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Chronik Österreich
12/10/2019

Wie drei Ordensschwestern, der Bundespräsident und Schüler eine Abschiebung verhinderten

Die Abschiebung des 22-jährigen Afghanen "Zia" wurde in letzter Minute gestoppt. So dürfte es dazu gekommen sein.

von Christoph Schattleitner

"Es ist ein gutes Gefühl, dass man dem österreichischen Staat wieder vertrauen kann", sagt Gabrielle Erd von der Flüchtlingshilfe Langenlois. Auf deren Facebook-Seite wurde Minuten davor verkündet, dass der 22-jährige Afghane "Zia" nun doch nicht abgeschoben wird - vorerst.  

Es geht um Ziaulrahman Z., der  vor vier Jahren nach Langenlois gekommen sei, erzählt Erd, die "Zia" seit dem ersten Tag in Österreich kennt. Er sei außergewöhnlich motiviert im Deutschkurs gewesen, der Ort habe ihn "sehr schnell ins Herz geschlossen." 

Schon bald kam der junge Muslim in einem katholischen Kloster unter, wo sich drei Ordensschwestern um ihn kümmerten. Solange, bis ihn vergangene Samstagnacht sieben Polizisten suchten, um ihn ins Anhaltezentrum Roßauer Lände in Wien zu bringen - aufgrund seines negativen Asylbescheids. 

 

Die Abführung beschreibt Erd als dramatisch. "Zia" habe gefordert, sofort erschossen zu werden, weil er nicht daran glaube, auch nur einen Tag in Afghanistan zu überleben. 

Langenloiser Krisensitzung

Einen Tag darauf, am Sonntag, veranstaltete die Flüchtlingshilfe eine Krisensitzung - gemeinsam mit den zuständigen Lokalpolitikern und den drei Ordensschwestern.

Auf offiziellem Papier der Stadt Langenlois schrieben sie einen Brief, den sie Sonntagnachmittag per Mail unter anderem an den Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen, an den Innenminister Wolfgang Peschhorn und an die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sendeten (siehe Foto). Die Präsidentschaftskanzlei habe innerhalb von wenigen Stunden geantwortet, erzählt Wolfgang Almstädter, der zweite Sprecher der Flüchtlingshilfe Langenlois.

Alexander Van der Bellen befürworte die lokale Initiative, so die Antwort. Er wolle sich gemeinsam mit dem Innenminister für die Sache einsetzen. Dann hörte die Flüchtlingshilfe lange nichts. 

Als Montag "Zia" nicht in der Schule erschien - er war bereits in Schubhaft -  gingen die Schüler und die Ordensschwestern auf die Straße (der KURIER berichtete). 

Nach langem Warten und Zittern, erzählt Almstädter dem KURIER, habe ihn gegen 21 Uhr endlich ein Anruf erreicht. Und zwar direkt aus der Präsidentschaftskanzlei. Die Abschiebung wurde vorerst aufgehoben. Unklar ist allerdings, ob diese Entscheidung dauerhaft oder nur vorübergehend ist. 

Involvierung des Bundespräsidenten

Reinhard Pickl-Herk, Pressesprecher des Bundespräsidenten, bestätigte Montagabend auf KURIER-Anfrage eine Involvierung des Bundespräsidenten in der Causa. Es habe "Gespräche im Hintergrund" mit dem Innenminister gegeben. Das sei ein gewöhnlicher Vorgang, man habe geschaut, welche Möglichkeiten es gebe.

Den Mailverkehr mit der Langenloiser Initiative konnte Pickl-Herk weder bestätigen noch dementieren. 

Zum geplanten Zeitpunkt der Abschiebung von Wien nach Kabul, gegen Mitternacht, erhielt der KURIER noch einen Anruf von Wolfgang Almstädter: "Zia" sei soeben aus dem Anhaltezentrum entlassen worden. Eine Langenloiser Delegation hole ihn vor der Roßauer Lände ab.