Chronik | Österreich
04.07.2018

Was tun, wenn die Wölfe kommen

Die Probleme mit Wildtieren in Städten und Siedlungen sind in vielen Fällen hausgemacht.

Wölfe kommen zurück und näheren sich den Siedlungen. Nicht erst seit bekannt ist, dass ein Wolf im Wienerwald – vor den Toren der Bundeshauptstadt – ein Schaf gerissen hat, wird darüber diskutiert, welche Folgen die Anwesenheit der Tiere hat.

Der Umgang mit dem Thema fordert einen schwierigen Balanceakt zwischen widersprüchlichen Interessen. Der Sicherheit für Mensch und Tier auf der einen Seite und dem Schutz des Wolfes, der immer schon in Europa lebte, auf der anderen. Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.

Werden Wölfe, ähnlich wie Füchse, die Großstadt als Lebensraum erobern?

Wildtiere bevölkern Städte nur, wenn es für sie Futter gibt. Tierbesitzer, die Katzen- und Hundefutter im Freien stehen lassen, verschaffen in Wien hunderten Füchsen ein bequemes Leben. Für Wölfe stellt das keine ausreichende Ressource dar. Sollte es trotzdem einer in der Stadt versuchen, ist für den Wiener Forstdirektor Andreas Januskovecz der Abschuss nötig.

Gibt es Gefahren für Menschen?

Ja, aber gefährliche Situationen sind aus der Erfahrung der Fachleute in den allermeisten Fällen vom Menschen selbst herbeigeführt, betont Wolfsbeauftragter Georg Rauer. Ausgangspunkt sind meist Personen, die Wildtiere bewusst füttern – entweder aus Mitleid, oder um sie besser beobachten und fotografieren zu können. Das trainiert die Wildtiere darauf, die Nähe von Menschen zu suchen und erst daraus entstehen häufig riskante Situationen, erklärt Januskovecz. Das kommt immer wieder bei Wildschweinen in Städten vor. Bettelnde Frischlinge machen Freude, eine ausgewachsene Sau, die randaliert, löst Angst aus.

Ist der Wienerwald ein Lebensraum für Wölfe?

Auch wenn das Gebiet im Kern fast unbesiedelt ist, lässt es sich nicht mit Gebieten wie dem Truppenübungsplatz Allentsteig vergleichen. Hier gibt es trotz Übungsbetriebs viele Bereiche, wo die Natur sich selbst überlassen ist. Im Gegensatz dazu wird der Wienerwald von unzähligen Erholungssuchenden genutzt.

Wie sieht es mit dem Tiergarten Lainz, einem großen Naherholungsgebiet im Westen der Stadt, aus?

Wölfe könnten die Mauer überwinden und fänden sich dort aufgrund des großen Wildbestands in einer Art Schlaraffenland wieder. Das müsste man durch ihren Abschuss verhindern.

Muss man sich um Haustiere sorgen machen?

Grundsätzlich sollten Besitzer ihre Hunde nicht ohne Leine oder außerhalb ihrer Kontrolle im Wald frei laufen lassen, weil sie zur Beute werden können. Wolfsfamilien verteidigen ihr Revier gegen andere Wölfe und töten diese auch. Freilaufende Hunde werden eventuell als Revierkonkurrenz angesehen und sind dann stark gefährdet.

Warum wandern Wölfe zu?

Hauptgrund ist der viel zu hohe Wildbestand, der ideale Lebensbedingungen schafft. „Jäger argumentieren oft aus schlechtem Gewissen so aggressiv gegen den Wolf, weil sie am hohen Wildbestand mit Schuld sind“, ist Januskovecz überzeugt.

Wer muss Probleme befürchten?

Hauptsächlich die Landwirtschaft, deren Weidetiere gefährdet sein können. Der Herdenschutz ist mit Aufwand verbunden, der noch nicht vom Staat abgegolten wird.

Wie sieht es mit dem Tierschutz aus?

Der sollte für Wild-, sowie Haus- und Nutztiere gelten. Wölfe als grausam zu bezeichnen, weil sie ihrem Instinkt folgen, ist für Januskovecz unhaltbar.

Gehört der Wolf nach Österreich?

Er war schon vor dem Menschen da und hat eine regulierende Wirkung im Ökosystem.