Wie sich Salzburg und Hallstatt gegen Touristenbusse wehren

Die Salzburger Getreidegasse an einem geschäftigen Tag.
Salzburg und Hallstatt verfolgen gegen den Ansturm der Reisebusse ähnliche Rezepte

Welche Gäste wollen wir? Diese Frage steht aktuell bei den 16. Salzburger Verkehrstagen im Raum, die sich heuer mit nachhaltigen Lösungen für den touristischen Verkehr beschäftigen. „Wir dürfen bei der Diskussion die Rolle des Gastgebers nicht verlieren“, sagte Andreas Gfrerer, Obmann des Salzburger Altstadtverbandes, bei einer Podiumsdiskussion. Doch angesichts wachsender Einwohnerzahlen und noch stärker wachsender Besucherzahlen sind Konflikte unvermeidbar. „Bis jeder Chinese ein Mal in Salzburg war, wird es noch ein bisschen dauern. Es ist eine Herausforderung, die Gegenwart zu meistern, wir müssen uns aber auch für die Zukunft wappnen“, sagt Vizebürgermeister Bernhard Auinger.

Salzburg hat vor dem Sommer ein neues Leitsystem für Reisebusse eingeführt. Seither müssen die Busse für die An- und Abreise eine Gebühr bezahlen und bekommen dafür fixe An- und Abfahrtszeiten. Gerade die Tagestouristen, die mit Bussen an- und abreisen, stehen aufgrund stark zunehmender Zahlen in der Kritik. „Wir haben beim Bustourismus ein dynamisches Wachstum von rund 30 Prozent. Da hat sich ein Trampelpfad entwickelt, der von den sozialen Medien noch befördert wird“, meinte Gfrerer.

Laut ORF ist das neue System gut angelaufen, in den ersten vier Monaten gab es 500.000 Euro an Einnahmen und 40 Prozent weniger Reisebusse am zentralen Terminal in der Paris-Lodron-Straße. Selbst Busunternehmer Ludwig Richard urteilte: „Die Regelung in Salzburg ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.“

Hallstatt ist Opfer des eigenen Erfolgs

Hallstatt, wie Salzburg Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, setzt auf ähnliche Maßnahmen. Derzeit tüfteln Arbeitsgruppen die konkreten Vorhaben aus. Das Ziel ist klar: „Wir müssen eine Reduktion der Tagesgäste erreichen“, sagt Bürgermeister Alexander Scheutz. Geplant ist ebenfalls ein Anmeldesystem, bei dem Busse nur mehr nach Hallstatt kommen können, wenn noch Kapazitäten frei sind.

Im vergangenen Jahr kamen 16.500 Reisebusse in die Gemeinde, für dieses Jahr werden bereits 19.000 Busse erwartet. Dabei ist die oberösterreichische Gemeinde ein Opfer des eigenen Erfolgs. Bis in die 1970er-Jahre ging der Tourismus zurück, Hallstatt galt als sterbendes Dorf. Daraufhin wurde der Tourismus revitalisiert, die Verleihung des Weltkulturerbestatus brachte einen zusätzlichen Schub.

Salzburg ist auf der Suche nach dem perfekten Gast schon weiter. „Es soll darum gehen, jene zu bevorzugen, die ein Interesse an der Stadt haben und länger bei uns bleiben“, sagte Gfrerer. Vizebürgermeister Auinger sieht das ganz ähnlich. Tagestouristen sind eher nicht darunter.

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