für ihn nicht rechnet. Wir wollen aber auch ländliche Regionen, also Gemeinden unter 5.000 Einwohnern, in das Zeitalter der Digitalisierung mitnehmen.

Nicht nur das Industrieviertel, sondern auch das nördliche Waldviertel ist schon gut erschlossen. Wie das? Wir haben im nördlichen Waldviertel für den Breitband-Ausbau zwei Pilotprojekte durchgeführt, um gerade für so eine ländliche Region ein Kosten-Nutzen-Modell erstellen zu können, welches jetzt in unsere Strategie einfließt.

Ihr Ziel?

Wir wollen als Land in den kommenden drei Jahren zusätzlich 100.000 Haushalte mit Breitband versorgen.

Und wie viel investiert die Privatwirtschaft in den Breitbandausbau?

Über 300 Millionen Euro in den kommenden Jahren.

Die F&E-Quote liegt noch immer unter zwei Prozent. Wie will man die Forschung und Entwicklung verstärken?

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir da vor nicht allzu langer Zeit noch bei unter ein Prozent F&E-Quote lagen. Wir haben seither Impulse gesetzt. Etwa mit der sogenannten Wissenschaftsachse quer durch unser Land mit Projekten wie der Donau-Universität oder dem MedAustron-Zentrum. Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wird verstärkt? Ja. Unsere Technopol-Standorte in Wieselburg, Krems, Tulln und Wiener Neustadt, wo Wirtschaft, Ausbildung, Forschung und Wissenschaft kooperieren, sind da sicher ein Maßstab.

Die Zahl der Unternehmensneugründungen ist im Vorjahr von rund 8.400 auf rund 7.900 gesunken. Kein gutes Zeichen oder?

Wir hatten vorher zahlreiche Rekordjahre. Aber einzelne Statistiken sind mir nicht so wichtig. Wichtiger ist die Lebensdauer der Unternehmen. Mit unseren Förderungen können wir in den ersten Jahren unterstützend wirken. Aber dann ist es natürlich notwendig, dass sich die Jungunternehmer selbstständig am Markt etablieren. Niederösterreich hat aber keine Start-up-Szene?

Wir können und wollen mit Wien und seiner Szene nicht konkurrieren. Wir haben eine Spin-off-Strategie entwickelt. Mit unserer Gründeragentur Accent gehen wir an die Universitäten und Fachhochschulen, wo wir die Studentinnen und Studenten motivieren wollen, aus ihrer Idee ein Projekt zu machen.

Ist die niederösterreichische Wirtschaftsstrategie mit Wien akkordiert? Niederösterreich und Wien werden im Ausland als einheitlicher Wirtschaftsraum gesehen. Das ergibt punktuelle Kooperationen.