Ab heute kommt wieder mehr Bewegung in die Einkaufsstraßen

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Österreich
04/14/2020

Was ein Shut-Down-Tag kostet

Ab heute bleiben "nur" noch 8.100 Geschäfte geschlossen.

Es ist so etwas wie eine kleine Trendwende. Hatten seit Beginn des Shutdowns für vier Wochen

rund 22.400 Einzelhandelsgeschäfte per Verordnung geschlossen, werden es ab heute landesweit „nur“ noch rund 8.100 (oder 22 Prozent) sein. Ab 2. Mai dürfen dann auch Shoppingcenter und weitere Großflächen wieder ihre Pforten öffnen.

Der tägliche Umsatzverlust in der Branche wird sich damit von bisher 110 Millionen Euro am Tag auf voraussichtlich 80 Millionen am Tag einbremsen, schätzen die Experten des Beratungsunternehmens Standort+Markt. Sie haben gemeinsam mit dem Institut für Handel, Absatz und Marketing der JK Universität Linz eine entsprechende Branchenanalyse veröffentlicht.

Laut dieser hat der Einzelhandel zwischen 16. März (Beginn des Shut Downs) bis Ostern bereits 2,6 Milliarden Euro (brutto) an Umsatz verloren. An den 15 Einkaufstagen von Ostern bis 2. Mai wären demnach weitere 1,7 Milliarden hinzugekommen. Durch die schrittweise Öffnung reduzieren sich die Umsatzverluste nun demnach zumindest um rund 0,5 Milliarden auf 1,2 Milliarden Euro.

Freilich fallen die entgangenen Geschäfte von Handelssparte zu Handelssparte sehr unterschiedlich aus. Während die Umsätze im Lebensmittelhandel zumindest am Beginn der Krise über dem Normalniveau lagen, erodieren die Erlöse in anderen Sparten völlig.

Buchhandel

Der österreichische Buchhandel meldet seit 16. März einen Umsatzeinbruch von 83 Prozent. Mit den Onlineshops und Lieferservices konnten die Händler also nur einen Bruchteil des Geschäfts auffangen. Besonders stark eingebrochen ist wenig überraschend die Reiseliteratur (minus 65 Prozent), während sich Kinder- und Jugendbücher relativ gut gehalten haben (minus fünf Prozent).

Auch Restaurants und Lokale können ihre entgangenen Umsätze nicht mit Liefer- und Abholservices abfedern. Alleine in der Gastronomie liegt „der wahrscheinliche Netto-Umsatzentgang“ laut Studie bei täglich 38,3 Millionen Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass die bis heute nicht verkauften Schnitzel im restlichen Jahr noch verkauft werden, ist bescheiden.

Ähnlich geht es jenen Händlern, die jetzt auf ihrer Saisonware sitzen bleiben. „Mode ist wie Joghurt. Es hat ein Ablaufdatum“, wird Amancio Ortega, Gründer der Textilhandelsgruppe Inditex (Zara), gerne zitiert. Seine Branchenkollegen wissen, dass er recht hat und stellen sich auf Abschreibungen und Rabattschlachten ein.

Die Corona-Krise sei „ein Brandbeschleuniger in der ohnedies schon angespannten Handelssituation“, schreiben die Autoren der Analyse. Solide Betriebe mit ausreichend „Cash“ würden in der Erholungsphase erhebliche Mittel für Marketing, Übernahme der besten Standorte ehemaliger, in Konkurs gegangener Konkurrenten sowie für den Umbau und die Digitalisierung der eigenen Geschäfte einsetzen. Inwieweit sich in dieser Situation kleine Handelsbetriebe behaupten können, wird sich weisen.

Die Dauer der Krise habe jedenfalls mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit direkten Einfluss auf die Zahl und Vielfalt der zukünftig am Markt agierenden stationären Händler.

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