Trendwende bleibt aus: Wirtschaft in NÖ weiter unter Druck
Der Ausblick der Unternehmen ist düster.
Das Bild des zarten Pflänzchens, das auf einem dürren Boden wächst und dringend Wasser braucht, verwenden Wirtschaftsexperten bereits seit einigen Monaten, um die aktuelle Lage zu beschreiben. Geändert hat sich daran – leider – wenig, wie die aktuellen Zahlen zeigen, die die Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) und die Industriellenvereinigung (IV) am Dienstag präsentierten.
„Es gibt keine echte Trendwende, aber zumindest Zeichen für eine Stabilisierung“, sagt WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker.
Mehr als 800 niederösterreichische Unternehmen mit über 9.500 Beschäftigten nahmen im Mai und Juni an der Umfrage der Wirtschaftskammer teil. Das Wirtschaftsbarometer zeichnet dabei ein ernüchterndes Bild: viel Schatten und wenig Licht.
Auftragslage ist nicht rosig
Bei den Erwartungen zur Auftragslage liegt Niederösterreich beispielsweise unter dem Bundesschnitt. 59 Prozent der Betriebe rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung, 13 Prozent mit einem Rückgang. Die übrigen erwarten steigende Aufträge.
Etwas robuster zeigt sich die Beschäftigung: 72 Prozent der Betriebe wollen ihren Personalstand zumindest halten, ein Fünftel rechnet allerdings mit einem Stellenabbau. Der Grund: Viele Unternehmen befürchten eine weitere Abkühlung der Konjunktur und leiden unter den hohen Arbeitskosten.
Lichtblicke erkennt WKNÖ-Expertin Claudia Huber bei den Investitionen. Sechs von zehn Unternehmen planen ein stabiles Investitionsvolumen. Investiert wird vor allem in Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
Ruf nach weniger Bürokratie
Ein klares Bild ergibt sich auch bei den Forderungen an die Politik. An erster Stelle steht die Senkung der Lohnnebenkosten, die 80 Prozent der Unternehmen verlangen, gefolgt vom Bürokratieabbau.
WKNÖ-Chef Ecker fordert einen Bürokratieabbau
„Die geplante Senkung der Lohnnebenkosten im Jahr 2028 kann nur der erste Schritt sein“, betont Ecker. Die vorgesehene Entlastung von 1,5 Milliarden Euro sei wichtig, reiche aber nicht aus.
Angespannte Lage
Noch pessimistischer fällt die Analyse der Industriellenvereinigung Niederösterreich aus. Ihr Konjunkturbarometer sank im zweiten Quartal 2026 von minus 19,8 auf minus 28,8 Punkte. Vor allem der Ausblick der Unternehmen auf die kommenden Monate hat sich deutlich verschlechtert.
Während sich die Chemie-, Holz- sowie Elektro- und Elektronikindustrie vergleichsweise stabil zeigen, bleibt die Lage in der Metallbranche laut IV-NÖ „äußerst angespannt“.
Die schwierige Wirtschaftslage schlägt sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt nieder: 42 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem Personalabbau, lediglich acht Prozent wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen.
„Niemand plant leichtfertig, gut ausgebildete Fachkräfte abzubauen. Wenn Betriebe dennoch mit weniger Personal rechnen, zeigt das, wie ernst die wirtschaftliche Lage ist“, sagt IV-NÖ-Geschäftsführerin Michaela Roither.
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