Wiener Rekrut gestorben: Ministerium will neues Gutachten

Wiener Rekrut gestorben: Ministerium will neues Gutachten
Justizministerium prüfte Vorhabensbericht. Staatsanwaltschaft muss Ermittlungen wieder aufnehmen.

Was führte zum Tod von Rekrut Toni P.? Diese Frage bleibt nach 17 Monaten weiter unbeantwortet. Der 19-jährige Wiener war im August 2017 nach einem Marsch in Horn, NÖ, zusammengebrochen und gestorben.

Die zuständige Staatsanwaltschaft in Krems schloss die Ermittlungen bereits vor Monaten ab und schickte einen sogenannten Vorhabensbericht an das Justizministerium (ein solcher muss bei großer Relevanz an das Ministerium geschickt werden, Anm.). Doch dort ist man nicht zufrieden und fordert von der Staatsanwalt, die Ermittlungen erneut aufzunehmen. Der Weisungsrat des Justizministeriums, der mit dieser Entscheidung betraut ist, will eine genauere Expertise. Laut KURIER-Informationen muss der Sachverständige, der das medizinische Gutachten erstellte, ein Ergänzungsgutachten einholen. Konkret geht es um die entscheidende Frage, woran Toni P. tatsächlich gestorben ist.

Wenn die neuen Ermittlungen abgeschlossen sind, muss die Staatsanwaltschaft erneut einen Bericht an das Ministerium schicken. Heißt: Mit einem endgültigem Ergebnis ist wahrscheinlich erst in ein paar Monaten zu rechnen. Im Herbst 2017 war man von einem Ergebnis Anfang des vergangenen Jahres ausgegangen.

Der Vorhabensbericht erging im September an das Justizministerium. Wie die Leitende Staatsanwältin, Susanne Waidecker, auf KURIER-Anfrage bestätigt, sei der Bericht zu Silvester retour angekommen. Wie die Staatsanwaltschaft entschied, wird nicht kommentiert.

Wiener Rekrut gestorben: Ministerium will neues Gutachten

Marsch abgebrochen

Die Familie von Toni P. lebt seit 518 Tagen in Ungewissheit, ob der Tod des jungen Mannes verhindert hätte werden können. Die heeresinterne Untersuchungskommission war zu der Erkenntnis gelangt, dass die Schuld nicht bei den Ausbildnern liege (siehe unten). Die Staatsanwaltschaft Krems begann wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Umständen zu ermitteln. Der 19-Jährige starb nach dem Kollaps am 3. August im Landesklinikum.

Der Marsch war nach rund acht Kilometern abgebrochen worden. Weil man anfangs eine bakterielle Infektion vermutete, wurden die anderen Soldaten der Kaserne mit Antibiotika behandelt. Bei einer Untersuchung waren bei dem Wiener damals im Blut zwei Keime gefunden worden.

Ungereimtheiten

Bereits bei der Musterung sollen beim jungen Mann Ungereimtheiten aufgefallen sein. Damals hatte man bei einem EKG Abnormitäten gemessen. Der damals 17-Jährige hatte die Wertungsziffer fünf – von neun möglichen – erhalten. Bei einer zweiten Untersuchung erhielt P. die Wertungsziffer acht. Auch erhöhte Blutdruckwerte und einen hohen Ruhepuls soll der Jugendliche gehabt haben. Der Mediziner habe außerdem bei dem damals 17-Jährigen „adipös“ (übergewichtig, Anm.) notiert.

Eingerückt war der 1,92 Meter große Wiener 15 Kilogramm leichter als bei der Musterung. Statt 115 soll Toni P. 100 Kilogramm gewogen haben. Dass der junge Mann innerhalb der zweieinhalb Jahren abnahm, könnte auf eine angestrebte Karriere beim Bundesheer hinweisen. Denn wie einige Kameraden aussagten, wollte Toni P. Berufssoldat werden.

Kommentare