Der Pegel der Salzach in Mittersill lag am Donnerstag mit 5,60 Meter höher als beim verheerenden Hochwasser 2005.

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Wetterkapriolen

Hochwasser im Westen, Aufräumen im Osten

Der Osten war von heftigen Gewittern betroffen. Hochwasser-Alarm im Salzburger Pinzgau.

07/31/2014, 09:39 PM

Die Prognosen zum Unwetter in Salzburg haben sich nicht erfüllt: Der Regen wurde schlimmer. Die Salzach hat am frühen Donnerstagabend in Mittersill einen absoluten Höchststand erreicht: Der Pegel lag mit 5,60 Meter höher als beim verheerenden Hochwasser 2005. Die Stadtbrücke wurde überspült. Es werde mit aller Kraft versucht, den Ort zu halten, hieß es bei der Wasserrettung. Das Bundesheer hat 45 Soldaten zur Unterstützung der örtlichen Feuerwehrkräfte geschickt.

Der Oberpinzgau war im Ausnahmezustand, seit die Salzach über die Ufer getreten ist. Straßen, Häuser und Wiesen wurden überschwemmt, der Bahnverkehr im Salzachtal war aus Sicherheitsgründen vorübergehend gesperrt. In Salzburg-Stadt musste bei einem Wasserhöchststand von 7,36 Metern der mobilen Hochwasserschutz aufgebaut werden.

Im Bezirk Deutschlandsberg in der Weststeiermark gab es Donnerstagnachmittag in mehreren Gemeinden Überschwemmungen. So wurde in Preding der Keller eines Pensionstenwohnheimes geflutet, in Frauenthal jener der Porzellanfabrik. Mit einem blauen Auge kam das Tiroler Unterland davon, in dem u.a. die Brixentaler Ache über die Ufer zu treten drohte. Riesenglück hatte ein Italiener, der in der Nacht auf Donnerstag mit seinem Auto in die Fluten des Loferbachs stürzte, sich aber selbst retten konnte.

Ein Meter unter Wasser

Ortswechsel: „Wenn ich ehrlich sein darf, dann bin ich ziemlich erledigt“, sagt der 32-jährige Feuerwehrmann aus Neusiedl am See, Christian Stramer, am Donnerstag. 18 Stunden – mit einer kurzen Unterbrechung – ist er bereits im Einsatz. Eine Zeit lang wird es noch dauern, „aber am späten Nachmittag werden wir mit den Aufräumarbeiten fertig sein.“ Er hoffe nur, dass es nicht wieder zu Regenfällen kommt, „denn dann stoßen wir an unsere Grenzen“. Nirgends sonst in Österreich hat es am Mittwoch so stark geregnet wie am Neusiedler See im Burgenland.

Laut Landessicherheitszentrale stand "quasi das ganze Burgenland unter Wasser". "Wir mussten das Personal um vier Kollegen aufstocken", teilte ein Sprecher der Landessicherheitszentrale (LSZ) mit. Am stärksten waren zunächst die Bezirke Neusiedl am See - hier besonders die Stadt selbst und die Gemeinde Podersdorf -, Oberwart und Güssing betroffen. Nur der Bezirk Mattersburg blieb verschont.

Unwetter zogen Spur der Verwüstung:

Fast 100 Unwettereinsätze in NÖ

In Niederösterreich hatten die Unwetter vor allem vier Bezirke getroffen: 55 Feuerwehren mit 650 Mann mussten ausrücken, berichtete Alexander Nittner vom Landeskommando in Tulln. Fast 100 Einsätze waren seinen Angaben zufolge zu absolvieren. Heftige Niederschläge waren zunächst über dem Bezirk Neunkirchen, in der Folge über den Bezirken Bruck a.d. Leitha und Gänserndorf und schließlich in den Nachtstunden über dem Bezirk Hollabrunn niedergegangen.

Wegen des Abgangs zweier Muren war die Südbahnstrecke im Abschnitt Gloggnitz - Payerbach-Reichenau vorübergehend gänzlich unpassierbar. Im Bezirk Neunkirchen hatten sich am Mittwoch gegen 16.30 Uhr die Schleusen am Himmel über dem Raum Payerbach - Schlöglmühl geöffnet. Gab es laut Feuerwehr zunächst kleinere Überflutungen, war in der Folge ein Großeinsatz erforderlich. Der Prigglitzbach war aufgrund von Verklausungen über die Ufer getreten und hatte den gesamten Ortskern von Schlöglmühl überschwemmt. Das Wasser stand stellenweise bis zu einem halben Meter hoch, so die Helfer. Um die Überflutungen zu stoppen, wurde der Bach in ein provisorisch angelegtes Bett geleitet. Die Feuerwehr hatte dafür Bagger und anderes schweres Gerät im Einsatz. Auch ein Behelfsdamm wurde errichtet, um das Wasser umzuleiten.

St. Pölten wurde am Donnerstagnachmittag erneut von einem Unwetter mit Starkregen heimgesucht . Elf Feuerwehren mit 130 Mann mussten binnen drei Stunden zu 30 Einsätzen ausrücken. Es gab Überflutungen und Verkehrsbehinderungen. "Markant", so die FF St. Pölten, war sicher die Überflutung des Landhaustunnels (B1a), die eine Sperre zur Folge hatte. Grund war das Versagen der tunneleigenen Pumpenanlage.

Badeverbot in Neuer Donau

Aufgrund der heftigen Gewitter und Regenfälle der vergangenen Tage gilt ab Freitag ein Badeverbot auf der Wiener Neuen Donau. Hochwasseralarm für die Donau wurde bereits ausgegeben. Derzeit seien die Pegelstände noch im Steigen begriffen, erst am Wochenenden rechnen die Experten mit einer Entspannung der Situation.

Grund für das Badeverbot ist der Eintritt von Donauwasser in die Neue Donau. Auch die Schwimmstege "Waluliso" und der Copa-Steg werden daher ausgedreht und sind ab Freitag nicht mehr passierbar. Die Hochwasserzentrale und die Wehranlagen an der Neuen Donau werden besetzt - sollte der Pegel weiter steigen, sorgt man hier für ein kontrolliertes Abfließen der Wassermassen. Die Hochwasserzentrale und die Wehranlagen an der Neuen Donau werden besetzt - sollte der Pegel weiter steigen, sorgt man hier für ein kontrolliertes Abfließen der Wassermassen.

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Regen und Gewitter auch am Wochenende

Nach den heftigen Unwettern in der Nacht auf Donnerstag kann keine Entwarnung gegeben werden, denn auch über das Wochenende ist mit lokalen Gewittern und Regenschauern zu rechnen. Ab Dienstag könnte sich die Wetterlage dann beruhigen. Höchstwerte um die 30 Grad Celsius.

Vor allem im niederösterreichischen Bergland sind am Freitag ab den Morgenstunden noch Restschauer zu erwarten, sonst halten sich vor allem inneralpin sowie im Osten und Südosten einige Restwolken und Nebelfelder. Im übrigen Österreichs startet der Tag recht sonnig. Die Sonne bleibt im Tagesverlauf zumindest zeitweise präsent. Mit einsetzender Quellwolkenbildung steigt am Nachmittag im Bergland sowie im äußersten Osten und Südosten dann erneut die Neigung zu Regenschauern und Gewittern. Der Wind weht meist nur schwach. Nach Frühwerten von 14 bis 20 Grad erreichen die Temperaturen 23 bis 28 Grad.

Am Samstag scheint nach der Auflösung nächtlicher Restwolken und Nebelfelder oft die Sonne. Im Tagesverlauf bilden sich aber erneut verbreitet Quellwolken, von Südwesten her steigt die Gewitterneigung am Nachmittag deutlich an. Im Nordosten bleiben Gewitter jedoch selten und isoliert. Der Wind weht schwach bis mäßig, im östlichen Flachland und an der föhnigen Alpennordseite auch lebhaft aus Ost bis Süd. In der Früh liegen die Temperaturen zwischen 13 und 20 Grad und steigen auf 24 bis 31 Grad.

Am Sonntag ist eine Störungszone vor allem in Westösterreich und an der Alpennordseite wetteraktiv. Dabei gehen zwischen Vorarlberg und dem Waldviertel bereits ab den Morgenstunden immer wieder Gewitter und Schauer nieder. Im Osten und Süden scheint die Sonne dagegen zunächst noch etwas öfter, am Nachmittag setzt aber auch hier Gewittertätigkeit ein. Am Alpenostrand bläst teils noch lebhafter Südwind, bei Gewittern sind starke Böen möglich. Nach 14 bis 21 Grad in den Morgenstunden betragen die Höchstwerte von West nach Ost 21 bis 31 Grad.

Sonne und teils dichte Wolken wechseln einander dann am Montag ab. Bereits am Vormittag können sich wieder Regenschauer entwickeln, später sind auch einzelne Gewitter dabei. Der Wind frischt im östlichen Flachland, am Alpenostrand und in Schauernähe mitunter lebhaft aus West bis Nordwest auf. Die Frühtemperaturen liegen zwischen 13 und 21 Grad und steigen im Tagesverlauf auf 22 und 28 Grad.

Ein paar Restwolken und Dunstfelder sind am Dienstag anfangs noch vorhanden, dann scheint aber häufig die Sonne. Ab dem Nachmittag steigt über dem Bergland im Westen die Gewitterneigung etwas an, oft bleibt es aber auch hier weiterhin trocken. Am Alpenostrand weht mäßiger Nordwind, sonst ist es nur schwach windig. Frühtemperaturen zwischen 10 und 19 Grad zeigt das Thermometer während der Morgenstunden. Bis zum Nachmittag steigen die Temperaturen auf 23 bis 29 Grad.

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Juli brachte stellenweise extreme Regenmengen

Der Juli 2014 war relativ warm, aber sehr wechselhaft und brachte stellenweise extreme Regenmengen: In Aspang am Wechsel (NÖ) regnete es mit 306 Millimeter so viel wie noch nie in einem Monat seit Beginn der Messungen dort im Jahr 1948. Bregenz verzeichnete mit 380 Millimeter die zweithöchste Juli-Regenmenge seit Messbeginn im Jahr 1874. Das geht aus der Monatsbilanz der ZAMG hervor.

"Die Temperatur lag knapp über dem vieljährigen Mittel, aber wir hatten immer wieder Wetterlagen mit Regenschauern und Gewittern, und es gab kaum eine Periode mit mehreren einwandfreien Badetagen", erläuterte Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik am Donnerstag in einer Aussendung. Österreichweit gesehen lag die Niederschlagsmenge um 20 Prozent über dem vieljährigen Mittel. Um 25 bis 75 Prozent über dem Mittel lagen die Regionen von der südlichen Steiermark bis zum Weinviertel sowie Vorarlberg und Nordtirol. Im Rheintal gab es ein Plus beim Niederschlag von 100 bis 115 Prozent und im Burgenland, im Wechselgebiet und stellenweise im Industrieviertel regnet es um 75 bis 125 Prozent mehr, vereinzelt sogar um 125 bis 225 Prozent. Weniger Regen als im Mittel gab es in Teilen von Osttirol, in Oberkärnten, im Pongau, im Lungau und in der südwestlichen Obersteiermark (minus 25 bis 59 Prozent).

Die Temperaturen lagen im Bereich des vieljährigen Mittels. Die heißesten Orte des Landes waren Waidhofen an der Ybbs und Wieselburg (beide Niederösterreich) mit 35,7 Grad am 20. Juli. Den tiefsten Wert an einem bewohnten Ort registrierte die ZAMG in Tirol: in Galtür wurden am 1. Juli äußerst erfrischende 0,3 Grad gemessen.

Die Sonne zeigt sich um zehn Prozent kürzer als im vieljährigen Mittel. Die meisten Sonnenstunden wurden in diesem Juli in Andau im Burgenland gemessen: 280 Stunden. Heftige Gewitter brachten am 30. Juli vor allem im Burgenland und in Teilen von Niederösterreich große Regenmengen und ungewöhnlich viele Blitzeinschläge. In Podersdorf zum Beispiel wurde von 30. bis 31. Juli 2014 mit 158 Millimeter ein neuer 24-Stunden-Niederschlagsrekord für das Burgenland erreicht. Der alte Rekord stammt mit 155 Millimeter in Glashütten aus dem Jahr 1982.

Über Österreichs Fläche gemittelt lag die Niederschlagsmenge um 20 Prozent über dem vieljährigen Mittel. Jedoch gab es große regionale Unterschiede. Von der Südsteiermark bis ins Weinviertel sowie punktuell im Mühlviertel fiel flächendeckend um 25 bis 75 Prozent mehr Regen. Im Burgenland, im Wechselgebiet und in Teilen des Industrieviertels summierte sich um 75 bis 125 Prozent, punktuell um 125 bis 225 Prozent mehr Niederschlag. Aber auch in Vorarlberg und in Nordtirol summierte sich um 25 bis 75 Prozent mehr Niederschlag als im Mittel. Im Rheintal gab es mit einem Plus von 100 bis 115 Prozent besonders viel Niederschlag. In Teilen Osttirols, in Oberkärnten, im Pongau, im Lungau und in der südwestlichen Obersteiermark fiel um 25 bis 59 Prozent weniger Regen.

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