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Chronik Österreich
01/06/2019

Wien und Graz für Drogencheck von Abwasser

Analysen zeigen die konsumierten Mengen. Vor allem Kokain ist auf dem Vormarsch.

von Christian Willim

Kurz vor Weihnachten konnte die Tiroler Polizei einen schönen Erfolg vermelden. Die Ermittler deckten die Drogengeschäfte eines Wirts auf. Gemeinsam mit seiner aus Kolumbien stammenden Ehefrau soll der Mann seit 2015 rund 15 Kilo Kokain im Straßenverkaufswert von 1,5 Millionen Euro in Umlauf gebracht haben.

Es sind gelöste Fälle wie dieser, die Aufschluss darüber geben, welche Drogen gerade besonders stark nachgefragt und im Umlauf sind. Und das ist zur Zeit Kokain. Doch der tatsächliche Konsum illegaler Substanzen kann bestenfalls geschätzt werden.

Umso beeindruckender sind die Zahlen, die Ende vergangenen Jahres im Vorarlberger Suchtbericht vorgestellt wurden. Demnach werden in der Region Hofsteig jährlich 436 Kilogramm Cannabis, mehr als 26 Kilogramm Kokain und 1,8 Kilogramm Amphetamin konsumiert.

Vorarlberg hat sich im Zuge einer Pilotstudie im Frühjahr 2018 erstmals an einem Drogenmonitoring-Projekt der Gerichtsmedizin (GMI) an der Med-Uni Innsbruck beteiligt. Über drei Wochen hinweg wurden dafür Abwasserproben in der Kläranlage Hofsteig gezogen, die ein Einzugsgebiet mit rund 70.000 Einwohnern in acht Vorarlberger Gemeinden abdeckt.

„Wir analysieren Stoffwechselprodukte im Abwasser auf Drogenkonsum-Marker“, sagt Herbert Oberacher von der GMI. Für jeden einzelnen Tag kann der Forscher ermitteln, welche Mengen an Drogen pro tausend Einwohner konsumiert wurden. Mit Hochrechnungen können Jahreszahlen berechnet werden.

Die GMI ist Teil des europaweiten Netzwerks SCORE. Dabei werden inzwischen die Abwässer von 56 europäischen Städten einem Drogenmonitoring unterzogen. In Österreich startete das Projekt 2016 in Innsbruck – bisher die einzige teilnehmende Stadt im Bundesgebiet.

Image-Sorgen

„Wir würden uns natürlich wünschen, dass wir auch Proben von größeren Städten bekommen. Aber das war bis jetzt schwierig, weil es vermutlich Sorgen gibt, dass das Image leiden könnte“, sagt Oberacher. Die ermittelten Konsummengen geben im Vergleich natürlich Auskunft darüber, in welchen Städten besonders viele Drogen genommen werden. In erster Linie geht es jedoch darum, Fakten für die Präventionsarbeit zu erhalten.

Und da wäre das Suchtverhalten in Großstädten besonders interessant für die Forscher. Auf KURIER-Anfrage gibt es in Wien und Graz durchaus Kooperationsbereitschaft. „Wenn es europaweite Standards gibt und sichergestellt ist, dass die Ergebnisse zwischen Großstädten vergleichbar und reproduzierbar sind, kann ich mir eine derartige Analyse auch für Wien vorstellen“, sagt Ewald Lochner, Drogenkoordinator der Bundeshauptstadt.

Der Grazer Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) spricht von „einem spannenden Projekt, das spannende Ergebnisse liefern kann“. Ein Einsteigen der Stadt Graz müsse aber erst geprüft werden. Problem: Die Wasserwirtschaft von Graz ist ausgegliedert. Zudem bräuchte es die Zustimmung der schwarz-blauen Koalition im Rathaus. Die Frage der Finanzierung müsste in Graz wie auch in Wien ebenfalls erst geklärt werden, bevor man teilnimmt.

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