Autozulieferer in NÖ: Studie zeigt alarmierende Entwicklung

Fabrikarbeiter begutachtet ein Bauteil für den Porsche Cayenne Elektrik in der VW-Fabrik bei Bratislava.
163 Unternehmen in NÖ erwirtschaften einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro. Doch die Branche gerät immer stärker unter Druck.

Ob Porsche oder Peugeot, Audi oder Tesla: In vielen Autos, die täglich weltweit über die Straßen rollen, stecken Bauteile aus Niederösterreich. 

Eine neue Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) zeigt nun, wie groß die wirtschaftliche Bedeutung der heimischen Automotive-Zulieferindustrie tatsächlich ist – und wie sehr sie unter Druck steht.

Laut einer Analyse des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) erwirtschaften 163 niederösterreichische Unternehmen im Automotive-Zulieferbereich österreichweit Umsätze von mehr als sechs Milliarden Euro. Rechnet man indirekte Effekte mit, hängen rund 24.400 Arbeitsplätze im ganzen Land an dieser Branche. Die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung beträgt knapp zwei Milliarden Euro.

Damit ist die Branche ein Schwergewicht – nicht nur für Niederösterreich, sondern für den gesamten Industriestandort Österreich.

Mehr als nur Autoteile

Die Produktpalette der Betriebe ist breit: Sie reicht von Filtern, Abgasrohren und Bremssystemen über Lichttechnik und Gummielemente bis hin zu Autoteppichen und Prüfständen. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen liefern vor allem für die Premiumklasse bei Pkw, viele sind auch im Bereich Elektromobilität aktiv.

Direkt erwirtschaftet die niederösterreichische Automotive-Zulieferindustrie laut Studie Umsätze von 3,4 Milliarden Euro. In Niederösterreich selbst sichert sie – inklusive indirekter Effekte – mehr als 15.500 Beschäftigungsverhältnisse.

Massiver Jobabbau

Doch die Zahlen haben auch eine Kehrseite. Der massive Umbruch in der Mobilitätsbranche, steigender internationaler Wettbewerb und hohe Kosten haben Spuren hinterlassen. Zwischen 2023 und 2024 brach der Umsatz der Branche in Niederösterreich um rund zehn Prozent ein, 2025 stagnierte er auf diesem niedrigeren Niveau. Gleichzeitig gingen in den vergangenen zwei Jahren etwa 900 Arbeitsplätze verloren.

Hohe Kosten

Studienautor Herwig Schneider sieht einen Bruch mit früheren Krisen: „Unternehmen können Beschäftigung nicht mehr wie früher halten. Die dauerhaft hohen Kosten – vor allem für Energie und Arbeit – zwingen viele Betriebe zu Gegenmaßnahmen.“

63 Prozent der befragten Unternehmen empfinden den internationalen Konkurrenzdruck als „sehr groß“, der Rest zumindest als „eher groß“.

46-222303184

Spartenobmann Helmut Schwarzl

Für Helmut Schwarzl, Obmann der Industriesparte der Wirtschaftskammer Niederösterreich, ist die Lage klar: „Niederösterreichs Automotive-Zulieferindustrie ist nicht nur ein wesentlicher Faktor für den Wirtschafts- und Industriestandort Niederösterreich, sondern wirkt sich auf die gesamte österreichische Volkswirtschaft positiv aus.“ Ohne wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen drohe jedoch ein schleichender Verlust an Industrie.

Fachkräftemangel

Als größte Baustellen nennen die Betriebe Lohnnebenkosten, Energiekosten und den Mangel an qualifizierten Fachkräften. Gerade bei Strompreisen und Abgaben sei Österreich im internationalen Vergleich im Nachteil. Schwarzl fordert daher rasche Entlastungen – sowohl bei Energie als auch bei Lohnnebenkosten.

Zudem spricht er sich für stärkere Anreize für Vollzeitarbeit sowie bessere Grundkompetenzen in Schulen aus, etwa in Deutsch und Mathematik. Die von der Bundesregierung präsentierte „Industriestrategie 2035“ gehe zwar in die richtige Richtung, entscheidend sei nun aber die Umsetzung.

„Unser Wirtschaftsstandort muss auch ein starker und zukunftskräftiger Industriestandort sein“, fordert Schwarzl. Die Experten sind sich sicher: Die Zeit drängt.

Kommentare