Chronik | Österreich
03.08.2018

Widerstand gegen die geplante neue Westausfahrt

Hietzings Bezirkschefin fürchtet Doppelbelastung für Anrainer. Die Stadt prüft indes die Umweltverträglichkeit des Projekts.

Die Westausfahrt ist baufällig. Dass die in den 1960ern auf Brückentragwerken aus Stahlbeton errichtete Fahrbahn saniert werden muss, steht also außer Zweifel. Der Plan, wie sie künftig aussehen soll, sorgt allerdings für Kontroversen. Vor allem in Hietzing hält sich die Begeisterung in Grenzen, da die Westausfahrt künftig zur Gänze auf Seite des 13. Bezirks verlaufen soll. Diese Variante hat sich nach zweijähriger Prüfphase aus sieben möglichen herauskristallisiert.

Auf Höhe der Hütteldorfer Brücke sollen die beiden stadtauswärts führenden Fahrstreifen ab 2022 über den Wienfluss geführt werden. Mit der zweispurigen Westeinfahrt und einer Abbiegespur stadteinwärts nach Penzing verlaufen in Zukunft also insgesamt fünf Spuren auf Hietzinger Seite.

Luftschadstoffe und Lärm

Dadurch würden die Anrainer punkto Schadstoffemissionen sowie Lärm doppelt belastet, meinen Bezirksvorsteherin Silke Kobald und deren Stellvertreter Christian Gerzabek (ÖVP). Zudem gehe Grünraum verloren.

Auf Penzinger Seite gebe es dagegen keine Anrainer entlang der Straße, sondern lediglich Bahngleise, plädieren die beiden Bezirkspolitiker für eine alternative Trassenführung. Und wenn sämtliche Richtungsfahrbahnen schon auf Hietzinger Seite verlaufen müssen, könne man auch erst bei Auhof – also im unbesiedelten Gebiet – einschwenken, sagen Kobald und Gerzabek.

Das wäre aber weit teurer als die nun in Planung gehende Variante, erklärt Hermann Papouschek, Leiter der MA29 (Brückenbau und Grundbau). Dafür müsse nämlich erst um teures Geld eine Brücke gebaut werden.

86.000 Fahrzeuge

Und auch in der aktuellen Lage sei die Erneuerung bei gleichzeitiger Weiternutzung des Westausfahrt keine Option. „Weil man nicht gleichzeitig bauen und fahren kann.“ Um die 86.000 Fahrzeuge, die Wien hier täglich verlassen, bestmöglich umzuleiten, sei die Querung des Wienflusses bei der Hütteldorfer Brücke (die verbreitert wird) „die wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung“, sagt Papouschek. Für ihn geht es bei der Entscheidung „nicht um Hietzing oder Penzing, sondern um Wien“.

Die aktuelle Westausfahrt wird komplett abgetragen und macht Platz für eine Gestaltung des Uferraums am Wienfluss. Statt auf die A1 führt die Straße in Zukunft nur noch direkt nach Penzing. „Bei der Brauhausbrücke kann man dann in den 14. Bezirk abbiegen, anstatt wie bisher über den 13. Bezirk ausschwenken zu müssen“, erläutert Papouschek.

Für die Hietzinger Bevölkerung habe das Projekt keinen Nachteil, meint er. Zumal die Lärmschutzwände entlang der Westeinfahrt von 2,5 Meter auf vier Meter erhöht würden. Für die neue Westausfahrt werde man freiwillig eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchführen. Die Baukosten dürften um die 30 Millionen Euro kosten. Da allein die Planungsphase zwei Jahre in Anspruch nehme, sei mit dem Baubeginn nicht vor 2022 zu rechnen.